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SpaceX-Börsengang: Warum Leerverkäufer diesmal vorsichtig agieren

Trotz astronomischer Bewertung und Governance-Bedenken scheuen Short-Seller das Risiko beim erwarteten SpaceX-Debüt an der Börse.

SpaceX-Börsengang: Warum Leerverkäufer diesmal vorsichtig agieren

Leerverkäufer stehen vor einem Dilemma: SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, bietet auf den ersten Blick viele Merkmale einer klassischen Short-Wette – doch die Risiken sind enorm. Mit einem geschätzten Kurs-Umsatz-Verhältnis von 56 und einer Gesamtbewertung von 1,75 Billionen US-Dollar gehört SpaceX zu den teuersten Unternehmen der Welt. Dennoch erwarten nur wenige Marktteilnehmer, dass Investoren beim lang erwarteten Börsengang massiv auf fallende Kurse setzen werden.

„Es ist ein extrem riskantes Short-Szenario", sagte Gabriel Shahin, CEO von Falcon Wealth Planning in Los Angeles, dessen Firma es ihren Anlegern ermöglicht hat, SpaceX-Aktien auf privaten Märkten zu kaufen. Das Interesse bullisher Investoren – darunter auch viele Privatanleger – sei schlicht zu groß für eine sichere Short-Wette. Die jüngste Hausse bei Tech-Giganten mit Bewertungen von einer Billion US-Dollar oder mehr hat Leerverkäufer zuletzt brutal getroffen.

Der geplante Börsengang soll mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden US-Dollar der größte aller Zeiten werden. Allerdings würde der Streubesitz weniger als 5 Prozent der ausstehenden Aktien betragen – ein Faktor, der Leerverkäufe unmittelbar nach dem Debüt zusätzlich erschwert, da kaum Aktien für die Leihe verfügbar wären.

Attraktives Ziel, aber hohe Hürden für Short-Seller

Dass SpaceX keine Merkmale aufweist, die Leerverkäufer anlocken könnten, will dennoch niemand behaupten. Analysten von Morningstar verweisen auf die unsichere Wirtschaftlichkeit der xAI-Plattform sowie auf Technologien wie orbitale Rechenzentren, deren Rentabilität noch nicht erwiesen ist. Die Bewertung übersteige die der meisten anderen Mega-Caps deutlich.

Peter Hillerberg, Mitbegründer von Ortex Technologies, einem Anbieter von Analysen für Wertpapierleihe und Short-Interest, sieht in der hohen Aufmerksamkeit für den Börsengang, dem Interesse von Privat- und institutionellen Anlegern sowie den unterschiedlichen Ansichten über die Bewertung „normalerweise Zutaten, die eine breite Meinungsvielfalt schaffen können, was oft das Interesse von Leerverkäufern weckt". Er betonte jedoch, es sei noch zu früh, um die tatsächliche Nachfrage einzuschätzen.

Mark Spiegel von Stanphyl Capital Partners, ein langjähriger Tesla-Bär, hält SpaceX zwar für „grotesk überbewertet", verfolgt aber einen abwartenden Ansatz. Er könne einen Leerverkauf erst nach den sogenannten „Unlock-Terminen" in Erwägung ziehen, wenn mehr Aktien für die Leihe verfügbar werden. „Nur sehr wenige Leute werden einen Börsengang sofort leerverkaufen", so Spiegel. Während die meisten neu an die Börse gehenden Unternehmen für etwa sechs Monate nach der Notierung umfassende Beschränkungen für Insiderverkäufe auferlegen, hat SpaceX Ausnahmen für einige Teilnehmer geschaffen und plant eine schrittweise Freigabe gesperrter Aktien.

Teslas Geschichte als warnendes Beispiel

Die Erfahrungen mit Leerverkäufen bei Musks anderem Unternehmen Tesla sind für Short-Seller eine deutliche Warnung. Auf dem Papier haben Tesla-Leerverkäufer seit Juni 2021 laut S3 Partners insgesamt 27 Milliarden US-Dollar verloren – einschließlich direkt auf Tesla-Aktien gerichteter Wetten sowie Index-Hedges, die aufgrund der Aufnahme von Tesla in den S&P 500 genutzt wurden. In den vergangenen zehn Jahren sind die Tesla-Aktien um mehr als 2.500 Prozent gestiegen.

„Wenn man zurückdenkt, war die Erfahrung all dessen ziemlich unangenehm", sagte Sam Pierson, Forschungsdirektor bei S3 Partners. Musk selbst führte einen sehr öffentlichen Kampf gegen Tesla-Leerverkäufer, zu denen prominente Investoren wie Jim Chanos, David Einhorn und der „Big Short"-Investor Michael Burry gehören. Er verspottete seine Kritiker durch den Verkauf von roten Satin-Shorts und schickte Einhorn sogar eine Kiste mit Shorts.

Im August 2018 veröffentlichte Musk seinen berüchtigten „Funding secured"-Tweet, in dem er ankündigte, Tesla für 420 US-Dollar pro Aktie von der Börse nehmen zu wollen. Dies löste einen Kurssprung bei Tesla aus und bescherte den Leerverkäufern Mark-to-Market-Verluste von rund 1,3 Milliarden US-Dollar.

Schwieriges Umfeld für Leerverkäufer generell

Im weiteren Marktkontext wurden Leerverkäufer im letzten Jahrzehnt durch den lang anhaltenden Bullenmarkt stark belastet. Die Herausforderungen verschärften sich zusätzlich mit dem Meme-Stock-Hype im Jahr 2021. Der Goldman Sachs Most Shorted Rolling Index – ein gleichgewichteter Korb der 50 Titel mit dem höchsten Short-Interest im Russell 3000 Index – ist in diesem Jahr um 29 Prozent gestiegen und steuert auf sein viertes Gewinnjahr in Folge zu.

Zudem erlitt das Handbuch der aktivistischen Leerverkäufer kürzlich einen Rückschlag durch die Verurteilung des prominenten Investors Andrew Left wegen Betrugs – eine Entwicklung, die eine abschreckende Wirkung auf diese Praxis haben könnte. Für SpaceX bedeutet das: Selbst kritische Investoren dürften beim Börsengang zunächst abwarten, bevor sie eine Short-Position eingehen.

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