Südkorea bestellt Militärhubschrauber für 4,2 Milliarden Dollar bei Boeing und Lockheed
Seoul modernisiert seine Streitkräfte massiv – mit Apache-Upgrades und U-Boot-Abwehr-Hubschraubern von zwei US-Rüstungsriesen.

Südkorea hat beim US-Außenministerium Kaufanträge für Militärhubschrauber und zugehörige Ausrüstung im Gesamtwert von 4,2 Milliarden US-Dollar gestellt. Die Aufträge verteilen sich auf zwei separate Deals mit Boeing und Lockheed Martin – und könnten für Investoren beider Unternehmen sehr unterschiedliche Konsequenzen haben.
Das US-Außenministerium informierte den Kongress Anfang Mai über die Kaufanfragen der südkoreanischen Regierung. Für solche sogenannten Foreign Military Sales (FMS) – also Rüstungsexporte an verbündete Staaten – ist eine Genehmigung durch den US-Kongress erforderlich. Laut der auf den Kongress spezialisierten Zeitung Roll Call wurde in den vergangenen 30 Jahren jedoch kein einziger solcher Rüstungsverkauf durch eine gemeinsame Ablehnungsentschließung blockiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide Deals durchkommen, gilt daher als sehr hoch.
Apache-Modernisierung und Seahawk-Hubschrauber
Im ersten Deal mit Boeing geht es um die Modernisierung der bestehenden südkoreanischen Flotte von 36 AH-64E Apache-Angriffshubschraubern, wobei bereits 36 weitere bestellt sind. Konkret beantragt Seoul den Kauf von acht AN/APG-78 Feuerleitradar-Systemen, acht Longbow FCR Radar Electronic Units sowie 40 AN/ARC-231A VHF/UHF-Funkgeräten samt zugehöriger Ausrüstung. Boeing wurde als Hauptauftragnehmer benannt und soll mit diesem Auftrag einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Dollar erzielen.
Der zweite und deutlich größere Deal betrifft Lockheed Martin: Südkorea beantragt den Kauf von 24 MH-60R Sikorsky Seahawk Mehrzweckhubschraubern – inklusive 24 luftgestützter Niederfrequenz-Sonarsysteme (ALFS). Diese Ausstattung deutet klar darauf hin, dass die Hubschrauber primär für U-Boot-Abwehrmissionen eingesetzt werden sollen. Lockheed Martin, das den Sikorsky-Hersteller vor mehr als einem Jahrzehnt vom damaligen United Technologies-Konzern übernahm, fungiert als Hauptauftragnehmer für diesen 3-Milliarden-Dollar-Auftrag.
Was die Deals für Boeing und Lockheed bedeuten
Für Boeing läuft der Hubschrauberauftrag über die Sparte Boeing Defense, Space & Security (BDS). Diese Einheit hat sich zuletzt verbessert: Nachdem BDS seit 2022 Verluste in Milliardenhöhe verzeichnete, schrumpfte der Verlust im vergangenen Jahr auf 128 Millionen Dollar. Im ersten Quartal 2026 drehte die Sparte sogar ins Plus – mit einem Betriebsgewinn von 233 Millionen Dollar, ein Anstieg von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch liegt die operative Marge von Boeing bei BDS derzeit bei lediglich 3,1 Prozent. Auf den 1,2-Milliarden-Dollar-Auftrag hochgerechnet würde das einen Betriebsgewinn von rund 37 Millionen Dollar bedeuten.
Bei Lockheed Martin werden die Sikorsky-Hubschrauber über das Segment Rotary and Mission Systems (RMS) abgewickelt. Dieses Segment erzielte im vergangenen Jahr einen Betriebsgewinn von 1,3 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 19,7 Milliarden Dollar – eine operative Marge von 6,7 Prozent. Im ersten Quartal 2026 weitete sich diese Marge sogar auf 9,2 Prozent aus. Auf den 3-Milliarden-Dollar-Seahawk-Auftrag angewendet, könnte Lockheed daraus einen Betriebsgewinn von fast 277 Millionen Dollar generieren.
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Zur AktienanalyseBewertungsvergleich: Lockheed als klarer Favorit
Der Unterschied in der Profitabilität spiegelt sich auch in den Aktienbewertungen wider. Boeing wird derzeit mit dem 90-fachen des Gewinns der letzten zwölf Monate bewertet – eine sehr ambitionierte Kennzahl für ein Unternehmen, das sich noch in der Erholungsphase befindet. Lockheed Martin hingegen kommt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von lediglich 26 und erscheint damit deutlich günstiger bewertet.
Für Anleger, die von der Aufrüstung Südkoreas profitieren möchten, liefert die Analyse ein klares Bild: Lockheed Martin kombiniert einen größeren Auftragsanteil, höhere Margen im relevanten Segment und eine moderatere Bewertung. Boeing profitiert zwar ebenfalls von dem Deal, doch der potenzielle Gewinnbeitrag fällt im Vergleich deutlich geringer aus – und das bei einer weitaus höheren Bewertung der Aktie.


