Taiwans Zentralbank hält Leitzins stabil – Inflation bleibt Risiko
Ökonomen erwarten keine Zinsänderung – doch steigende Inflation und geopolitische Risiken könnten den Ausblick trüben.

Taiwans Zentralbank wird ihren Leitzins bei der Quartalssitzung am Donnerstag aller Voraussicht nach unverändert bei 2% belassen. Das zeigt eine aktuelle Reuters-Umfrage unter 30 Ökonomen, von denen 27 mit einer Beibehaltung des Diskontsatzes rechnen. Lediglich drei Befragte erwarten eine Anhebung auf 2,125%.
Die letzte Zinsanpassung erfolgte im März 2024, als die Zentralbank den Satz um 0,125 Prozentpunkte von 1,875% auf 2,0% anhob – damals als Reaktion auf erwartete Strompreiserhöhungen. Seitdem hat die Bank ihren Kurs nicht verändert. Ökonomen, die Prognosen über diese Woche hinaus abgaben, gehen davon aus, dass die Zentralbank ihren Kurs bis zum vierten Quartal 2027 beibehält.
Wirtschaftsboom dank KI-Nachfrage
Taiwans Wirtschaft befindet sich in einer bemerkenswerten Hochphase. Getrieben vom globalen Boom der künstlichen Intelligenz profitieren taiwanesische Technologieunternehmen wie TSMC – der weltweit größte Auftragsfertiger von Halbleiterchips – von einer stark gestiegenen Nachfrage. Das statistische Amt des Landes meldete zuletzt, dass die Wirtschaft 2025 um 8,68% gewachsen ist. Für das laufende Jahr wird ein Wachstum von 9,64% erwartet – das schnellste Tempo seit 16 Jahren.
Diese starke wirtschaftliche Entwicklung gibt der Zentralbank Spielraum, ihren Kurs beizubehalten. Gleichzeitig liefert sie aber auch Argumente für jene Ökonomen, die eine Zinserhöhung für denkbar halten, sollte die Inflation weiter steigen.
Inflation überschreitet Warnlinie der Zentralbank
Ein zentrales Risiko bleibt die Preisentwicklung. Im Mai stieg die Inflation in Taiwan auf 2,2% – den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Damit überschritt sie die sogenannte „Warnlinie" der Zentralbank von 2,0%. Dieser Wert gilt als Schwelle, ab der die Notenbank verstärkt geldpolitische Maßnahmen in Betracht zieht.
Lin Chi-chao, Chefökonom der Cathay United Bank, sieht insbesondere in der geopolitischen Lage ein zusätzliches Inflationsrisiko. Er warnte, dass steigende Treibstoffkosten infolge einer Blockade der Straße von Hormus – ausgelöst durch den Krieg mit dem Iran – die Zentralbank in der zweiten Jahreshälfte unter Druck setzen könnten, die Zinsen anzuheben. „Sollte die Straße von Hormus über einen längeren Zeitraum blockiert bleiben und der Verkehr nicht auf das Vorkriegsniveau zurückkehren, könnte der Ton der Pressekonferenz nach der diesmonatigen Sitzung des Zentralbankrats eher hawkish ausfallen", zitiert Reuters den Ökonomen.
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Zur AktienanalyseAllerdings gibt es in diesem Punkt eine aktuelle Entwicklung: US-amerikanische und iranische Regierungsvertreter erklärten am Sonntag, sie hätten sich auf einen Rahmen geeinigt, um ihren Krieg zu beenden, die US-Blockade gegen den Iran aufzuheben und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Dies könnte den Inflationsdruck auf Taiwan mittelfristig abschwächen.
Neben der Zinsentscheidung wird die Zentralbank am Donnerstag auch ihre revidierten Prognosen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation im laufenden Jahr vorlegen. Anleger und Ökonomen dürften diese Zahlen genau beobachten, um Hinweise auf den künftigen geldpolitischen Kurs zu erhalten.


