Staat rettet Meyer Werft vor der Insolvenz
Bund und Niedersachsen sichern Kredite und übernehmen fast 81 Prozent der Anteile.

Die Meyer Werft, ein traditionsreiches Familienunternehmen aus Papenburg, steht vor einer umfassenden Rettung durch den Staat. Sowohl der Bund als auch das Land Niedersachsen haben angekündigt, sich mit jeweils 40,363 Prozent an dem angeschlagenen Schiffbauer zu beteiligen. Die Kosten für die Anteile belaufen sich auf jeweils 200 Millionen Euro. Damit soll die wirtschaftliche Zukunft des Unternehmens gesichert werden. Der Bundestags-Haushaltsausschuss muss dem Plan noch zustimmen, während die niedersächsische Landesregierung bereits zugestimmt hat. Zusätzlich zur Beteiligung übernehmen Bund und Land 80 Prozent der Bürgschaften für Kredite in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Die restlichen 20 Prozent der Bürgschaften tragen die Banken selbst.
Die Rettung der Meyer Werft gilt als notwendig, um die Arbeitsplätze und die Zukunft der Kreuzfahrtschiffbau-Kompetenz in Deutschland zu sichern. Die Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen sei nach wie vor hoch, was laut einem unabhängigen Sanierungsgutachten die Rentabilität des Unternehmens nach erfolgreicher Restrukturierung wiederherstellen könnte. Ohne diese Rettungsaktion hätte eine Insolvenz zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten geführt. Bis zu 6000 Arbeitsplätze, darunter auch die von Zulieferern, wären in Gefahr gewesen.
Ein zentraler Punkt der Sanierung ist die Anpassung der Finanzierungsbedingungen bei zukünftigen Aufträgen. Laut internen Unterlagen der Meyer Werft sollen dabei die Finanzierungslasten verringert und notwendige Garantien reduziert werden. Die Werftgruppe hat in den letzten Jahren unter einer Finanzierungslücke gelitten, die sich aufgrund ausbleibender Anzahlungen während der Corona-Pandemie auf 2,6 Milliarden Euro ausgeweitet hat. Bis zum 15. September musste eine Lösung gefunden werden, um die Insolvenz abzuwenden. Die Einigung zwischen Bund und Land schafft nun die Basis für die Sanierung.
Neben dem Hauptstandort in Papenburg gehört zur Meyer Werft auch die Neptunwerft in Rostock-Warnemünde. Das Unternehmen ist ein bedeutender Arbeitgeber in der deutschen Schiffbauindustrie mit 3800 Beschäftigten, was etwa 23 Prozent der gesamten Werftbeschäftigten in Deutschland entspricht. Bundeskanzler Olaf Scholz bezeichnete die Meyer Werft kürzlich als „Trumpf“, der nicht aufgegeben werden dürfe. Ein wichtiges Geschäftsfeld der Werft ist neben dem Kreuzfahrtschiffbau auch die Produktion von Konverterplattformen für Offshore-Windenergie, die maßgeblich zur Energiewende in Deutschland beitragen.
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Zur AktienanalyseDie Familie Meyer, die das Unternehmen in sechster Generation führt, behält einen Anteil von rund 19 Prozent. Ihnen wird zudem ein Rückkaufsrecht eingeräumt.


