Stripe will PayPal übernehmen: Chancen, Risiken und der Preis
Ein Angebot von 60,50 Dollar je Aktie bewertet PayPal mit rund 53 Milliarden Dollar – doch Analysten zweifeln an der Höhe.

Stripe, das private Zahlungsunternehmen, könnte durch eine Übernahme von PayPal Holdings (NASDAQ: PYPL) seine Marktstellung erheblich ausbauen. Medienberichten zufolge haben Stripe und die Private-Equity-Gesellschaft Advent International ein Barangebot vorgelegt, das PayPal mit rund 53 Milliarden Dollar bewertet. Das entspricht einem Aufschlag von 28 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs von PayPal in Höhe von 47,37 Dollar. Bislang hat keine der beteiligten Parteien den Vorschlag öffentlich bestätigt.
Das gemeldete Angebot von 60,50 Dollar je Aktie umfasst Berichten zufolge rund 17 Milliarden Dollar an Eigenkapital sowie zugesagte Bankfinanzierungen. Block Inc. (NYSE: XYZ) wurde zudem als potenzielles Konsortiumsmitglied genannt. Der Vorstand von PayPal soll sich am 20. Juli treffen, um strategische Optionen zu prüfen.
Skalierung als zentrales Motiv
Der offensichtlichste Anreiz für Stripe ist die Skalierung. Das Unternehmen wickelt derzeit jährlich etwa 1,9 Billionen Dollar ab. Die Braintree-Plattform von PayPal könnte potenziell rund 700 Milliarden Dollar hinzufügen. Damit würde das kombinierte Unternehmen jährlich etwa 3,2 Billionen Dollar abwickeln und mehr als 30 Prozent des weltweiten E-Commerce ausmachen.
Eine Übernahme würde Stripe zudem Zugang zu 231 Millionen monatlich aktiven Konsumenten verschaffen, darunter 67 Millionen Venmo-Nutzer. Das PayPal-Netzwerk erreicht außerdem rund 90 Prozent der Online-Händler weltweit. Für Stripe, das bislang vor allem auf der Händlerseite stark ist, wäre das ein entscheidender Schritt in Richtung Konsumenten.
Besonders Venmo könnte eine wesentliche Lücke im Geschäftsmodell von Stripe schließen. Stripes eigene Wallet „Link" ist nach wie vor deutlich kleiner als PayPal und Venmo. Der Besitz beider Seiten einer Transaktion – also Händler und Konsument – könnte die Checkout-Konversionsrate, die Betrugserkennung und die Zahlungsökonomie verbessern.
Stablecoins und KI als strategische Zusatzchancen
Neben der klassischen Zahlungsabwicklung spielen zwei weitere Themen eine Rolle. Stripe besitzt den Infrastrukturanbieter Bridge und bietet bereits Stablecoin-Dienste an. PayPal bringt mit PYUSD einen eigenen Stablecoin mit einer Marktkapitalisierung von rund 3 Milliarden Dollar ein. Die Kombination beider Angebote könnte Stripe im wachsenden Stablecoin-Markt deutlich stärken.
Darüber hinaus bietet der sogenannte „Agentic Commerce" eine weitere Chance. Die Verbindung von PayPals Privatkundenkonten, Debitkarten, „Buy-now-pay-later"-Diensten und Transaktionsdaten mit dem Händlernetz von Stripe könnte Käufe unterstützen, die von KI-Agenten initiiert werden – ein Zukunftsmarkt, der zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Analysten sehen den Preis als Haupthindernis
Analysten von Cantor Fitzgerald, Bernstein und Mizuho bezweifeln, ob das gemeldete Angebot für einen erfolgreichen Abschluss ausreichen würde. Die Sum-of-the-Parts-Analyse von Cantor bewertet PayPal eher mit 70 Dollar pro Aktie, wenn Venmo, Braintree, der Marken-Checkout und andere Aktivitäten separat berücksichtigt werden. PayPal generiert zudem einen jährlichen freien Cashflow von etwa 6 Milliarden Dollar und verfügt über eine Netto-Cash-Position.
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Zur AktienanalyseDie Finanzierung eines höheren Angebots könnte den Verschuldungsgrad der Übernahme auf das Fünf- bis Sechsfache ansteigen lassen, insbesondere wenn sich die Cash-Generierung weiter abschwächt. Das stellt ein erhebliches finanzielles Risiko dar.
Operative und regulatorische Risiken nicht zu unterschätzen
Neben dem Preis gibt es weitere Hürden. Zu den operativen Risiken zählen sinkende Marktanteile beim Marken-Checkout von PayPal, die Integration der modernen Stripe-Infrastruktur in die Altsysteme von PayPal sowie die Verwaltung eines großen Kundenservice-Betriebs. Ein Deal könnte zudem Konflikte mit wichtigen Stripe-Partnern auslösen, darunter Shopify, Klarna und Banken, die mit PayPal konkurrieren.
Bestehende Zahlungsabwickler von PayPal wie Global Payments und Fiserv könnten Geschäftseinbußen erleiden, wenn Stripe mehr Aktivitäten auf seine eigenen Systeme verlagert. Regulierungsbehörden dürften einen Zusammenschluss dieser Größenordnung besonders genau unter die Lupe nehmen – ein Unternehmen, das mehr als 30 Prozent des weltweiten E-Commerce abwickelt, zieht unweigerlich kartellrechtliche Aufmerksamkeit auf sich.


