Strategische Gasreserven als Antwort auf Krisen
Wie Europa seine Abhängigkeit verringern und Versorgungslücken künftig überbrücken kann

Europäische Regierungen könnten in den kommenden Jahren die Gelegenheit erhalten, strategische Gasreserven aufzubauen, um sich besser gegen potenzielle Versorgungsschocks abzusichern. Hintergrund ist eine wachsende Liste geopolitischer Risiken, die zu Engpässen bei der Erdgasversorgung führen könnten. Die Abhängigkeit Europas von Energieimporten ist seit Jahrzehnten bekannt. Die Eigenproduktion, insbesondere aus der Nordsee und vor allem in Norwegen, deckt lediglich etwa ein Drittel des Bedarfs.
Nach dem Rückgang russischer Pipeline-Lieferungen im Vorfeld des Ukraine-Kriegs 2022 hat Europa seine Gasbezugsquellen neu strukturiert. Die Importe von Flüssigerdgas (LNG) stiegen deutlich an. Im Jahr 2024 stammten rund 45 Prozent des europäischen LNG aus den USA, 19 Prozent kamen weiterhin aus Russland. Weitere Quellen sind Norwegen, Nordafrika und die Türkei. Trotz dieser scheinbaren Vielfalt bleibt das System anfällig für Störungen – etwa durch Angriffe auf Infrastrukturen, politische Unruhen in Lieferländern oder Naturkatastrophen wie Hurrikans an der US-Golfküste.
Eine zusätzliche Gefahrenquelle könnte sich ergeben, falls die USA ihre Energieexporte begrenzen sollten, um heimische Preise zu senken. Möglich wäre dies unter Berufung auf das Verteidigungsproduktionsgesetz von 1950, das dem Präsidenten weitreichende Kontrolle über kritische Ressourcen gewährt.
Europa verfügt bereits über große unterirdische Gasspeicher, vor allem in Salzlagerstätten und Aquiferen. Diese fassen zusammen etwa ein Viertel des jährlichen Verbrauchs von rund 400 Milliarden Kubikmetern. Die Vorräte werden im Sommer gefüllt und im Winter genutzt. Ergänzend bieten LNG-Terminals begrenzte zusätzliche Speichermöglichkeiten. Diese Lagerbestände sind bislang überwiegend marktwirtschaftlich organisiert. Seit 2022 versucht die EU jedoch, die Befüllung stärker zu koordinieren. Sie schreibt unter anderem vor, dass die Speicher bis zum 1. November zu 90 Prozent gefüllt sein müssen.
Die damit einhergehenden Preissteigerungen erschweren jedoch das Auffüllen der Speicher. Gemeinsame Gaseinkäufe auf EU-Ebene hatten bisher nur begrenzten Erfolg. Eine staatlich gesteuerte Reserve mit eigenem Finanzrahmen könnte hier effektiver sein. Denkbar wäre etwa die Lagerung von 20 Milliarden Kubikmetern LNG – das entspricht rund zwei Monatsbedarfen an Importen – als strategische Reserve. Dies würde der EU ermöglichen, kurzfristige Versorgungsengpässe zu überbrücken. Die entstehenden Kosten belaufen sich bei heutigen Preisen auf etwa sieben Milliarden US-Dollar, hinzu kämen Infrastrukturkosten.
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Zur AktienanalyseDer erwartete Anstieg der globalen LNG-Produktion, insbesondere in den USA und Katar, könnte die Gaspreise in den kommenden Jahren auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau stabilisieren. Dies würde es erleichtern, ein solches staatliches Gasspeichersystem aufzubauen.


