Starlink dominiert Bord-WLAN-Markt und lässt Amazon hinter sich
Musks Satellitennetz sichert sich Verträge für über 7.000 Flugzeuge – Amazons Kuiper-Konstellation kämpft noch mit Anlaufschwierigkeiten.

Starlink, der Satelliten-Internetdienst von SpaceX, setzt sich im Wettbewerb um die Versorgung von Fluggesellschaften mit schnellem Bord-WLAN klar gegen Amazons Konkurrenzprojekt durch. Laut dem Luftfahrt-Analystenhaus Valour Consultancy hat Starlink allein im Jahr 2026 bislang elf neue Airline-Kunden gewonnen – nach 22 im Jahr 2025, acht im Jahr 2024 und drei im Jahr 2022. SpaceX hält damit Starlink-Verträge für mehr als 7.000 Flugzeuge weltweit.
Amazon hingegen steht nach dem Fehlschlag einer Blue-Origin-Rakete im vergangenen Monat vor einem potenziellen Rückschlag. Das Unternehmen baut noch an seiner LEO-Satellitenkonstellation (Low Earth Orbit) und hat zwar erste Kunden gewonnen – darunter Delta Air Lines und JetBlue Airways –, ist aber in seiner Reichweite noch deutlich eingeschränkt.
Milliardeninvestitionen für besseres WLAN an Bord
Die Installation von Starlink oder Amazons Satelliten-Breitband stellt für Fluggesellschaften eine erhebliche Investition dar. Bei großen Flotten können die Kosten in die Hunderte Millionen US-Dollar gehen. Analysten von Jefferies schätzen, dass der Starlink-Rollout von American Airlines allein 150 bis 250 Millionen US-Dollar für Ausrüstung und Installation kosten könnte – noch vor jährlichen Servicegebühren, die 60 Millionen US-Dollar übersteigen könnten. American Airlines gab Ende Mai bekannt, ab Anfang 2027 mehr als 500 Schmalrumpfflugzeuge mit Starlink auszustatten.
Trotz der hohen Kosten sehen Branchenexperten die Technologie als unverzichtbar an. Decius Valmorbida, President of Travel beim Reisetechnologieunternehmen Amadeus, bezeichnete Starlink als „Game Changer": „Es wird zu einer Notwendigkeit werden, um die sich jede Fluggesellschaft bemühen wird. Es entwickelt sich zu einem Must-have", sagte er gegenüber Reuters.
Southwest Airlines erklärte, man habe sich aufgrund der „Schnelligkeit der Markteinführung" für Starlink entschieden. Das erste mit Starlink ausgestattete Flugzeug soll noch in diesem Monat einsatzbereit sein, bis Jahresende strebt die Fluggesellschaft mehr als 300 Umrüstungen an. „Ich möchte Ihnen immer weniger Gründe geben, eine andere Fluggesellschaft zu buchen", sagte Southwest-CEO Bob Jordan.
Starlink vs. Amazon: Unterschiedliche Strategien
Starlink setzt auf Geschwindigkeit und einfache Installation. Das Netz nutzt Tausende Satelliten in erdnaher Umlaufbahn, was es laut dem Breitbandanalyse-Unternehmen Ookla um ein Vielfaches schneller macht als herkömmliche geostationäre Satellitensysteme. Amazon hingegen bewirbt ein breiteres technologisches Ökosystem – inklusive Cloud-Computing, Unterhaltung und Einzelhandelsverbindungen über Amazon Web Services.
Deltas Entscheidung für Amazon Leo verdeutlicht diesen Unterschied. Die Fluggesellschaft wählte Amazon Leo für zunächst 500 Flugzeuge ab 2028 und baut damit auf ihrer bestehenden Beziehung zu Amazon Web Services auf. Delta berichtete zudem, dass seit 2023 mehr als 163 Millionen SkyMiles-Mitglieder das kostenlose WLAN genutzt haben – ein Beleg für das enorme Potenzial der Passagierbindung durch Konnektivität an Bord.
Nicht alle Fluggesellschaften sind jedoch überzeugt. Ryanair-CEO Michael O'Leary hat die Einführung von Starlink unter Hinweis auf die Kosten und den durch die Antennen verursachten Kraftstoffverbrauch ausgeschlossen, was zu einem öffentlichen Streit mit Elon Musk führte.
Früher Vorsprung entscheidend – Wechsel ist teuer
Lluc Palerm, Forschungsdirektor bei Analysys Mason, bezeichnete das Bord-WLAN als künftiges „Schlachtfeld" zwischen Starlink und Amazon Leo. Gleichzeitig betonte er, dass die frühen Erfolge von Starlink besonders bedeutsam sind: Ein Anbieterwechsel ist kostspielig, da Flugzeuge für Installationen aus dem Betrieb genommen werden müssen, die Bordausrüstung anbieterspezifisch ist und Verträge in der Regel über mehrere Jahre laufen. Daniel Welch, Senior Consultant bei Valour Consultancy, sprach von einem „unbestreitbaren" Vorsprung für Starlink.
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Zur AktienanalyseEtablierte Anbieter wie Viasat, Intelsat, Panasonic Avionics und Hughes bleiben in großen Flotten weiterhin präsent – mit Backup-Angeboten über mehrere Umlaufbahnen und Abdeckung in Märkten, in denen neuere LEO-Anbieter noch vor regulatorischen Hürden stehen.
Für Fluggesellschaften geht es bei schnellerem WLAN längst um mehr als Passagierunterhaltung. Es bietet eine weitere Möglichkeit, Kunden in Treueprogramme zu ziehen und Flüge, Upgrades sowie Kreditkarten zu vermarkten. Eine Studie des Journal of Air Transport Management aus dem Jahr 2025 ergab, dass die Verfügbarkeit von WLAN auf den untersuchten Strecken mit einem höheren Passagieranteil verbunden war.
Starlink als Wachstumsmotor für SpaceX-Börsengang
Die Airline-Expansion von Starlink fällt in eine Zeit erhöhter Investorenaufmerksamkeit: SpaceX bereitet sich auf einen rekordverdächtigen Börsengang vor. Laut dem IPO-Prospekt generierte Starlink im Jahr 2025 rund 11,4 Milliarden US-Dollar des Gesamtumsatzes von SpaceX in Höhe von 18,67 Milliarden US-Dollar – und ist damit mit Abstand die größte Einnahmequelle des Unternehmens. United Airlines gibt an, dass das kostenlose Starlink-WLAN für MileagePlus-Mitglieder bereits mehr als 25 Prozent der täglichen Flüge abdeckt, mit vollständiger Flottenabdeckung bis Ende 2027. „Das wird ein Differenzierungsmerkmal gegenüber jeder anderen Fluggesellschaft sein", sagte United-CEO Scott Kirby.


