Taiwan trotzt China nach Ausweisung von NYT-Reporterin
Peking wies eine New-York-Times-Journalistin aus – Taiwan reagiert mit klarer Botschaft für Pressefreiheit und regionale Stabilität.

Taiwan hat die Entscheidung Chinas scharf kritisiert, eine Reporterin der New York Times des Landes zu verweisen. Die Sprecherin des taiwanesischen Präsidialamtes, Karen Kuo, erklärte, die Insel werde „sich durch Unterdrückung nicht zum Schweigen bringen lassen". Taiwan werde weiterhin mit internationalen Partnern zusammenarbeiten, um Demokratie, Pressefreiheit und Stabilität in der Taiwanstraße zu fördern.
Auslöser der Ausweisung war laut einem Bericht der New York Times ein Interview der Zeitung mit Taiwans Präsident Lai Ching-te, das im Dezember veröffentlicht worden war. China wies die Journalistin Vivian Wang daraufhin im Februar an, das Land zu verlassen. Chinesische Beamte sollen diesen Schritt direkt mit dem besagten Interview in Verbindung gebracht haben.
Darüber hinaus hatten die chinesischen Behörden Berichten zufolge Bedenken gegenüber Wangs Berichterstattung zu weiteren sensiblen Themen geäußert – darunter Zensur, Pekings Umgang mit der COVID-19-Pandemie sowie der Ausbau der staatlichen Überwachung. Das chinesische Außenministerium äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall.
Mehr als ein Pressefreiheitsproblem
Karen Kuo bezeichnete den Vorfall nicht nur als ein Problem der Presse- und Meinungsfreiheit, sondern auch als eine Frage der persönlichen Sicherheit von Journalisten. Sie warnte zudem, dass dieser Schritt das internationale Ansehen Chinas beschädigen und die Besorgnis über die regionale Stabilität weiter unterstreichen könnte.
Die Episode reiht sich in ein Muster zunehmender Einschränkungen für ausländische Medienvertreter in China ein. Im April kritisierte der Foreign Correspondents' Club of China einen sich verschlechternden Trend bei der Pressefreiheit und verwies auf eine Reihe von Vorfällen, die ausländische Medienorganisationen betrafen.
Eskalierender Druck auf Taiwan
Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund deutlich verschärfter Spannungen zwischen Peking und Taipeh. China betrachtet Taiwan als Teil seines Territoriums, obwohl es die Insel nie regiert hat. Präsident Lai Ching-te wird von Peking wiederholt als Separatist bezeichnet und scharf kritisiert.
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Zur AktienanalyseAnfang 2026 blockierte China Berichten zufolge einen geplanten Besuch Lais in Eswatini – einem der wenigen verbliebenen diplomatischen Verbündeten Taiwans. Peking soll mehrere Anrainerstaaten des Indischen Ozeans davon überzeugt haben, den Zugang zu ihrem Luftraum zu verweigern und damit den Besuch zu verhindern.
Taiwan betonte trotz des wachsenden diplomatischen und politischen Drucks aus Peking, den Austausch mit internationalen Partnern weiterhin aktiv zu suchen. Die Ausweisung der NYT-Journalistin verdeutlicht einmal mehr, wie angespannt das Verhältnis zwischen China und der freien Presse ist – und welche geopolitischen Konsequenzen journalistische Arbeit in der Region haben kann.


