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Straße von Hormus: Ölflüsse brauchen Monate zur Erholung

Nach dem US-Iran-Friedensabkommen warnen Banken wie Goldman Sachs und BNP Paribas vor einer langen Normalisierungsphase.

Straße von Hormus: Ölflüsse brauchen Monate zur Erholung

Die Ölströme durch die Straße von Hormus werden nach dem Interims-Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran noch mehrere Monate brauchen, um sich zu erholen. Das geht aus Einschätzungen von Analysten mehrerer Großbanken hervor. Die strategisch bedeutsame Meerenge ist ein zentraler Knotenpunkt der globalen Energieversorgung – rund ein Fünftel des weltweiten Ölangebots wird durch sie transportiert.

Während des Iran-Konflikts waren die Verschiffungen durch die Meerenge unterbrochen, was die Ölpreise massiv in die Höhe trieb. Die Nordseesorte Brent erreichte im April ein Vierjahreshoch von bis zu 126 US-Dollar pro Barrel. Seit dem Abkommen zwischen den USA und dem Iran hat sich die Lage entspannt – am Donnerstag wurde Brent gegen 14:03 Uhr GMT bei rund 77,16 US-Dollar pro Barrel gehandelt.

Banken sehen langsame Normalisierung

Goldman Sachs erwartet, dass die Exporte aus dem Persischen Golf bis Ende Juli wieder das Vorkriegsniveau erreichen dürften. Die Erholung der Rohölproduktion werde hingegen erst bis Oktober eintreten, so die US-Investmentbank in einem Bericht vom 17. Juni. Als potenzielles Hindernis nennt Goldman Sachs die Risikoaversion der Reedereien: „Wir sehen die Risikoaversion der Reedereien als potenzielles Hindernis für die Ölströme, zusammen mit den geopolitischen Zielen des Irans während der bevorstehenden 60-tägigen Verhandlungen über das Atomabkommen." Die Verfügbarkeit von Schiffen selbst sei dabei kein zwingendes Hindernis.

BNP Paribas zeigt sich ebenfalls zurückhaltend. Die französische Großbank betont, dass selbst im besten Fall mehrere Monate vergehen würden, bis sich die Ölströme normalisieren. Voraussetzung dafür sei, dass die Produzenten rund 12 Millionen Barrel pro Tag an stillgelegter Produktion wieder aufnehmen – eine logistische Herausforderung erheblichen Ausmaßes.

Minenräumung als zusätzliche Hürde

Die Bank of America weist auf ein weiteres konkretes Problem hin: die Räumung von Minen in der Region. Angesichts der logistischen Herausforderungen werde dieser Prozess wahrscheinlich Monate und nicht nur Tage in Anspruch nehmen, so die Bank. Darüber hinaus könnten die Ölmärkte laut Bank of America bis zum vierten Quartal 2026 in einem Defizit bleiben.

Für deutsche Anleger und Energieverbraucher ist die Entwicklung an der Straße von Hormus von erheblicher Bedeutung. Deutschland importiert einen wesentlichen Teil seines Rohöls aus dem Nahen Osten, und Preisschwankungen an den globalen Ölmärkten wirken sich direkt auf Kraftstoffpreise und Energiekosten aus. Die Unsicherheit über den Verlauf der 60-tägigen Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran dürfte die Märkte in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.

Zusammenfassend zeichnen die drei Banken ein einheitliches Bild: Das Friedensabkommen hat zwar die unmittelbaren Sorgen über einen anhaltenden Versorgungsengpass gemildert und die Ölpreise deutlich gedrückt, doch eine vollständige Normalisierung der Lieferketten bleibt ein Prozess, der Zeit erfordert – und von geopolitischen Unwägbarkeiten abhängt.

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