Südafrikas Bergbau setzt auf Innovation beim Tailings-Management
Experten diskutieren nachhaltige Lösungen für Rückstandshalden und Landrekultivierung in Südafrikas Bergbausektor.

Südafrikanische Bergbauunternehmen stehen vor wachsenden Herausforderungen im Umgang mit Tailings – den Rückständen aus der Erzverarbeitung. Beim „Tailings"-Webinar von Creamer Media kamen Branchenexperten zusammen, um über verantwortungsvolles Tailings-Management und effektive Landrekultivierung zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen regulatorische, finanzielle, technische und soziale Barrieren, die Rekultivierungsbemühungen verlangsamen.
Jaco Schoeman, COO von DRDGOLD, skizzierte die Entwicklung des Wiederaufbereitungs- und Rekultivierungsbetriebs Ergo am East Rand in Gauteng über die letzten 50 Jahre. Er beschrieb eine grundlegende Verschiebung vom Untertagebau hin zum Übertagebau – ausgelöst durch steigende Kosten und die Erschöpfung tief liegender Reserven. Die Goldproduktion in Südafrika ist laut Schoeman in den letzten zehn Jahren um rund 32 Prozent gesunken.
„Die bestehenden Untertageminen werden einfach immer tiefer und teurer. Es ist nicht so, dass Südafrika das Gold ausgegangen ist; uns sind die wirtschaftlich überlebensfähigen Unzen ausgegangen, die auf der Kostenkurve liegen", erklärte Schoeman. Goldinvestitionen fließen daher zunehmend in Oberflächenbetriebe.
Vier Schlüsselfaktoren für bankfähige Wiederaufbereitungsprojekte
Schoeman identifizierte vier zentrale Faktoren, die ein Wiederaufbereitungsprojekt für Investoren attraktiv machen: definierte Ressourcen, die Umnutzung oder der Aufbau neuer Infrastruktur, der Zugang zu Wasser und stabiler Stromversorgung sowie ausreichende Deponiekapazitäten. Besonders die Deponiekapazität bezeichnete er als „wesentliche Einschränkung" im Gesamtmodell.
ESG-Kriterien – also Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards – werden dabei laut Schoeman immer zentraler für die Realisierbarkeit von Projekten. „Ohne eine sehr starke, reale ESG-Strategiekomponente wird man in Zukunft keines dieser Projekte zum Laufen bringen. Man muss die Umwelt, die Gemeinden und den ökologischen Fußabdruck insgesamt berücksichtigen", betonte er.
Danie Otto, Leiter des Bereichs Anlagenübergang und -schließung bei SLR Consulting und Präsident der Land Rehabilitation Society of Southern Africa (LaRSSA), unterstrich die Bedeutung moderner Technologien zur Verschmutzungskontrolle. Charles MacRobert, außerordentlicher Professor für Geotechnik an der Universität Stellenbosch, ergänzte, dass es darum gehe, belastete Gebiete zu sanieren und alternative kommerzielle Nutzungen auf diesen Standorten zu ermöglichen.
Technologie als Schlüssel zur Sicherheit und Überwachung
Ein konkretes Beispiel für technologische Innovation liefert DRDGOLD im Bereich der Pipeline-Überwachung. Der Materialtransport vom Rückgewinnungsstandort erfolgt hydraulisch durch Pipelines, die quer durch Johannesburg und dicht besiedelte Gemeinden verlaufen. „Jeder Bruch oder jedes Leck in diesen Pipelines wird ein massives Problem für uns darstellen", warnte Schoeman.
Um diesem Risiko zu begegnen, entwickelte das Unternehmen gemeinsam mit einem deutschen Ingenieurbüro einen Algorithmus, der mit Drucksensoren entlang der Pipeline verbunden ist. Das System meldet abnormale Druckveränderungen sofort, lokalisiert potenzielle Lecks präzise und ermöglicht es, Teams für Reparaturen einzusetzen oder das System bei Bedarf abzuschalten. Ergo pumpt derzeit Material über rund 70 Kilometer durch dicht besiedelte Teile von Johannesburg.
Henry Gouws, Geschäftsführer von Ergo, betonte die Bedeutung von Prozessstabilität. Ergo verarbeitet derzeit zwischen 1,65 und 1,7 Millionen Tonnen Material – früher waren es über 2,1 Millionen Tonnen in einer einzigen Anlage. Bei Gehalten von etwa 0,3 g/t Gold sei ein hoher Durchsatz unerlässlich, eine Überdimensionierung könne jedoch zu Prozessunterbrechungen führen. „Stabilität ist der Schlüssel", sagte Gouws.
Begleitende Rekultivierung spart langfristig Kosten
Beim Brakpan-Damm in Gauteng setzt DRDGOLD auf begleitende Rekultivierung: Während der laufende Betrieb weitergeht, werden Seitenhänge begrünt und kontaminiertes Wasser durch Fangbohrungen und Abfanggräben aufgefangen und in den Kreislauf zurückgeführt. Schoeman betonte den wirtschaftlichen Vorteil dieses Ansatzes: „Es ist viel teurer, die Rekultivierung erst am Ende des Betriebs durchzuführen, als das Geld im Vorfeld auszugeben und die Rekultivierung parallel durchzuführen."
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Zur AktienanalyseDas Unternehmen misst den Projekterfolg inzwischen auch anhand von Biodiversitätsergebnissen. Otto ergänzte, dass technologische Durchbrüche in der Saatguttechnologie, der Geochemie und der Fernerkundung die Verwaltung von Tailings-Anlagen über ihren gesamten Lebenszyklus grundlegend veränderten. Leistungsindikatoren wie die Überwachung von Luft- und Wasserqualität sowie der sozialen Akzeptanz eines Unternehmens gewinnen dabei an Bedeutung.
Regulatorischer Rahmen gut, Umsetzung bleibt Herausforderung
Trotz positiver Einschätzungen zum regulatorischen Rahmen – Schoeman bezeichnete ihn als „auf Augenhöhe mit den besten der Welt" – bleibt die praktische Umsetzung ein Problem. Das südafrikanische Ministerium für Mineralressourcen und Erdöl sei in Bezug auf personelle und technologische Kapazitäten zur Bearbeitung von Anträgen unterausgestattet. „Ich glaube nicht, dass mit unseren Vorschriften etwas nicht stimmt. Es geht darum: Können wir den Prozess beschleunigen?", fragte Schoeman.
Otto wies zudem auf neue Vorschriften zur Finanzierung von Rekultivierung und Schließung hin, die er als „den Elefanten im Raum" bezeichnete. Die bevorstehende Gesetzgebung, die latente und verbleibende Risiken detaillierter behandeln soll, werde von der Industrie „gut gehandhabt". Gouws forderte pragmatischere Möglichkeiten, projektbezogene Herausforderungen mit den Behörden zu diskutieren, um einen rein bürokratischen „Abhaken-Ansatz" zu vermeiden.


