STOXX 600 auf Zwei-Wochen-Tief: Nahost-Spannungen und KI-Ausverkauf belasten
Eskalierende Konflikte zwischen Israel und Iran sowie ein globaler KI-Aktienausverkauf drücken europäische Märkte deutlich ins Minus.

Der paneuropäische STOXX 600 Index ist am Montag auf ein Zwei-Wochen-Tief gefallen. Bis 08:28 Uhr GMT verlor der Index 0,7 Prozent auf 618,42 Punkte. Alle wichtigen regionalen Indizes notierten ebenfalls im Minus.
Hauptauslöser für den breiten Rückgang sind die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten. Israel und der Iran hatten sich über das Wochenende gegenseitig unter Beschuss genommen, was einen fragilen Waffenstillstand in der Region gefährdet. Gleichzeitig belastete ein globaler Ausverkauf bei KI-Aktien, der bereits in den USA und Asien für Verluste gesorgt hatte, auch die europäischen Börsen.
Ölpreisanstieg trifft energieabhängige Branchen
Besonders spürbar sind die Folgen des Nahost-Konflikts beim Rohöl: Die Preise stiegen um mehr als 4 Prozent. Für das energiearme Europa ist das ein erheblicher Belastungsfaktor. Energiepreisempfindliche Branchen reagierten entsprechend – Fluggesellschaften wie Lufthansa und Air France verloren jeweils rund 2 Prozent.
Der internationale Luftverkehrsverband IATA halbierte infolge des Treibstoffschocks seine jährliche Gewinnprognose nahezu. Der Chemiesektor verlor ebenfalls 1 Prozent, nachdem Goldman Sachs auf Abwärtsrisiken für europäische Chemiewerte hingewiesen hatte. Als Gründe nannte die US-Investmentbank eine schneller als erwartete Nachfragezerstörung sowie Exportdruck aus China.
Monte dei Paschi di Siena im Fokus: Milliarden-Übernahme durch Intesa
Während die breiten Märkte unter Druck standen, sorgte der italienische Bankensektor für Aufsehen. Monte dei Paschi di Siena (MPS) legte um beeindruckende 10,7 Prozent zu. Auslöser war ein unaufgefordertes Bar- und Aktienangebot von Intesa Sanpaolo, Italiens größter Bankengruppe, in Höhe von 30,6 Milliarden Euro (35 Milliarden US-Dollar) für den Erwerb des Kreditgebers. Dies könnte einer der größten Bankendeals in der Geschichte Italiens werden.
Intesa Sanpaolo selbst gab im Zuge der Ankündigung um 4,1 Prozent nach – ein typisches Muster bei übernehmenden Unternehmen. Suvi Platerink Kosonen, Senior Sector Strategist für Financials bei der ING Bank, kommentierte: „Wir würden das Geschäft längerfristig als positiv für Intesa Sanpaolo ansehen, sehen jedoch erhebliche Unsicherheiten hinsichtlich der Umsetzung."
Der Vorstoß von Intesa erfolgte, nachdem Banco BPM bereits eine Fusion mit MPS vorgeschlagen hatte, die darauf abzielte, den zweitgrößten inländischen Akteur Italiens zu schaffen. Die Aktien von Banco BPM notierten geringfügig niedriger. Kosonen erläuterte, dass eine Fusion von BPM und MPS drei größere Inlandsbanken schaffen würde – politisch attraktiv –, während das Intesa-Angebot eine vielfältigere Bankenlandschaft mit kleineren Akteuren zur Folge hätte.
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Zur AktienanalyseTech-Sektor und EZB-Entscheidung im Blick
Im Technologiesektor setzten sich die globalen Verluste fort. ASM International verlor 1,8 Prozent, die KI-Ausrüstungshersteller Legrand und Schneider Electric gaben jeweils über 1 Prozent nach. Dabei hatten europäische Tech-Aktien in diesem Quartal eigentlich die stärksten Gewinne unter allen STOXX 600-Sektoren verzeichnet.
Das Augenmerk der Anleger richtet sich nun auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Die Märkte preisen bereits eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte ein. Auch aus den USA kommen restriktive Signale: Anzeichen für einen widerstandsfähigen US-Arbeitsmarkt haben dazu geführt, dass Investoren eine anhaltend straffe Geldpolitik der Federal Reserve einpreisen.

