Steuerpanne trifft Anleger nach Nvidia-Aktiensplit
Trade Republic bucht nachträglich fast 10.000 Euro ab und gerät in Erklärungsnot

Ein technischer Vorgang beim US-Chiphersteller Nvidia hat für einen Berliner Privatanleger gravierende steuerliche Folgen ausgelöst. Mehr als ein Jahr nach einem Aktiensplit des Konzerns wurde ihm vom Neobroker Trade Republic eine hohe Summe nachträglich von seinem Konto eingezogen. Insgesamt geht es um 9686 Euro, die fälschlicherweise abgebucht wurden. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf Probleme im Steuer- und Servicemanagement des Unternehmens.
Han Guo Chen hatte seine 52 Nvidia-Aktien bereits im März 2024 für rund 45.000 Euro verkauft, also deutlich vor dem Split im Juni desselben Jahres. Die Abgeltungsteuer in Höhe von etwa 1265 Euro war korrekt abgerechnet worden. Trotzdem erhielt Chen im Sommer 2025 eine Mitteilung über eine angebliche Steuerkorrektur. Kurz darauf buchte Trade Republic den zusätzlichen Betrag von seinem Verrechnungskonto ab. Der Anleger erfuhr erst nach mehreren Wochen, was hinter der Forderung stand. Der Broker hatte bei einer internen Neuberechnung den Kaufpreis seiner Aktien fälschlich um den Faktor zehn reduziert und damit einen deutlich höheren Gewinn errechnet, als tatsächlich erzielt wurde.
Der Fehler entstand nach Angaben des Unternehmens beim Wechsel des Steuerdienstleisters. Dabei wurde der Nvidia-Split nicht nur auf die Stückzahl, sondern irrtümlich auch auf die Anschaffungskosten angewendet. In der Folge entstand eine überhöhte Steuerlast, die rückwirkend eingezogen wurde. Trade Republic erklärte, die fehlerhaften Berechnungen seien inzwischen identifiziert und würden proaktiv korrigiert. Ähnliche Probleme bei anderen Aktiensplits seien nicht bekannt. Chen jedoch hat das Geld auch drei Monate nach der Korrektur noch nicht zurückerhalten, obwohl der Broker nach eigener Aussage die Erstattung bereits veranlasst haben will.
Der Berliner Anleger sah sich gezwungen, anwaltliche Unterstützung einzuschalten, weil der Kundenservice zunächst nur mit standardisierten Antworten reagierte. Durch die Abbuchung geriet sein Verrechnungskonto ins Minus, was ihn zu weiteren Aktienverkäufen zwang. Auch andere Nutzer berichten über ähnliche Vorfälle. In einem Onlineforum schilderte ein weiterer Kunde, ihm seien wegen des Splits 7000 Euro zu viel Steuer berechnet worden. Wie viele Kunden insgesamt betroffen sind, hat Trade Republic bislang nicht offengelegt.
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Zur AktienanalyseDer Fall reiht sich ein in eine Serie von Problemen beim Neobroker. Bereits im Frühjahr hatten Handelsausfälle während starker Marktschwankungen für Beschwerden gesorgt und die Finanzaufsicht BaFin auf den Plan gerufen. Trade Republic betont, in den Ausbau seiner Serviceinfrastruktur dreistellige Millionensummen investiert zu haben und bestreitet, am Kundendienst zu sparen. Der Vorgang zeigt dennoch, wie fehleranfällig komplexe Prozesse bei großen Plattformen sein können.

