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SpaceX-Börsengang: Warum Europa seine Weltraumsouveränität verliert

Ein bevorstehender SpaceX-Börsengang mit über 1,5 Billionen Dollar Bewertung offenbart Europas strukturelles Versagen im Weltraumsektor.

SpaceX-Börsengang: Warum Europa seine Weltraumsouveränität verliert

Der bevorstehende Börsengang von SpaceX, der das Unternehmen mit mehr als 1,5 Billionen US-Dollar bewerten könnte, wird in den USA als Triumph amerikanischer Innovation gefeiert. Für Europa hingegen markiert er laut einem Kommentar in der Financial Times einen entscheidenden Wendepunkt: den Moment, in dem der Kontinent seine Souveränität im Weltraum faktisch aufgegeben hat. Der Autor des Beitrags ist Partner bei Lux Capital und ehemaliger Redenschreiber im US-Außenministerium.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. SpaceX startete im vergangenen Jahr 170 Raketen – Europa lediglich acht. SpaceX beförderte über 2.400 Tonnen Nutzlast in den Orbit, während die europäische ArianeGroup mit ihrer Ariane 6 gerade einmal rund 16 Tonnen erreichte. Das entspricht einem Verhältnis von mehr als 100 zu eins. Hinzu kommt: SpaceX ist nun mit xAI fusioniert und steht bereit, bis zu 80 Milliarden US-Dollar an frischem Kapital aufzunehmen.

Europas strukturelles Dilemma

Die ArianeGroup, Hersteller der Ariane 6 und Europas einziger Schwerlastrakete, beschäftigt 8.700 Mitarbeiter in Frankreich und Deutschland – und ist auf jährliche Subventionen von bis zu 340 Millionen Euro angewiesen. Das Flaggschiff-Projekt der EU, die Satellitenkonstellation IRIS², illustriert das Problem noch deutlicher: Die Kosten sind von ursprünglich 6 Milliarden Euro auf über 10 Milliarden Euro gestiegen. Die volle Kapazität wird frühestens 2030 erreicht, und der Auftrag wurde über ein einziges, nicht wettbewerbsorientiertes Konsortium vergeben.

Als Airbus' Raumfahrtsparte den Abbau von 2.500 Stellen ankündigte, mussten die Entlassungen politisch auf mehrere Länder verteilt werden – mit einer Umsetzungsfrist von zwei Jahren. Der FT-Kommentar bringt es auf den Punkt: „Das ist keine Industriepolitik. Es ist ein Beschäftigungsprogramm, das sich als Weltraumstrategie ausgibt."

Ein zentrales strukturelles Problem liegt im sogenannten Prinzip der geografischen Rückführung der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Es schreibt vor, dass jeder Euro, den ein Mitgliedstaat beisteuert, in die heimische Industrie zurückfließen muss. Die Folge: Aufträge gehen an die richtigen Länder – nicht an die richtigen Unternehmen.

Ein Teufelskreis ohne einfachen Ausweg

Daraus ergibt sich ein struktureller Teufelskreis, den der Artikel präzise beschreibt: Europa besitzt keine wiederverwendbaren Trägersysteme, weil es nicht genügend Satelliten hat, deren Start sich wirtschaftlich lohnen würde. Es kann sich keine groß angelegte Satellitenkonstellation leisten, weil es keine erschwinglichen Trägerraketen hat. Und die Trägerraketen werden erst dann erschwinglich, wenn sie wiederverwendbar sind.

Währenddessen betreibt SpaceX' Starlink-Dienst rund 9.000 Satelliten und finanziert damit genau jene wiederverwendbaren Raketen, die das gesamte Geschäftsmodell immer effizienter machen. Europa will laut dem Kommentar gleichzeitig Souveränität, erstklassige Fähigkeiten und geschützte Arbeitsplätze – doch diese drei Ziele stehen in einem fundamentalen Spannungsverhältnis zueinander. Das europäische Beschaffungssystem priorisiert dabei konsequent den Schutz von Arbeitsplätzen auf Kosten der beiden anderen Ziele.

Die eigentliche Gefahr für Europa liegt dem Artikel zufolge nicht darin, mehr Starts oder staatliche Kommunikationsdienste von SpaceX einzukaufen. Die Gefahr besteht darin, dass Europas eigene Alternative strukturell auf ein Scheitern ausgelegt ist – und dass zu viele Akteure auf dem Kontinent SpaceX' Fähigkeiten bereits für unverzichtbar halten.

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