Straße von Hormus: Grundölkrise bedroht Luxusautos weltweit
Störungen in der Straße von Hormus treiben Grundölpreise auf Rekordhöhen – Luxusfahrzeuge und Schmierstoffindustrie unter massivem Druck.

Ein globaler Mangel an Grundölen entwickelt sich zur ernsthaften Bedrohung für Fahrer von Luxus- und Supersportwagen. Analysten und Branchenverbände warnen eindringlich: Sollten die Konflikte rund um die Straße von Hormus andauern, könnten die Bestände kritischer Schmierstoffvorprodukte bald zur Neige gehen. Die Internationale Energieagentur (IEA) bezeichnete die anhaltenden Störungen in der strategisch wichtigen Meerenge bereits als „die größte Bedrohung für die Energiesicherheit in der Geschichte".
Grundöle sind der Hauptbestandteil bei der Herstellung von Hochleistungsschmierstoffen für Motorenöle und Industrieflüssigkeiten. Besonders Grundöle der Gruppen III und IV – darunter sogenannte Polyalphaolefine (PAO) – sind unverzichtbare Rohstoffe für synthetische Fertigschmierstoffe im Automobilbereich. PAO spielen dabei eine besonders wichtige Rolle für Luxusfahrzeuge, da sie extremer Hitze, hohen Drehzahlen und intensivem Druck standhalten können.
Golfregion dominiert die weltweite Grundölversorgung
Die Abhängigkeit von der Golfregion ist enorm: Laut Argus Media war die Region im vergangenen Jahr für 72 Prozent der Gruppe-III-Importe nach Europa und 47 Prozent der Importe in die USA verantwortlich. Insgesamt macht die Golfregion bis zu 20 Prozent der weltweiten Kapazität an Gruppe-III-Grundölen aus. Supersportwagen, die besonders in Metropolen wie London, Monte Carlo und Los Angeles verbreitet sind, sind auf genau diese Nischenprodukte angewiesen.
Die Folgen der Krise sind bereits am Markt spürbar: Die von Argus bewerteten Grundölpreise sind auf Rekordhöhen gestiegen. Die Preise für Gruppe-III-Grundöle in Nordeuropa kletterten seit Beginn des Iran-Krieges um nahezu 100 Prozent. Ausgelöst wurde dies durch anhaltende Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, Schäden an der Pearl-GTL-Anlage von Shell in Katar durch iranische Raketenangriffe sowie Erklärungen von „höherer Gewalt" (Force Majeure) durch Produzenten in Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Erschwerend kommt hinzu, dass Südkorea – ein weltweit führender Akteur in der Grundölproduktion und wichtiger Exporteur von Gruppe-III-Grundölen – kürzlich obligatorische Exportbeschränkungen für raffinierte Erdölprodukte eingeführt hat, um die heimische Versorgung zu sichern. Damit fällt ein weiterer wichtiger Lieferant für Europa und die USA zumindest teilweise aus.
Experten warnen vor steigenden Lieferzeiten und Preisdruck
Rico Luman, Senior-Sektorökonom mit Schwerpunkt Transport und Logistik bei der ING, sieht die Lage kritisch. Die aktuelle Verknappung am Ölmarkt und die starke Präsenz von Asien und dem Nahen Osten bei Grundölen würden „definitiv" zu einem Versorgungsengpass führen, erklärte er gegenüber CNBC. „Es gibt zwar Bestände dieser Produkte mit relativ geringem Umschlag in der Lieferkette, aber die Lieferzeiten könnten definitiv ansteigen und die Wiederauffüllung gefährden. Und natürlich werden die Preise neben den allgemeinen Ölpreissteigerungen auch die Auswirkungen der Abhängigkeit von Asien zu spüren bekommen", so Luman.
Die Independent Lubricant Manufacturers Association (ILMA), die unabhängige Schmierstoffhersteller in den USA vertritt, bezeichnete ein jüngstes Treffen mit US-Gesetzgebern als „sowohl produktiv als auch ernüchternd". Alle Parteien hätten den Ernst der Lage und den Mangel an klaren kurzfristigen Lösungen anerkannt. Der Verband erklärte am 8. April, dass bereits Marktauswirkungen spürbar seien und sich die Störungen über mehrere Sektoren hinweg ausbreiteten.
US-Grundölmarkt bis 2027 unter Druck
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Zur AktienanalyseDie ILMA geht davon aus, dass der US-Grundölmarkt bis mindestens 2027 unter anhaltendem Druck bleiben wird. Etwa 44 Prozent der US-Grundölversorgung stammen normalerweise aus dem Persischen Golf. Die Mitglieder des Verbands stellen sich bereits auf rasant steigende Kosten in der gesamten Lieferkette ein.
Holly Alfano, CEO der ILMA, beschrieb drei sich gegenseitig verstärkende Belastungen für die Schmierstoffindustrie:
- Rund 40 Prozent des weltweiten Gruppe-III-Angebots aus dem Persischen Golf sind ausgefallen oder nicht verschiffbar
- Südkoreanische Raffinerien sind durch einen Rohölmangel in ihrer Produktion eingeschränkt
- Raffinerien zweigen Gruppe-II-Rohstoffe für die Kraftstoffproduktion ab
Die Krise verdeutlicht, wie stark globale Lieferketten selbst für hochspezialisierte Nischenprodukte von geopolitischen Entwicklungen abhängen. Für deutsche Autofahrer – insbesondere Besitzer von Hochleistungs- und Luxusfahrzeugen – könnte dies mittelfristig höhere Wartungskosten und längere Wartezeiten bei Ölwechseln bedeuten.


