Streit um Kapazität der Adria-Pipeline
MOL meldet technische Probleme, Janaf verspricht volle Versorgung für Ungarn und Slowakei

Die jüngsten Tests an der Adria-Pipeline haben den Streit zwischen dem ungarischen Ölkonzern MOL und dem kroatischen Betreiber Janaf verschärft. Während MOL angibt, die Leitung könne Ungarn und die Slowakei nicht in ausreichendem Maß mit Rohöl versorgen, weist Janaf diese Vorwürfe entschieden zurück. Der ungarische Konzern erklärte, dass die Pipeline in den Versuchen nicht länger als ein bis zwei Stunden mit voller Kapazität betrieben werden konnte, da technische Probleme aufgetreten seien. Für Ungarn und die Slowakei, die weiterhin stark von russischem Öl über die Druschba-Pipeline abhängig sind, gilt die Adria-Pipeline als wichtigste alternative Bezugsquelle.
Janaf teilte mit, es sei in der Lage, die gesamte jährliche Nachfrage der beiden MOL-Raffinerien in Ungarn und der Slowakei zu decken. Das Unternehmen erklärte, es habe die Leitung im September zwischen dem Terminal Sisak und der ungarischen Grenze geprüft und die Ergebnisse belegten die volle Leistungsfähigkeit. In einer Stellungnahme betonte Janaf, es gebe keinerlei technische oder organisatorische Einschränkungen, die einer Versorgung entgegenstünden. Insbesondere wies das Unternehmen die Darstellung zurück, die Pipeline könne die benötigten Mengen nicht bereitstellen.
Im Detail berichtete Janaf, dass bei den insgesamt drei durchgeführten Tests die Durchflussmengen auf Wunsch von MOL selbst verringert worden seien. Während des dritten Tests zwischen dem 22. und 24. September sei die Reduzierung der Ölströme direkt auf Anforderungen von MOL zurückzuführen gewesen. Von Seiten Janafs habe es keine Hindernisse gegeben, um die geplante Förderleistung zu erreichen.
MOL hingegen hält an seiner Einschätzung fest, dass die Adria-Pipeline nicht dauerhaft die erforderliche Kapazität liefern könne. Das Unternehmen profitiert bislang erheblich von günstigen Lieferungen russischen Ural-Öls, während die ungarische Regierung zusätzliche Einnahmen durch eine Sondersteuer auf MOL erzielt. Die beiden großen Raffinerien in Ungarn und der Slowakei verfügen zusammen über eine Kapazität von 14,2 Millionen Tonnen pro Jahr, die bislang überwiegend über die Druschba-Pipeline gedeckt wird.
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Zur AktienanalyseDie Auseinandersetzung erhält eine zusätzliche politische Dimension, nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hat, mit Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban telefonieren zu wollen, um ihn zum Stopp von Ölimporten aus Russland zu bewegen. Washington verstärkt damit den Druck auf NATO-Partner, ihre Energieabhängigkeit von Moskau zu verringern. MOL und die ungarische Regierung äußern jedoch seit längerem Zweifel daran, ob die Adria-Pipeline im Ernstfall vollständig einspringen könnte, sollte der Fluss über die Druschba-Leitung ganz zum Erliegen kommen.


