Staatsfonds setzen verstärkt auf nationale Strategien und KI-Investitionen
Eine neue Studie zeigt: Geopolitische Verschiebungen treiben Staatsfonds zu strategischen Prioritäten – mit massiv steigenden Ausgaben.

Staatsfonds weltweit richten ihre Investitionsstrategien neu aus. Laut einer am Freitag veröffentlichten Studie der IE University aus Spanien legen die Fonds, die zusammen mehr als 15 Billionen US-Dollar verwalten, neben klassischen Anlagerenditen zunehmend Wert auf strategische nationale Ziele – von krisenfester Infrastruktur bis hin zu Schlüsselindustrien im Inland.
„Diese fragmentierte Welt hat Auswirkungen", sagte Javier Capapé, Herausgeber des Berichts und Direktor für Staatsfonds-Forschung an der IE University. „Staatsfonds werden von Regierungen immer häufiger eingesetzt, um nationale Strategien umzusetzen und stärkere Positionen in den globalen Wertschöpfungsketten aufzubauen."
Der Hintergrund ist die zunehmende geopolitische Fragmentierung der Weltwirtschaft. Regierungen betrachten Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter verstärkt als strategische Vermögenswerte – und setzen ihre Staatsfonds gezielt ein, um in diesen Bereichen Einfluss zu sichern.
Gesamtausgaben steigen um 91 Prozent
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den Investitionsvolumina. Zwar sank die Zahl der Direktinvestitionen im Vergleich zum vorangegangenen Berichtszeitraum um 17 Prozent auf 391 Transaktionen. Die Gesamtausgaben stiegen jedoch im Vergleich zum Bericht der Universität aus dem Jahr 2024 um 91 Prozent auf 404 Milliarden US-Dollar. Der Trend geht damit klar in Richtung größerer, strategisch bedeutsamerer Einzeldeals.
KI-bezogene Investitionen machten laut Capapé etwa ein Drittel der in der Studie erfassten Ausgaben aus. Unternehmen wie Stargate, OpenAI und Databricks zogen dabei Kapital von staatlichen Investoren mit langfristigem Anlagehorizont an. Zu den konkreten Deals zählen die Unterstützung von OpenAI durch die in Abu Dhabi ansässige MGX sowie die Finanzierung von xAI durch MGX, die Qatar Investment Authority (QIA) und die Oman Investment Authority. Auch an der 13-Milliarden-Dollar-Finanzierungsrunde des KI-Unternehmens Anthropic waren die QIA und die singapurische GIC beteiligt.
Die USA profitierten am stärksten von diesem Investitionstrend: Mit 220,4 Milliarden US-Dollar zogen sie den mit Abstand größten Anteil an Staatsfonds-Kapital an – begünstigt durch den starken Fokus auf KI-Infrastruktur und Technologie.
Singapurs Temasek führt beim Deal-Volumen
Energiereiche Nationen wie die Golfstaaten und Norwegen gehörten zu den größten Kapitalgebern. Beim reinen Deal-Volumen führte jedoch Singapurs Staatsfonds Temasek mit 71 Transaktionen das Ranking an. Dies unterstreicht die aktive Rolle asiatischer Staatsfonds im globalen Investitionsgeschehen.
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Zur AktienanalyseDer Bericht erfasste zudem 12 neue Staatsfonds, darunter MGX sowie neu gegründete Fonds in Irland, Großbritannien, Botswana und Spanien. Capapé wertet dies als Zeichen eines wachsenden Interesses, staatliches Kapital für strategische Investitionen zu nutzen und den Einfluss im Ausland auszuweiten.
Einschränkend wies Capapé darauf hin, dass die Studie – die Direktinvestitionen über einen Zeitraum von 18 Monaten bis Dezember 2025 untersuchte – nur „die Spitze des Eisbergs" erfasse, da viele Investitionen von Staatsfonds nicht öffentlich bekannt gegeben werden. Die tatsächlichen Volumina dürften also noch deutlich höher liegen.
„Nicht-marktbezogene Faktoren haben eine größere Bedeutung als in jeder anderen Periode seit dem Ende des Kalten Krieges", so Capapé. „Wir treten in ein neues Paradigma ein, und Staatsfonds sind Teil dieses Wandels."


