Strengere Kontrollen in deutschen Biotonnen
Falsche Befüllung kann Zusatzkosten verursachen und Mikroplastik in die Umwelt bringen

In vielen Kommunen in Deutschland wird der Biomüll in den kommenden Wochen verstärkt kontrolliert. Hintergrund ist eine bundesweite Aktion kommunaler Entsorgungsbetriebe, die Verbraucher stärker in die Verantwortung nehmen und die Qualität des gesammelten Bioabfalls verbessern will. Denn in den Biotonnen finden sich nach wie vor zu viele Plastiktüten und andere Fremdstoffe, die bei der Weiterverarbeitung erhebliche Probleme verursachen.
Die Überprüfungen laufen unter anderem in Städten wie Lübeck, Göttingen, Magdeburg, Kaiserslautern und Ulm sowie in zahlreichen Landkreisen quer durch die Bundesrepublik. Müllwerker sollen den Inhalt der Tonnen genauer prüfen. Werden zu viele Störstoffe entdeckt, bleibt die Biotonne ungeleert stehen. Ein roter Anhänger oder Aufkleber weist die Bewohner darauf hin, dass sie die falschen Abfälle entfernen müssen. Geschieht dies nicht, wird der Inhalt später als Restmüll entsorgt, was zusätzliche Kosten von rund 40 Euro verursachen kann.
Die Aktion soll das Bewusstsein für die richtige Mülltrennung schärfen. Während manche Städte bereits regelmäßig ähnliche Kontrollen durchführen, setzt man andernorts bislang eher auf sporadische Überprüfungen. Mit der nun gestarteten, bundesweit koordinierten Kampagne soll das Thema stärker in die Öffentlichkeit rücken. Hintergrund ist, dass Biomüll nicht nur kompostiert, sondern auch in Biogasanlagen genutzt wird. Enthaltene Plastikreste gelangen dabei als Mikroplastik in die Umwelt und stellen ein Risiko für Böden und Landwirtschaft dar.
Seit Mai gelten zudem strengere gesetzliche Vorgaben. Demnach darf Biomüll höchstens ein Prozent seines Gewichts an Plastik enthalten, die Menge an Fremdstoffen insgesamt darf drei Prozent nicht überschreiten. Zu diesen Störstoffen zählen nicht nur Kunststoff, sondern auch Glas, Dosen, Windeln, Katzenstreu, lackiertes Holz oder Leder. Auch Beutel aus Bioplastik sind problematisch, da sie sich nach Einschätzung vieler Entsorger nicht schnell genug zersetzen. Bislang erfolgen Kontrollen dieser Vorgaben jedoch erst an den Entsorgungsanlagen. Dort muss der Müll gegebenenfalls wieder zurücktransportiert werden, wenn er zu stark verunreinigt ist.
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Zur AktienanalyseEin besonders großes Problem entsteht in dicht bewohnten Mietshäusern, in denen mehrere Parteien eine Biotonne nutzen. In solchen Fällen ist oft nicht nachvollziehbar, wer den falschen Abfall hineingeworfen hat. Viele Fehlwürfe sind aber auch auf mangelnde Kenntnisse zurückzuführen. So werden Küchenabfälle häufig in Plastiktüten gesammelt und mitsamt Verpackung entsorgt. Fachleute raten stattdessen dazu, Zeitungspapier oder Papiertüten zu verwenden oder die Essensreste direkt in die Tonne zu geben.


