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Südkoreas „Ameisen-Anleger" kaufen massiv US-Aktien trotz Rekordhochs

Südkoreanische Privatanleger investieren 2025 rund 73,6 Milliarden Dollar in US-Aktien – fast fünfmal mehr als im Vorjahr.

Südkoreas „Ameisen-Anleger" kaufen massiv US-Aktien trotz Rekordhochs

Südkoreanische Privatanleger, bekannt als „Seohak-Ameisen", haben im Jahr 2025 US-Aktien im Wert von 73,6 Milliarden Dollar netto gekauft. Das ist fast das Fünffache des Vorjahreswertes. Damit war Südkorea laut Berechnungen von CNBC auf Basis von Daten des US-Finanzministeriums der drittgrößte Käufer von US-Aktien weltweit – hinter Singapur und Norwegen, ohne Berücksichtigung von Investmentzentren wie den Kaimaninseln und Irland.

Besonders bemerkenswert ist dieser Trend vor dem Hintergrund, dass der südkoreanische Leitindex Kospi im vergangenen Jahr eine Rendite von 75 Prozent erzielte und in diesem Jahr neue Höchststände erreichte. Die starke Heimatmarkt-Performance hat die Begeisterung für US-Aktien offenbar kaum gebremst.

Was treibt die „Seohak-Ameisen" an?

Der Begriff „Seohak-Ameisen" setzt sich aus „Seohak" – was wörtlich „westliches Lernen" bedeutet – und dem koreanischen Begriff für Privatanleger zusammen, die häufig als „Ameisen" bezeichnet werden. Südkorea verfügt laut der Investmentplattform GAM Investments über rund 15 Millionen Privatanleger, die 60 bis 70 Prozent des jährlichen Handelsvolumens im Land ausmachen.

Daniel Yoo, globaler Stratege und Leiter der globalen Asset-Allokation bei Yuanta Securities Korea, macht Privatanleger direkt für den Ansturm auf US-Aktien verantwortlich: „Privatanleger schätzen die Attraktivität von Investitionen am US-Markt viel stärker ein." Yoo ergänzt, US-Unternehmen würden zudem als aktionärsfreundlicher und transparenter wahrgenommen. Sie hätten eine Erfolgsbilanz bei der Belohnung von Anlegern durch Dividenden und Aktienrückkäufe sowie eine stärkere Corporate Governance im Vergleich zu südkoreanischen Firmen.

Kang Min Joo, Senior Economist für Südkorea und Japan bei ING, verweist auf den schleppenden Inlandsmarkt vor 2025 als weiteren Treiber: Privatanleger hätten ihre Aufmerksamkeit auf den US-Markt gerichtet, der höhere Renditen bot. Tatsächlich hat der S&P 500 den Kospi in vier der letzten fünf Jahre übertroffen – ein Faktor, der das Vertrauen in den US-Markt nachhaltig geprägt hat.

Überproportionales Gewicht von US-Aktien im Auslandsportfolio

Ein Bericht der Bank of Korea zeigt das ganze Ausmaß der US-Präferenz: Der Anteil der US-Investitionen am gesamten Auslandsportfolio des Landes lag bei 63,4 Prozent. Zum Vergleich: Andere Industrieländer kamen auf 25,3 Prozent, Schwellenländer auf 36,8 Prozent. Daten des Korea Securities Depository – das häufig als Indikator für Privatanleger-Aktivitäten herangezogen wird – zeigen zudem, dass die Nettokäufe von US-Aktien die gesamten Netto-Auslandskäufe überstiegen. Das bedeutet: Anleger verkauften Nicht-US-Vermögenswerte, während sie gleichzeitig weiter US-Aktien erwarben.

Regierung versucht gegenzusteuern – mit begrenztem Erfolg

Seoul hat auf den anhaltenden Kapitalabfluss reagiert. Das südkoreanische Finanzministerium kündigte Steuererleichterungen für Privatanleger an, die ihre Auslandsbestände verkaufen. Unter bestimmten Bedingungen sollen Kapitalerträge aus ausländischen Aktien von der Steuer befreit werden, wenn die Erlöse für ein Jahr in inländische Aktien investiert werden.

Analysten zeigen sich jedoch skeptisch. Florian Weidinger, CEO bei Santa Lucia Asset Management, erklärte gegenüber CNBC, dass die jüngsten Bemühungen in Südkorea zwar darauf abzielen, eine stärkere heimische Aktienkultur zu schaffen, die Einheimischen jedoch nicht überzeugt zu sein scheinen. Die Maßnahmen wurden im Dezember letzten Jahres angekündigt – doch in den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 war Südkorea mit fast 10 Milliarden Dollar (ohne Kaimaninseln und Irland) immer noch der größte Nettokäufer von US-Aktien weltweit.

Yoo von Yuanta Securities räumt ein, dass die Maßnahmen „teilweise" funktionieren und kurzfristig Früchte tragen könnten, solange die Kospi-Performance stark bleibe. Dennoch seien die Steuererleichterungen nicht ausreichend, um Anleger dauerhaft von US-Aktien fernzuhalten. Der Exodus der „Seohak-Ameisen" dürfte damit vorerst anhalten.

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