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Tech-Gewinne überstrahlen Ölpreisschock an den Weltmärkten

Starke Quartalszahlen von Caterpillar und Apple treiben Wall Street trotz steigender Ölpreise und globaler Unsicherheiten nach oben.

Tech-Gewinne überstrahlen Ölpreisschock an den Weltmärkten

Die Anleger in Asien sahen sich erneut eines Besseren belehrt: Während die Weltlage angespannt schien, kauften US-Investoren Aktien in großem Stil. Ausschlaggebend waren glänzende Quartalszahlen aus dem Technologiesektor, die selbst steigende Ölpreise in den Hintergrund drängten. Der Markt zeigte einmal mehr, dass starke Unternehmensgewinne kurzfristig fast jeden makroökonomischen Gegenwind überwältigen können.

Besonders auffällig war der Kurssprung bei Caterpillar. Das Old-Economy-Unternehmen profitierte überraschend stark vom KI-Boom: Die steigende Nachfrage von Rechenzentren nach Energieanlagen half dem Konzern, die Prognosen der Wall Street deutlich zu übertreffen – die Aktie legte daraufhin um fast 10 Prozent zu. Auch Apple übertraf die Erwartungen der Analysten, wenn auch weniger deutlich als in früheren Quartalen. Analysten bezeichneten das Ergebnis als „solide", was erklären dürfte, warum die Apple-Aktie nachbörslich lediglich um 1,9 Prozent zulegte.

Enge Rallye mit Warnsignalen

Analysten von Goldman Sachs mahnen jedoch zur Vorsicht. Sie weisen darauf hin, dass die jüngste Rallye an der Wall Street eine der engsten in der Geschichte war. Die Gewinnanhebungen seien sehr begrenzt und würden fast ausschließlich von den Sektoren Halbleiter, IT und Kommunikation getragen. Goldman Sachs sieht darin nicht mehr nur Momentum, sondern Züge einer Manie – ein Warnsignal, das Anleger nicht ignorieren sollten.

Momentum ist zweifellos eine mächtige Kraft an den Märkten: Kurse steigen, weil Anleger kaufen – und Anleger kaufen, weil die Kurse steigen. Doch diese Eigendynamik kann fragil sein, sobald sich das fundamentale Umfeld verschlechtert.

Ölmarkt unter Druck – Zentralbanken alarmiert

Parallel dazu bleibt die Lage an den Ölmärkten angespannt. Brent-Rohöl ist zwar von seinem Höchststand von 126,41 US-Dollar zurückgegangen, doch dies liegt laut Analysten hauptsächlich am Übergang vom Juni- in den Juli-Kontrakt. Letzterer notiert mit über 111,00 US-Dollar rund 1 Prozent höher. Die Straße von Hormus bleibt geschlossen, während Iran und USA bislang lediglich verbale Drohungen austauschen. Da die Vorräte an Benzin, Diesel, Kerosin, Bunkerkraftstoff und Düngemitteln immer knapper werden, dürften die Preise weiter steigen, um die Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Zentralbanken haben diese Risiken klar im Blick. In der laufenden Woche warnten vier große Notenbanken vor künftigen Inflationsrisiken. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Bank of England (BoE) signalisierten, dass Zinserhöhungen bereits im Juni möglich seien. Das US-amerikanische Federal Open Market Committee (FOMC) zeigte sich ebenfalls nicht in der Stimmung für Zinssenkungen – ungeachtet politischer Wünsche aus Washington.

Japan unter Druck – Yen-Verteidigung wird teurer

Hohe Ölpreise erschweren zudem Japan die Verteidigung seiner Währung. Das Handelsdefizit des Landes dürfte in den kommenden Monaten stark ansteigen. Zwar gelang es dem japanischen Finanzministerium (MOF) und der Bank of Japan (BOJ) durch Devisenmarktinterventionen, den US-Dollar zunächst um fünf „Big Figures" auf 155,50 zu drücken. Doch inzwischen notiert der Dollar wieder über 157,00, während der Markt die Entschlossenheit Tokios testet. Die Verteidigung der Marke von 160,00 dürfte den Verkauf deutlich größerer Mengen an US-Dollar erfordern – mit potenziellen Konsequenzen für das Verhältnis zu Washington.

Zu den wichtigen Ereignissen, die die Märkte am Freitag beeinflussen könnten, zählen ein Vortrag von Huw Pill, Chefökonom der Bank of England, zur jüngsten Zinsentscheidung sowie die Veröffentlichung des ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im April.

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