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Starker US-Jobsbericht löst massive Verkaufswelle an Wall Street aus

Ein überraschend robuster Arbeitsmarktbericht befeuert Zinsängste und schickt Technologie- und Halbleiterwerte auf Talfahrt.

Starker US-Jobsbericht löst massive Verkaufswelle an Wall Street aus

Ein einziger Datenpunkt hat die Stimmung an den Börsen schlagartig gedreht: Der US-Arbeitsmarktbericht für Mai hat am Freitag eine breite Verkaufswelle ausgelöst. Das Arbeitsministerium meldete 172.000 neu geschaffene Stellen – mehr als doppelt so viele wie Analysten erwartet hatten. Die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 4,3 Prozent.

Die robusten Zahlen signalisieren zwar eine starke Wirtschaft, zerstören aber gleichzeitig die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen durch die US-Notenbank Fed. Noch weitreichender: An den Finanzmärkten wird inzwischen sogar eine Wahrscheinlichkeit von knapp 43 Prozent für eine Zinserhöhung im Dezember eingepreist. Höhere Zinsen machen Anleihen im Vergleich zu Aktien attraktiver – ein klassisches Belastungsszenario für die Aktienmärkte.

Zusätzlich drückte die ungelöste Lage im Iran-Krieg auf die Stimmung. Eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus könnte die Energiepreise und damit die Inflation weiter anheizen – ein weiteres Argument gegen Zinssenkungen.

Technologie- und Halbleiterwerte im freien Fall

Besonders hart traf es den Technologiesektor. Der Nasdaq-Index stürzte um 4,2 Prozent auf 25.709 Punkte ab. Der Philadelphia-Halbleiterindex brach so stark ein wie zuletzt im März 2020 – dabei wurden mehr als eine Billion Dollar an Börsenwert vernichtet. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 2,6 Prozent auf 7.384 Punkte und beendete damit eine neunwöchige Gewinnserie. Der Dow Jones schloss 1,4 Prozent tiefer bei 50.867 Punkten.

Ryan Detrick, Chef-Marktstratege der Carson Group, kommentierte das Geschehen nüchtern: „Nach der Rekordjagd der letzten neun Wochen bei Aktien, insbesondere bei Technologie- und Halbleiterwerten, sind heute einfach alle Dämme gebrochen." Ohsung Kwon, Aktienstratege bei Wells Fargo, sieht die Marktreaktion jedoch eher als Gewinnmitnahmen denn als fundamentalen Stimmungsumschwung. Der Halbleitersektor sei stark überkauft gewesen – das Ende des Bullenmarktes sei dies jedoch nicht.

Unter den Einzelwerten gab Nvidia, das nach Börsenwert größte Unternehmen der Welt, um 6,2 Prozent nach. Die Aktien der Konkurrenten Intel, Micron, AMD und Broadcom verloren zwischen 7,9 und 13,3 Prozent. Auch Kryptowerte blieben nicht verschont: Bitcoin fiel um 4,1 Prozent, Coinbase und MicroStrategy verloren im Sog davon rund sieben Prozent.

Einzelwerte: Lululemon enttäuscht, Cooper Companies überzeugt

Abseits des Technologiesektors sorgten Unternehmenszahlen für teils heftige Kursbewegungen. Lululemon brach um 8,6 Prozent ein, nachdem der Sportbekleidungshersteller seine Jahresgewinnprognose gesenkt und für das zweite Quartal Ergebnisse in Aussicht gestellt hatte, die deutlich unter den Erwartungen der Wall Street lagen.

Gegen den Trend entwickelten sich die Papiere von Cooper Companies: Der Kontaktlinsenhersteller übertraf mit seinen Quartalsergebnissen die Analystenerwartungen und legte um 8,6 Prozent zu.

Eine weitere Meldung sorgte für Aufmerksamkeit: S&P Global teilte mit, die Aufnahmekriterien für seine wichtigsten Indizes nicht zu ändern. Damit ist ein schneller Einzug von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX in den S&P 500 nach einem geplanten Börsengang faktisch ausgeschlossen.

DAX ebenfalls unter Druck

Auch der deutsche Aktienmarkt blieb von der negativen Stimmung nicht unberührt. Der DAX schloss 0,75 Prozent im Minus bei 24.759,05 Punkten. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Verlust von 1,38 Prozent. Die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten erweist sich weiterhin als hartnäckiger Widerstand. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen gab um 1,02 Prozent auf 32.466,60 Zähler nach.

Als Belastungsfaktoren nannten Marktbeobachter neben dem US-Arbeitsmarktbericht auch die unklare Lage im Nahost-Krieg sowie eine nachlassende Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Die Spekulation, dass die Fed noch in diesem Jahr die Leitzinsen erhöhen könnte, dürfte die Märkte in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.

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