Südkoreas Finanzaufsicht bedauert gehebelte ETFs auf Chipriesen
FSS-Gouverneur Lee Chan-jin kritisiert übereilte Zulassung von Hebel-ETFs auf Samsung und SK Hynix und prüft Gegenmaßnahmen.

Lee Chan-jin, Gouverneur des südkoreanischen Financial Supervisory Service (FSS), hat öffentlich sein Bedauern über die Einführung gehebelter börsengehandelter Fonds (ETFs) geäußert, die an die Chiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix gekoppelt sind. „Wir beobachten dies vorsichtig und prüfen die Angelegenheit ernsthaft", erklärte er zu den in Erwägung gezogenen Maßnahmen, ohne weitere Details zu nennen. Die Selbstkritik des Regulators gilt als ungewöhnlich offen und kommt nur wenige Tage nach einer offiziellen Anlegerwarnung für derartige Produkte.
Die Aufsichtsbehörde hatte den Wertpapierhäusern im vergangenen Monat selbst die Auflegung dieser ETFs genehmigt. Die Folge: Kreditfinanzierte Aktieninvestments von Privatanlegern stiegen bis Ende Mai auf einen Rekordwert von 60 Billionen Won – umgerechnet rund 39 Milliarden US-Dollar. Dieser Boom bei Hebelprodukten war Teil einer breiter angelegten Initiative, koreanische Kleinanleger von den US-Märkten zurückzugewinnen, denen sie sich seit der Pandemie verstärkt zugewandt hatten.
Rekordanstieg am KOSPI befeuert Risikoappetit
Der Leitindex des Landes, der KOSPI, hat sich in einer KI-getriebenen Rallye als einer der stärksten Aktienmärkte weltweit erwiesen. In diesem Jahr legte er bislang um mehr als 110 Prozent zu, nachdem er im Vorjahr bereits um 76 Prozent gestiegen war. Haupttreiber dieser Entwicklung waren die Kursgewinne bei den Chipherstellern Samsung Electronics und SK Hynix, die von der globalen Nachfrage nach KI-Halbleitern profitierten.
Für deutsche Anleger ist dieser Kontext bedeutsam: Gehebelte ETFs verstärken sowohl Gewinne als auch Verluste – bei einem Faktor von zwei oder drei kann ein Kursrückgang von 10 Prozent zu einem Verlust von 20 bis 30 Prozent führen. Die rasante Verbreitung solcher Produkte unter unerfahrenen Privatanlegern hat die Aufsichtsbehörde nun offenbar alarmiert, obwohl sie die Zulassung selbst erteilt hatte.
MSCI-Hochstufung kein vorrangiges Ziel
Neben der ETF-Debatte äußerte sich Lee Chan-jin auch zur angestrebten Hochstufung Südkoreas in den MSCI-Status eines entwickelten Marktes. „Nach meinem Verständnis überstürzen wir nichts und forcieren es nicht zu sehr", sagte er auf eine entsprechende Frage. Er verwies dabei auf erhöhte Marktvolatilität sowie ungelöste strukturelle Probleme als Gründe für die zurückhaltende Haltung.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Erlangung des Developed-Market-Status ist eigentlich ein Kernziel der Regierung von Präsident Lee Jae Myung, die ihr Amt im Juni 2025 antrat. Als Teil einer umfassenderen Initiative zur Wiederbelebung des Aktienmarktes hat die Regierung verschiedene Marktreformen eingeführt und plant, den Devisenmarkt ab der zweiten Jahreshälfte rund um die Uhr zu öffnen, um den Zugang für ausländische Investoren zu verbessern.
Die jährliche MSCI-Überprüfung der Marktzugänglichkeit hatte in der vergangenen Woche festgestellt, dass Südkorea bei wichtigen Kriterien nach wie vor hinter den Erwartungen zurückbleibe – darunter das Fehlen vollständig lieferbarer Offshore-Devisenmärkte. Im Inland wächst laut FSS-Gouverneur Lee die Besorgnis über die Risiken einer plötzlichen Hochstufung in einer Phase extremer Marktschwankungen. Die endgültigen Klassifizierungsentscheidungen von MSCI stehen in dieser Woche an.


