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Spirituosenaktien: Diageo und Pernod Ricard auf Tabak-Bewertungsniveau

Sinkende Nachfrage und hohe Preise belasten Spirituosenkonzerne – doch günstige Bewertungen könnten eine Einstiegschance bieten.

Die Aktien großer Spirituosenkonzerne wie Diageo und Pernod Ricard werden derzeit zu Bewertungen gehandelt, die an die gebeutelte Tabakbranche erinnern. Dieser Vergleich ist alarmierend – und gleichzeitig aufschlussreich. Denn während Tabakkonzerne mit einem strukturellen, kaum umkehrbaren Nachfragerückgang kämpfen, stellt sich für Spirituosen die Frage: Ist der aktuelle Abschwung dauerhaft oder zyklisch?

Diageo, der Eigentümer der Tequila-Marke Casamigos, und Pernod Ricard, der Hersteller des bekannten Jameson-Whiskeys, stehen stellvertretend für eine Branche unter Druck. Jahrelang haben Alkoholkonzerne selbst zu verantwortungsbewusstem Trinken aufgerufen – nun scheint diese Botschaft tatsächlich Wirkung zu zeigen, zum Nachteil der eigenen Aktienkurse.

Vier Jahre in Folge: Rückläufige Absatzzahlen in den USA

Die USA gelten als einer der weltweit wichtigsten Märkte für Spirituosen. Doch die Entwicklung dort bereitet der Branche zunehmend Sorgen. Laut Daten des auf alkoholische Getränke spezialisierten Analyseunternehmens IWSR ist das Absatzvolumen von Spirituosen in den Vereinigten Staaten seit vier aufeinanderfolgenden Jahren rückläufig. Ein anhaltender Trend, der die Investoren verunsichert.

Ein wesentlicher Faktor hinter diesem Rückgang ist die mangelnde Erschwinglichkeit. Die Menschen trinken beim Ausgehen schlicht weniger, weil es zu teuer geworden ist. Analysten des Investmenthauses Bernstein schätzen, dass die Preise für Spirituosen in Bars und Restaurants in den vergangenen fünf Jahren um 29 Prozent gestiegen sind – ein Anstieg, der die allgemeine Inflationsrate deutlich übersteigt.

In vielen US-amerikanischen Städten werden Cocktails für 20 US-Dollar zunehmend zur Normalität. Bars und Restaurants versuchen auf diese Weise, gestiegene Arbeits- und Vorleistungskosten an die Konsumenten weiterzugeben. Die Folge: Gäste bestellen weniger oder verzichten ganz auf das Glas Margarita zum Abendessen.

Chance oder Falle für Anleger?

Für deutsche Privatanleger stellt sich angesichts dieser Entwicklung eine zentrale Frage: Sind die gedrückten Bewertungen von Diageo und Pernod Ricard ein Warnsignal – oder eine Kaufgelegenheit? Der Vergleich mit der Tabakbranche ist dabei entscheidend. Tabakaktien werden seit Jahren mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt, weil der Markt einen langfristigen, strukturellen Niedergang einpreist.

Wer glaubt, dass Alkohol denselben Weg wie herkömmliche Zigaretten nehmen wird – also einen dauerhaften gesellschaftlichen und regulatorischen Gegenwind –, für den sind die aktuellen Kurse möglicherweise keine Schnäppchen. Wer hingegen davon ausgeht, dass der aktuelle Rückgang vor allem preisgetrieben und damit zyklischer Natur ist, könnte in den gedrückten Bewertungen eine attraktive Einstiegsmöglichkeit sehen.

Die Spirituosenbranche steht damit an einem Scheideweg. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich das Konsumverhalten der Amerikaner erholt – oder ob der Trend zu weniger Alkohol strukturell verankert ist und die Branche tatsächlich vor einem „Big Tobacco"-Moment steht.

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