SpaceX-Börsengang: Warum Leerverkäufer diesmal vorsichtig bleiben
Trotz astronomischer Bewertung und Governance-Bedenken scheuen Short-Seller das Risiko beim mit 1,75 Billionen Dollar bewerteten SpaceX-Debüt.

Leerverkäufer stehen vor einem Dilemma: SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, bietet auf den ersten Blick viele klassische Merkmale für eine Short-Wette. Ein geschätztes Kurs-Umsatz-Verhältnis von 56 – selbst für die am schnellsten wachsenden Unternehmen astronomisch hoch – sowie Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung machen das Unternehmen zu einem scheinbar logischen Ziel. Dennoch erwarten Marktbeobachter kaum, dass Investoren mit gezückten Waffen gegen das lang erwartete Börsendebüt vorgehen werden.
Der geplante Börsengang soll SpaceX mit 1,75 Billionen US-Dollar bewerten und mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar der größte aller Zeiten werden. Allerdings würde der Streubesitz weniger als 5 Prozent der ausstehenden Aktien betragen – ein Faktor, der die Verfügbarkeit von Leihaktien für Short-Seller erheblich einschränkt.
„Es ist ein extrem riskantes Short-Szenario", sagte Gabriel Shahin, CEO von Falcon Wealth Planning in Los Angeles. Seine Firma ermöglicht Anlegern bereits den Kauf von SpaceX-Aktien auf privaten Märkten. Shahin verweist auf das enorme Interesse bullisher Investoren, darunter auch viele Privatanleger, das eine sichere Short-Wette nahezu unmöglich mache.
Erfahrungen mit Tesla als warnendes Beispiel
Die jüngste Hausse am Markt – angeführt von Tech-Giganten mit einer Bewertung von einer Billion Dollar oder mehr – war brutal für alle, die gegen Aktien gewettet haben. Das Paradebeispiel ist Musks anderes Unternehmen Tesla: Leerverkäufer haben dort seit Juni 2021 auf dem Papier 27 Milliarden Dollar verloren, einschließlich direkter Wetten gegen Tesla-Aktien und Index-Hedges, die für die Aufnahme von Tesla in den S&P 500 verwendet wurden – so die Daten von S3 Partners. In den vergangenen zehn Jahren sind die Tesla-Aktien um mehr als 2.500 Prozent gestiegen.
„Wenn man zurückblickt, war die Erfahrung von all dem ziemlich unangenehm", sagte Sam Pierson, Forschungsleiter bei S3 Partners. Diese Erfahrung dürfte viele potenzielle SpaceX-Bären zur Zurückhaltung bewegen.
Auch Mark Spiegel von Stanphyl Capital Partners, ein langjähriger Tesla-Bär, der SpaceX für „grotesk überbewertet" hält, verfolgt einen abwartenden Ansatz. Er verweist auf die großen natürlichen Käufer in den Indizes, allen voran den Nasdaq 100, die die Aktie nach der Notierung fast sofort aufnehmen werden. „Nur sehr wenige Leute werden einen Börsengang sofort leerverkaufen", so Spiegel. Er könne einen SpaceX-Short allenfalls nach den sogenannten „Unlock-Terminen" in Erwägung ziehen, wenn mehr Aktien für die Leihe verfügbar werden.
Strukturelle Hürden für Short-Seller
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseWährend die meisten neu an der Börse notierten Unternehmen für etwa sechs Monate nach der Notierung weitreichende Beschränkungen für Insiderverkäufe auferlegen, hat SpaceX Ausnahmen für einige Teilnehmer geschaffen und plant eine schrittweise Freigabe gesperrter Aktien. Unmittelbar nach dem Börsengang dürften die hohen Leihkosten und die relative Schwierigkeit, Aktien zu leihen, Leerverkäufer zusätzlich bremsen.
Peter Hillerberg, Mitbegründer von Ortex Technologies – einem Anbieter von Analysen für Wertpapierleihe und Short Interest – sieht in der hohen Aufmerksamkeit für den Börsengang, dem Interesse von Privat- und institutionellen Anlegern sowie den unterschiedlichen Bewertungsansichten „normalerweise Zutaten, die ein breites Meinungsspektrum schaffen können, was oft das Interesse von Leerverkäufern weckt." Er betonte jedoch, dass es noch zu früh sei, um die tatsächliche Nachfrage abzuschätzen.
Die Analysten von Morningstar weisen in einer aktuellen Mitteilung darauf hin, dass die Bewertung von SpaceX die der meisten anderen Mega-Caps übersteige. Zudem sei die Wirtschaftlichkeit rund um die xAI-Plattform und Technologien wie orbitale Rechenzentren noch ungewiss. Für Short-Seller bleibt die zentrale Frage: Wann ist der richtige Zeitpunkt – und reicht das Risiko-Ertrags-Verhältnis aus, um gegen Elon Musk zu wetten?


