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Stau in Europas Häfen durch Trump-Zölle

Frontloading, Engpässe und veraltete Infrastruktur belasten globale Lieferketten

 Stau in Europas Häfen durch Trump-Zölle

Die angespannte Lage in den europäischen Häfen hat sich zuletzt weiter verschärft. Grund dafür ist eine Kombination aus globalen und regionalen Faktoren, die den Warenumschlag massiv beeinträchtigen. Auslöser ist unter anderem die Ankündigung neuer US-Zölle durch Präsident Donald Trump. Unternehmen versuchen derzeit, mögliche Handelshemmnisse zu umgehen, indem sie Warenlieferungen vorziehen. Dieses als „Frontloading“ bekannte Vorgehen sorgt für eine Überlastung der Abfertigungskapazitäten in Häfen wie Hamburg, Rotterdam und Antwerpen. Dort kommt es zu erheblichen Verzögerungen, da die logistischen Prozesse mit dem plötzlichen Anstieg des Frachtaufkommens nicht mithalten können.

Laut Einschätzung von Malte Sommer vom Logistiker DSV ist der Hamburger Hafen bereits jetzt an seiner Belastungsgrenze angelangt. Er rechnet mit einer weiteren Zuspitzung der Situation, wenn im Juli das 90-tägige Zollmoratorium endet. Parallel dazu machen sich zusätzliche Probleme bemerkbar. Daten des Branchendienstes Drewry belegen, dass sich die Abfertigungsgeschwindigkeit im Hamburger Hafen seit März um fast 50 Prozent verlangsamt hat. Die Hafenbetreiberin HHLA sieht dennoch keinen Grund zur Sorge und verweist auf bestehende Marktkapazitäten.

Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Die Frachtraten für Containertransporte steigen rapide an, insbesondere auf der Route von Shanghai nach Europa. In der vergangenen Woche verzeichnete der SCFI-Index dort einen Anstieg von über 30 Prozent – ein Rekordwert, der nur einmal zuvor übertroffen wurde. Der Grund: Viele chinesische Hersteller leiten für die USA bestimmte Lieferungen nach Europa um. Parallel dazu nehmen Marktbeobachter eine künstliche Verknappung von Schiffsraum durch große Reedereien wahr. Unternehmen wie Hapag-Lloyd haben Containerschiffe aus dem Verkehr gezogen, um bestehende Kapazitäten besser auszulasten.

Neben dem Einfluss der US-Zölle erschweren auch andere Faktoren den Warenumschlag. Dazu zählen Unwetterschäden im Frühjahr, Streiks in Rotterdam, der niedrige Rheinpegel sowie Sanierungsarbeiten am Hamburger Bahnnetz. Im Juli soll ein großer Teil der Bahngleise für Wartungsarbeiten gesperrt werden – ein Eingriff, der sonst vor der Hochsaison im Spätsommer geplant wird. Die Hafenlogistik wurde jedoch offenbar vom plötzlichen Anstieg des Frachtvolumens überrascht.

Experten wie Jan Tiedemann von Alphaliner sehen ein strukturelles Problem. Während sich die Containerkapazität der Reedereien in den letzten zwei Jahrzehnten verfünffacht habe, sei die Hafeninfrastruktur nicht im gleichen Maße mitgewachsen. Bereits kleinere Störungen reichen demnach aus, um globale Lieferketten ins Wanken zu bringen.

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