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Stimmung an den Börsen gedämpft

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Stimmung an den Börsen gedämpft

Die Börsen an der Wall Street zeigten heute keine klare Richtung. Während die Verhandlungen über den US-Schuldenstreit weiterhin stocken, sorgte der Technologiekonzern Nvidia für Euphorie im Technologiesektor. Der deutsche Aktienindex DAX schloss erneut im Minus.

Der Schuldenstreit in den USA beherrscht weiterhin die Aktienmärkte. Obwohl US-Präsident Joe Biden positive Entwicklungen vermeldete und produktive Gespräche mit dem republikanischen Verhandlungsführer Kevin McCarthy führte, ist der politische Konflikt über die Anhebung der Schuldenobergrenze noch nicht beigelegt. Dies birgt die Gefahr eines Zahlungsausfalls Anfang Juni. Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, warnte davor, dass dies zu einem vollständigen Stillstand der Finanzmärkte und der Wirtschaft führen könnte.

Die Ratingagentur Fitch signalisierte zudem, dass die größte Volkswirtschaft der Welt mit einer möglichen Herabstufung ihrer Top-Bonität rechnen muss. Angesichts dieser Entwicklungen sollten Anleger die Gefahr eines Scheiterns der Verhandlungen zwischen den Demokraten und den Republikanern über die Anhebung der Schuldengrenze in den USA nicht länger ignorieren, kommentierte Konstantin Oldenburger, Marktanalyst bei CMC Markets.

Positive Nachrichten aus dem Technologiesektor in den USA hoben jedoch die Stimmung an den US-Börsen. Der Technologiekonzern Nvidia verzeichnete einen herausragenden Ausblick, was zu deutlichen Gewinnen an der Nasdaq führte. Der Nasdaq 100 erreichte im Handelsverlauf den höchsten Stand seit über einem Jahr und schloss mit einem Plus von 2,46 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 legte um 0,88 Prozent zu. Lediglich der Dow Jones schloss mit einem leichten Rückgang von 0,11 Prozent bei 32.765 Punkten.

Nvidia erwartet einen Quartalsumsatz, der 50 Prozent über den Erwartungen der Analysten liegt. Der Hype um künstliche Intelligenz (KI) hat dem Chipkonzern einen enormen Nachfrageboom beschert. Laut Sam Stovall, Chefstratege beim Analysehaus CFRA in New York, ist "KI" das Wort des Monats und Investoren sind stets auf der Suche nach Wachstumssektoren, zu denen derzeit die Halbleiter gehören. Die Aktien des Chipherstellers stiegen sofort nach Handelsbeginn auf ein Rekordhoch und verzeichneten zeitweise einen Kursanstieg von 27 Prozent. Der neue Höchststand liegt nun bei 394,80 US-Dollar.

Die überragenden Quartalszahlen und der verbesserte Ausblick von Nvidia sorgten branchenweit für Euphorie. Auch Rivalen wie AMD, Micron Technology, Synopsys und Broadcom verzeichneten deutliche Wertzuwächse. David Russell, Manager beim Online-Broker TradeStation, betonte, dass es nun klar geworden sei, dass KI der Beginn eines großen Investitionsbooms sei und reale Probleme lösen werde. Die Technologie finde unmittelbare Anwendungen und treibe große Unternehmen an, die bereits das Rückgrat des Aktienmarktes seien.

Am deutschen Aktienmarkt stand hingegen die Angst vor einem Zahlungsausfall der USA im Vordergrund und belastete erneut die Nerven der Anleger. Obwohl der DAX nach der Verlustserie etwas Stabilität gewinnen konnte, schloss er erneut mit einem Minus von 0,31 Prozent bei 15.794 Punkten. Nachdem der deutsche Leitindex am Freitag mit 16.331 Punkten noch ein Rekordhoch erreicht hatte, fiel er gestern um 1,9 Prozent auf 15.842 Punkte zurück.

Der Rückgang unter die Marke von 16.000 Punkten hat das technische Bild jedoch trüber werden lassen, kommentierten die Experten der Helaba. Sie schließen weitere Rücksetzer nicht aus, insbesondere wenn sich die Hängepartie um die US-Staatsfinanzen weiterhin hinzieht. Auch die Analysten der ING teilen diese Ansicht und sehen die Möglichkeit, dass der DAX weiter nachgeben und die Unterstützung bei rund 15.700 Punkten testen könnte.

Darüber hinaus gibt es auch schlechte Nachrichten von der Konjunkturseite: Die deutsche Wirtschaft ist im Winter in eine technische Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. In einer ersten Schätzung war die Behörde noch von einer Stagnation der Wirtschaftsleistung zu Beginn des Jahres ausgegangen. Damit verzeichnete die deutsche Wirtschaft nun zwei aufeinanderfolgende negative Quartale, nachdem das BIP bereits zum Jahresende 2022 ins Minus gerutscht war, erklärte Behördenpräsidentin Ruth Brand.

Die weiterhin hohe Inflation belastet zudem die Konsumausgaben und bremst die wirtschaftliche Leistung. Auch die Stimmung in der deutschen Exportindustrie ist laut einer Umfrage des ifo-Instituts auf den niedrigsten Wert seit November 2022 gesunken. Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, erklärte, dass die weltweiten Zinserhöhungen allmählich Auswirkungen auf die Nachfrage hätten. Immerhin hat sich das Konsumklima in Deutschland aufgrund spürbarer Lohnerhöhungen den achten Monat in Folge leicht verbessert, wenn auch nur schleppend.

Börsenexperte Andreas Lipkow sagte, dass eine Rezession in Deutschland nun offensichtlich sei und sich negativ auf exportabhängige Branchen und Konsumtitel auswirke. Dies zeigte sich heute in deutlichen Kursverlusten bei Aktien von Chemieunternehmen.

Der Euro bleibt weiterhin unter Druck und notierte zeitweise bei 1,0716 US-Dollar, dem niedrigsten Stand seit gut zwei Monaten. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte zuvor den Referenzkurs auf 1,0735 Dollar festgesetzt.

Eine Aussage eines hochrangigen russischen Politikers belastete unterdessen die Ölpreise. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und die leichte US-Sorte WTI verloren jeweils rund 3,5 Prozent auf 75,80 bzw. 71,70 US-Dollar pro Barrel (159 Liter). Laut einer russischen Zeitung erwartet der stellvertretende russische Ministerpräsident Alexander Nowak keine weiteren Produktionskürzungen des Ölkartells OPEC+.

In andere Nachrichten aus der Unternehmenswelt hat die Lufthansa angekündigt, bei der italienischen Fluggesellschaft ITA Airways einzusteigen. Der deutsche Konzern wird zunächst 41 Prozent der Anteile übernehmen. Die Schweizer Großbank UBS darf auch die ehemalige Konkurrentin Credit Suisse übernehmen, da der Zusammenschluss keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken aufwirft. Der Energietechnik-Konzern Siemens Energy plant den Bau neuer Werke in den USA, um vom milliardenschweren Ausbau des Stromnetzes zu profitieren.

Die US-Einzelhandelskette Target hat aufgrund von Bedrohungen gegen ihre Mitarbeiter einige Produkte zur Unterstützung der LGBTQ-Szene aus dem Sortiment genommen. Die Schweiz plant, die Liquiditätshilfen, die im Rahmen der Rettung der Großbank Credit Suisse unter Notrecht gewährt wurden, in ordentliches Recht zu überführen. Der Immobilieninvestor Adler Group verzeichnete im ersten Quartal einen Verlust, während der Umsatz von Nvidia die Erwartungen der Experten übertraf. Der Gesundheitskonzern Fresenius erhöhte seine Ziele für die Tochter Kabi und zeigte sich optimistischer für die Zukunft. Der Immobilienkonzern Aroundtown verzeichnete hingegen ein Rekordtief an der Börse. Beim Elektroauto-Hersteller Tesla gab es angeblich ein größeres Datenleck, bei dem vertrauliche Informationen gestohlen wurden. Tesla plant rechtliche Schritte gegen einen ehemaligen Mitarbeiter einzuleiten.

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