Straße von Hormus: Tankerverkehr bricht historisch ein
Nur neun Öltanker passierten die Straße von Hormus diese Woche – mitten im Machtkampf zwischen den USA und dem Iran.

Mindestens neun Öltanker haben in dieser Woche die Straße von Hormus passiert – eine dramatisch niedrige Zahl für eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Der Rückgang steht im Zusammenhang mit dem anhaltenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle über die strategisch bedeutsame Meerenge.
Zu den Schiffen, die die Meerenge durchquerten, gehört der Tanker RHN, ein sogenannter Very Large Crude Carrier (VLCC). Solche Supertanker können rund zwei Millionen Barrel Rohöl transportieren. Der RHN fuhr am Mittwoch laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG vom Golf von Oman aus in die Meerenge ein. Das Schiff fährt unter der Flagge von Curaçao, einer Karibikinsel, befindet sich jedoch im Besitz eines chinesischen Unternehmens.
Ein weiterer VLCC namens Alicia durchquerte die Meerenge am Dienstag in Richtung Persischer Golf. Er war einer von mindestens vier Tankern unterschiedlicher Größe, die an diesem Tag die Straße von Hormus passierten. Die Durchfahrten am Dienstag lagen dabei 90 Prozent unter dem Verkehrsaufkommen vom 27. Februar – dem Tag vor dem Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe auf den Iran.
Historischer Einbruch des Ölverkehrs
Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist seit Ausbruch des Krieges massiv eingebrochen, da iranische Angriffe auf Handelsschiffe drohen. Auch nach einer Einigung auf einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran am 7. April blieb das Verkehrsaufkommen auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Situation hat sich seitdem nicht wesentlich verbessert.
Die USA haben nach dem Scheitern von Friedensverhandlungen am vergangenen Wochenende eine Seeblockade gegen iranische Häfen verhängt. Der Iran seinerseits erhebt wiederholt Anspruch auf die Kontrolle über die Meerenge. Dieser Machtkampf lähmt eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt.
Vor dem Krieg passierten etwa 20 Prozent des weltweiten Rohölangebots die schmale Wasserstraße zwischen dem Oman und dem Iran. Die Meerenge verbindet die großen Ölproduzenten des Nahen Ostens – darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und der Irak – mit den globalen Energiemärkten.
IEA warnt vor Druck auf Energieversorgung und Weltwirtschaft
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Zur AktienanalyseDie Internationale Energieagentur (IEA) hat die Lage am Dienstag in deutlichen Worten kommentiert. Die Behörde erklärte, dass die „Wiederaufnahme der Ströme durch die Straße von Hormus die wichtigste Einzelvariable bleibt, um den Druck auf die Energieversorgung, die Preise und die Weltwirtschaft zu mildern."
Der Einbruch des Tankerverkehrs durch die Meerenge hat nach Einschätzung von Experten die größte Unterbrechung der Ölversorgung in der Geschichte ausgelöst. Für deutsche Verbraucher und die exportabhängige deutsche Industrie sind stabile Energiepreise von zentraler Bedeutung. Eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus könnte die globalen Energiemärkte weiter unter Druck setzen und die wirtschaftliche Erholung in Europa belasten.


