SpaceX-Börsengang beflügelt Gewinne der Wall-Street-Banken im zweiten Quartal
Starkes Handelsgeschäft und Mega-Börsengänge wie SpaceX treiben die Erträge der größten US-Banken im zweiten Quartal 2026 deutlich an.

Die Wall-Street-Banken steuern auf ein starkes zweites Quartal 2026 zu. Angetrieben durch einen Boom im Handels- und Emissionsgeschäft – allen voran den spektakulären SpaceX-Börsengang – dürften die Ergebnisse der sechs größten US-Kreditinstitute die Erwartungen erfüllen oder übertreffen. Analysten und LSEG-Daten zufolge sorgen zudem solide Gebühreneinnahmen aus der Beratung bei Fusionen und Übernahmen (M&A) für Rückenwind.
Fünf der sechs größten US-Banken – JPMorgan Chase, Bank of America, Citigroup, Wells Fargo und Goldman Sachs – legen ihre Quartalsergebnisse am 14. Juli vor. Morgan Stanley folgt einen Tag später, am 15. Juli.
Handelserträge steigen um mindestens 15 Prozent
Der Handel erweist sich auch im Jahr 2026 als zuverlässiger Ertragsmotor. Anhaltende geopolitische Spannungen und Unsicherheiten rund um den Einsatz künstlicher Intelligenz halten die Marktvolatilität auf erhöhtem Niveau. Die Markterträge der größten globalen Banken werden im Jahresvergleich voraussichtlich um mindestens 15 Prozent steigen, wie Angad Chhatwal, Leiter der FICC-Abteilung (festverzinsliche Wertpapiere, Währungen und Rohstoffe) bei Coalition Greenwich, erklärte.
Besonders das Aktiengeschäft gilt als primärer Wachstumsmotor. „Aktien werden voraussichtlich der primäre Wachstumsmotor an den globalen Märkten sein. Der SpaceX-Börsengang wird im Quartal erhebliche Einnahmen im Bankwesen, aber auch für bestimmte Cash-Equity-Desks generiert haben", sagte Jamie Vickers, Leiter der Aktienabteilung bei Coalition Greenwich. Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley, die beim fast 86 Milliarden US-Dollar schweren SpaceX-IPO eine bedeutende Rolle spielten, dürften im Aktiengeschäft überdurchschnittlich abschneiden – so die Einschätzung von Morningstar-Analyst Sean Dunlop. Die beteiligten Banken strichen beim SpaceX-Börsengang Gebühren von rund 500 Millionen US-Dollar ein.
Dunlop warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen: Die Handelserträge könnten sich im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten Quartal verlangsamen. Im ersten Quartal hatten ungewöhnlich hohe Volatilitätsniveaus – ausgelöst durch den ersten Schock des Iran-Krieges sowie damit verbundene Inflation und Zinsneubewertungen – für außerordentlich hohe Aktivität gesorgt.
Investmentbanking auf dem stärksten Niveau seit Jahren
Auch das Investmentbanking verzeichnet kräftiges Wachstum. Die weltweiten Erträge in diesem Bereich erreichten im ersten Halbjahr 2026 laut Dealogic-Daten 61,4 Milliarden US-Dollar – ein Sprung von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Mega-Aktienemissionen und milliardenschwere Transaktionen deuten auf das optimistischste Umfeld für Geschäftsabschlüsse seit Jahren hin.
Neben SpaceX zählten der 6,4 Milliarden US-Dollar schwere Börsengang des Chipdesigners Cerebras sowie der Aktienverkauf der Google-Muttergesellschaft Alphabet im Wert von 85 Milliarden US-Dollar zu den Top-Deals des Quartals. JPMorgan blieb weltweit führend bei den Investmentbanking-Erträgen, während Goldman Sachs die globale M&A-Beratung anführte. Goldman Sachs war im bisherigen Jahresverlauf 2026 bei angekündigten Fusionen und Übernahmen im Wert von mehr als einer Billion US-Dollar beratend tätig – ein Rekordtempo für jede Investmentbank innerhalb eines Halbjahreszeitraums.
Die Banken profitieren zusätzlich von Kreditwachstum und einer Ausweitung der Nettozinsmarge. Daten der US-Notenbank Federal Reserve deuten darauf hin, dass sich das Kreditwachstum im zweiten Quartal beschleunigt hat, getragen von einer robusten Dynamik bei Gewerbe- und Industriekrediten. „Während aufgrund geopolitischer Faktoren und Marktvolatilität eine gewisse Unsicherheit fortbesteht, berichten viele Banken, dass Kunden das aktuelle Umfeld zunehmend als 'neue Normalität' betrachten und ihre Investitionspläne weiter vorantreiben", sagte Jefferies-Analyst David Chiaverini.
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Zur AktienanalyseWas die Bankchefs selbst sagen
Die Führungsetagen der großen Institute zeigen sich zuversichtlich. JPMorgan-CEO Jamie Dimon erwartet, dass die Investmentbanking-Gebühren seiner Bank im zweiten Quartal um 10 Prozent oder mehr steigen könnten. Bank of America könnte die ursprüngliche Prognose eines Marktertragswachstums von 15 Prozent sogar übertreffen, angetrieben durch das Aktiengeschäft – so Co-Präsident Jim DeMare. Die Citigroup rechnet mit einem Anstieg der Handelserträge im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich, während die Investmentbanking-Erträge um einen Prozentsatz im mittleren Zehnerbereich zulegen sollen. Morgan Stanley-CEO Ted Pick bezeichnete das aktuelle Umfeld als „ziemlich gute Zeit" für das Kapitalmarktgeschäft.
Für Anleger bleibt der Ausblick auf das Kreditwachstum in der zweiten Jahreshälfte 2026 sowie die Kommentare der Bankchefs zur US-Wirtschaft entscheidend. Sorgen über Inflation und deren Auswirkungen auf die Kaufkraft der Verbraucher bleiben präsent. Morningstar-Analyst Austin Taggart betont, dass Kreditkennzahlen und die breitere Kreditnachfrage als wichtige Säulen im Auge behalten werden sollten, um eine Fortsetzung der Rallye bei Bankaktien in die zweite Jahreshälfte 2026 zu unterstützen.


