Tech, Medien & Telekommunikation: Marktstimmen zu KI und Chips
Analysten sehen den Tech-Superzyklus in Südkorea intakt, während chinesische KI als Effizienz-Wette gilt.

Der Technologie-Superzyklus in Südkorea bleibt nach Einschätzung von William Bratton, Analyst bei BNP Paribas, trotz erhöhter Volatilität bei führenden Chip-Aktien intakt. Die fundamentalen und strukturellen Treiber der Speicherchip-Rally seien unverändert stark, gestützt durch eine robuste Gewinndynamik und einen Mangel an überzeugenden Gewinnwachstumsgeschichten in anderen Teilen der asiatischen Region. „Es ist verfrüht, das Ende der Kräfte auszurufen, die den asiatischen und südkoreanischen Technologiesektor antreiben", betont Bratton.
Kurzfristige Rücksetzer bei Tech-Aktien bewertet der Analyst eher als normale Konsolidierungsphase denn als strukturelle Umkehr des Anlagethemas Technologie. Zwar könnte der koreanische Aktienmarkt mit heftigem Gegenwind konfrontiert sein, wenn der Technologiezyklus schließlich dreht – doch davon geht Bratton derzeit nicht aus.
Chinesische KI als Effizienz-Wette
Investoren betrachten chinesische Technologie zunehmend als eine Wette auf KI-Effizienz. Das ist die Einschätzung von Charu Chanana, Chef-Anlagestrategin bei Saxo Markets. Während Investoren die Kosten des KI-Ausbaus in den USA zunehmend hinterfragen, sei Chinas KI-Entwicklung für günstigere Modelle, die Nutzung von Open-Source-Lösungen und den praktischen KI-Einsatz bekannt.
Chanana sieht China in der nächsten Phase der KI-Entwicklung im Vorteil: Entscheidend werde sein, wer nützliche KI zu den niedrigsten Kosten liefern kann. Chinesische KI-Modelle wurden bereits schrittweise von globalen Entwicklern und Unternehmen übernommen. Dennoch warnt die Strategin: Es handele sich nicht um einen „reinen China-Erholungs-Trade", da das Verbrauchervertrauen im Land weiterhin fragil sei.
Anleger, die ein KI-Engagement jenseits des überlaufenen Halbleitersektors suchen, könnten laut Chanana beginnen, das makroökonomische Risiko Chinas vom KI-Potenzial des Landes zu trennen. Diese differenzierte Betrachtung gewinnt angesichts der geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China zunehmend an Bedeutung für internationale Portfoliostrategien.
LG CNS: Kaufempfehlung von Daiwa Capital
LG CNS, eine Softwaretochter der LG Group mit Fokus auf künstliche Intelligenz und Cloud-Computing, rückt ebenfalls in den Analystenblick. Die Experten Joon Lee und Thomas Y. Kwon von Daiwa Capital erwarten, dass das Unternehmen von den geplanten Investitionen seines Mutterkonzerns in physische KI und Robotik profitieren wird.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseKonkret könnten zunehmende konzerninterne Verträge für Robotik-Transformationslösungen sowie Management-Dienstleistungen für Industrieroboter für andere LG-Töchter das Gewinnwachstum von LG CNS im Zeitraum 2026 bis 2028 beschleunigen. Daiwa Capital nimmt die Aktie mit einer Kaufempfehlung auf und setzt das Kursziel bei 100.000 Won an. Zuletzt notierten die Aktien 1,8 Prozent niedriger bei 69.900 Won.
Die drei Markteinschätzungen verdeutlichen, wie breit das Interesse an KI-Investitionen derzeit aufgestellt ist – von südkoreanischen Speicherchips über chinesische Effizienz-Modelle bis hin zu konkreten Unternehmensstrategien im Bereich Robotik und Cloud. Für deutsche Anleger bieten diese Perspektiven wertvolle Orientierung bei der Einschätzung asiatischer Tech-Investments.

