SpaceX IPO: Kann das Unternehmen jemals Gewinne erwirtschaften?
SpaceX strebt eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar an – doch die KI-Wachstumsstrategie des Raumfahrtunternehmens wirft ernste Fragen auf.

SpaceX geht an die Börse – und das mit einer geschätzten Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar. Die Kernthese des Unternehmens: Der Transport von Objekten in den Weltraum soll dabei helfen, einen 26,5 Billionen Dollar schweren Markt für Künstliche Intelligenz (KI) zu erschließen. Kritiker halten diese Argumentation jedoch für wenig überzeugend.
Das erklärte Unternehmensziel von SpaceX lautet, das Leben „multiplanetarisch" zu machen – also eine Basis auf dem Mond und Städte auf anderen Planeten zu errichten. CEO Elon Musk verfolgt dieses Ziel mit großem persönlichem Engagement. Doch ein bewundernswertes gesellschaftliches Ziel ist nicht automatisch ein profitables Unternehmensziel. Die Errichtung außerirdischer Kolonien würde enorme Summen verschlingen und würde nach Einschätzung von Analysten wahrscheinlich niemals eine positive Kapitalrendite erzielen.
Die KI-Strategie im Weltraum
Im Börsenprospekt (S-1), den SpaceX bei der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC eingereicht hat, skizziert das Unternehmen seine kurzfristigere Wachstumsstrategie. Die Logik klingt zunächst nachvollziehbar: Fortschrittliche KI-Modelle benötigen enorme Rechenkapazitäten und damit viel Energie. Günstigere Energie bedeutet niedrigere Betriebskosten, was wiederum niedrigere Preise pro verarbeitetem Datensatz ermöglicht.
SpaceX zieht daraus jedoch eine ungewöhnliche Schlussfolgerung: Da die Sonne rund 99,8 Prozent der Energie des Sonnensystems enthält und Sonnenlicht im Orbit nahezu konstant und ununterbrochen verfügbar ist, sei der „logische Weg nach vorne", energieintensive KI-Arbeitslasten in den Orbit zu verlagern. Das Unternehmen argumentiert, sein Startgeschäft werde es ermöglichen, dort konsistent leistungsfähigere Hardware zu betreiben als Wettbewerber ohne Weltraumzugang.
Schwache Argumente, offensichtliche Alternativen
Die Gegenargumente sind gewichtig. Zwar erreichen an klaren Tagen nur etwa 70 Prozent des Sonnenlichts die Erdoberfläche, und das nur während der Tagesstunden. Dennoch können terrestrische Solaranlagen ein Vielfaches der Energie einer Orbitalanlage erzeugen – schlicht weil sie zehntausendfach größer gebaut werden können. Der größte Solarpark der USA erstreckt sich über 4.600 Acres, der weltgrößte in China sogar über 235 Quadratmeilen.
Hinzu kommt ein weiteres strukturelles Problem: KI-Berechnungen sind auf schnelle Datenverbindungen angewiesen. Auf der Erde geschieht dies über zuverlässige Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetze. Im Weltraum müsste man sich auf langsamere und weniger sichere Satellitensignale oder andere drahtlose Übertragungen verlassen. SpaceX quantifiziert im Prospekt mit keinem Wort, welche Auswirkungen diese langsameren Übertragungsgeschwindigkeiten auf die orbitale KI-Strategie hätten.
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Zur AktienanalyseSchließlich gibt es noch den Wartungsaspekt: Wenn in einem terrestrischen Rechenzentrum oder Solarpark etwas ausfällt, schickt man einen Techniker vor Ort. Im Orbit müsste dieser Techniker in einen Raumanzug gesteckt und ins All befördert werden – ein Kostenfaktor, der allein schon die Wirtschaftlichkeit des gesamten Konzepts in Frage stellt.
Fazit: Strategie ohne überzeugende Renditeaussichten
Die Analyse zeigt: SpaceX scheint weder die Nachteile seiner orbitalen KI-Infrastruktur noch die offensichtlichen terrestrischen Alternativen ausreichend berücksichtigt zu haben. Für Privatanleger, die den Börsengang von SpaceX in Betracht ziehen, ist das ein erhebliches Warnsignal. Solange das Unternehmen seine KI-Wachstumsstrategie nicht grundlegend überdenkt, erscheint es unwahrscheinlich, dass SpaceX jemals nachhaltige Gewinne für seine Aktionäre erwirtschaften wird. Die Bewertung von 1,75 Billionen Dollar basiert damit auf einer These, die mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet.


