SpaceX-IPO: Was Krypto-Derivate über den Börsengang verraten
Perpetual Futures auf SpaceX zeigen ein gemischtes Bild – während Prognosemärkte deutlich optimistischer auf den Mega-IPO blicken.

Der wohl größte Börsengang der Geschichte steht unmittelbar bevor. Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX will am Freitag 75 Milliarden Dollar am Kapitalmarkt einsammeln und strebt dabei eine Bewertung von rund 1,8 Billionen Dollar an. Auch in Deutschland können Anleger mitmachen – von Trade Republic bis zur Commerzbank ermöglichen zahlreiche Broker die Teilnahme am IPO.
Doch noch bevor der offizielle Börsenhandel beginnt, lässt sich SpaceX bereits auf speziellen Plattformen handeln. Seit dem 17. Mai sind sogenannte Perpetual Futures auf SpaceX verfügbar – unter anderem auf der Krypto-Trading-Plattform Hyperliquid sowie auf den Kryptobörsen Binance und Kraken. Diese Terminkontrakte ohne Verfallsdatum, kurz „Perps", ermöglichen es Anlegern, auf die Kursentwicklung eines Assets zu setzen, ohne es tatsächlich zu besitzen. Gehandelt wird rund um die Uhr, auch am Wochenende.
Krypto-Markt zeigt Skepsis beim SpaceX-Kurs
Ein Blick auf die Kursentwicklung der SpaceX-Perps offenbart ein durchwachsenes Bild. Als Referenzpreis wurde auf Hyperliquid ein Wert von 150 Dollar festgelegt, was einer Bewertung von 1,78 Billionen Dollar entspricht – und damit einem Aufschlag gegenüber dem geplanten Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie. Kurz nach Handelsstart kletterte der Perp in der Spitze auf bis zu 216 Dollar, was einem impliziten Aktienkurs von rund 194 Dollar entsprach.
Seitdem hat sich das Bild jedoch deutlich eingetrübt. Zuletzt notierte der SpaceX-Perp bei gut 155 Dollar – bereinigt um den Aufschlag entspricht das einem impliziten Kurs von rund 140 Dollar je Aktie. Gegenüber dem Hoch bedeutet das einen Rückgang von rund 28 Prozent. Bemerkenswert: Im Börsenprospekt von SpaceX ist ein Maximalpreis von 162 Dollar je Aktie angegeben – der aktuelle Perp-Kurs liegt damit bereits darunter.
Wer auf diesen Plattformen handeln möchte, benötigt eine Krypto-Wallet, also eine digitale Brieftasche für Kryptowährungen. Ein- und Auszahlungen laufen überwiegend über den Stablecoin USDC – eine an den US-Dollar gekoppelte Kryptowährung, die keine nennenswerten Kursschwankungen aufweisen soll.
Hohe Risiken durch Hebeleffekte und dünne Märkte
Anleger sollten sich der erheblichen Risiken bewusst sein, die mit dem Handel von Perps verbunden sind. Der Markt ist vergleichsweise klein: Der sogenannte Open Interest – also das Volumen aller offenen Kontrakte – lag zuletzt bei gut 101 Millionen Dollar. In so gering kapitalisierten Märkten können bereits einzelne größere Verkäufe spürbare Kursbewegungen auslösen.
Verstärkt wird dieses Risiko durch gehebelte Positionen. Fällt der Kurs, sind manche Anleger gezwungen, ihre Positionen zu schließen – was den Kurs bei einem dünnen Orderbuch weiter nach unten drückt. Ein Beispiel dafür lieferte Ende Mai ein SpaceX-Perp, der innerhalb weniger Minuten um 45 Prozent abstürzte. Zudem handelt es sich bei Perps um derivative Konstrukte: Sie bilden die Kursentwicklung eines Vermögenswerts lediglich nach – ohne Eigentums- oder Stimmrechte und mit deutlich geringerem regulatorischem Schutz als klassische Aktien.
Ein weiterer Faktor könnte den Perps-Markt belasten: Je näher der IPO rückt, desto mehr Spekulanten könnten ihre Wetten auflösen, um Kapital für die Zeichnung der echten SpaceX-Aktien freizumachen.
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Zur AktienanalysePrognosemärkte sehen SpaceX deutlich optimistischer
Ein ganz anderes Bild zeichnen die Prognosemärkte. Auf der Plattform Polymarket hielten es am Dienstag 85 Prozent der Teilnehmer für wahrscheinlich, dass SpaceX am Ende des ersten Handelstages eine Marktkapitalisierung von mehr als 1,8 Billionen Dollar erreicht. 68 Prozent gingen sogar davon aus, dass der Börsenwert die Marke von zwei Billionen Dollar überschreiten könnte.
Die Signale aus dem Krypto-Derivatemarkt und den Prognosemärkten zeigen damit in unterschiedliche Richtungen. Für Privatanleger gilt: Die Bewegungen auf Perps-Plattformen lassen sich nur begrenzt auf den realen Aktienmarkt übertragen. Die strukturellen Unterschiede – dünne Liquidität, Hebeleffekte und fehlender regulatorischer Schutz – machen diese Signale zu einem unsicheren Indikator für den tatsächlichen Börsenkurs von SpaceX.


