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Starmer lehnt Rücktritt ab: Epstein-Skandal erschüttert Labour

Der britische Premierminister Keir Starmer weigert sich zurückzutreten, obwohl selbst der Chef seiner Partei in Schottland seinen Rücktritt fordert. Die Ernennung von Peter Mandelson zum US-Botschafter trotz dessen Verbindungen zum Sexualstraftäger Jeffre

Starmer lehnt Rücktritt ab: Epstein-Skandal erschüttert Labour

Der britische Premierminister Keir Starmer steht unter massivem Druck. Nachdem bekannt wurde, dass der neu ernannte US-Botschafter Peter Mandelson enge Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unterhielt, fordern nun selbst hochrangige Parteikollegen seinen Rücktritt. Doch Starmer zeigt sich kämpferisch: "Nachdem ich so hart für die Chance gekämpft habe, unser Land zu verändern, bin ich nicht bereit, von meinem Mandat zurückzutreten", erklärte er bei einem Treffen der Labour-Abgeordneten.

Schottischer Labour-Chef fordert Führungswechsel

Anas Sarwar, Vorsitzender der schottischen Labour Party, wurde zum ranghöchsten Parteifunktionär, der öffentlich Starmers Rücktritt forderte. "Die Ablenkung muss ein Ende haben, und die Führung in Downing Street muss wechseln", sagte er auf einer Pressekonferenz in Edinburgh. In Schottland hatte Labour seit der Wahl 2024 massive Verluste an Zustimmung hinnehmen müssen. Sarwar betonte, er müsse "schweren Herzens" Schottland verteidigen.

Die Downing Street reagierte umgehend: Starmer habe "ein klares fünfjähriges Mandat der britischen Bevölkerung" und werde genau dieses erfüllen. Bei einem Treffen mit Labour-Abgeordneten erhielt der Premierminister Applaus – ein Zeichen, dass es vorerst keine mehrheitlichen Bestrebungen gibt, ihn aus dem Amt zu drängen.

Zwei hochrangige Berater treten zurück

Innerhalb weniger Tage verlor Starmer zwei seiner engsten Mitarbeiter. Kommunikationschef Tim Allan trat zurück, gefolgt von Morgan McSweeney, Starmers engstem Berater. McSweeney übernahm die Verantwortung für die Beratung bei der Ernennung Mandelsons zum US-Botschafter – dem wichtigsten diplomatischen Posten Großbritanniens. Es ist bereits der vierte Kommunikationsdirektor, den Starmer in seiner fast zweijährigen Amtszeit verliert.

Die Finanzmärkte reagierten nervös auf die politische Unsicherheit. Die Refinanzierungskosten des britischen Staates stiegen zunächst an, da Anleger befürchteten, ein linkerer Labour-Chef könnte die Staatsausgaben erhöhen. Nachdem sich jedoch potenzielle Nachfolger hinter Starmer stellten, stabilisierten sich die Renditen und das Pfund gegenüber dem Euro wieder.

Brisante Dokumente belasten Mandelson

Der Skandal um Peter Mandelson entzündete sich an Dokumenten, die das US-Justizministerium im Januar veröffentlichte. E-Mails deuten darauf hin, dass Mandelson während der Finanzkrise vertrauliche Informationen über mögliche britische Vermögensverkäufe und Steueränderungen an Epstein weitergegeben haben könnte. Gegen den ehemaligen EU-Handelskommissar wird nun wegen mutmaßlichen Fehlverhaltens im Amt polizeilich ermittelt.

Starmer verteidigte sein eigenes Handeln und warf Mandelson vor, ein "Geflecht aus Lügen" über seine Verbindungen zu Epstein gesponnen zu haben. Der Premierminister kündigte an, Dokumente über den Ernennungsprozess zu veröffentlichen. Mandelson selbst hat sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert und reagierte auch nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.

Rückendeckung von Kabinettsmitgliedern

Trotz der Kritik erhielt Starmer Unterstützung von wichtigen Kabinettsmitgliedern. Vizepremier David Lammy, Finanzministerin Rachel Reeves und Innenministerin Yvette Cooper stellten sich hinter ihn. Besonders bedeutsam: Angela Rayner, seine ehemalige Stellvertreterin und als führende Nachfolgekandidatin gehandelt, sicherte ihm ihre "volle Unterstützung" zu. "Ich fordere alle meine Kollegen auf, zusammenzukommen und sich auf unsere Werte zu besinnen", schrieb sie auf X.

Opposition fordert Neuwahlen

Die Vorsitzende der oppositionellen Conservative Party, Kemi Badenoch, nutzte die Krise für scharfe Attacken. "Er ist wie eine Plastiktüte, die im Wind weht", sagte sie über Starmer gegenüber Sky News. Wenn er seine Regierung nicht führen könne, müsse entweder jemand anderes in der Labour Party übernehmen oder es sollte Neuwahlen geben.

Starmer selbst betonte bei dem Abgeordnetentreffen, sein Fokus liege darauf, die populistische Reform Party unter Nigel Farage von der Machtübernahme abzuhalten. "Das ist mein Kampf, das ist unser aller Kampf, und wir stehen das gemeinsam durch", erklärte er. Der Premierminister hofft nun, zur eigentlichen Agenda zurückzukehren: die Bewältigung der Lebenshaltungskostenkrise und die Ankurbelung der britischen Wirtschaft.

Ein anonymer Labour-Abgeordneter beschrieb die Situation drastisch: "Es ist schmerzhaft. Es ist, als würde man einem tödlichen Autounfall in Zeitlupe zusehen." Dennoch scheint Starmer vorerst im Amt gesichert – zumindest bis sich die Stimmung in seiner Fraktion ändert.

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