Tesla vs. Alphabet: Wer gewinnt den Robotaxi-Wettbewerb?
Beide Tech-Giganten investieren Milliarden in autonomes Fahren – doch ein entscheidender struktureller Vorteil könnte Tesla langfristig die Oberhand geben.

Tesla (TSLA) und Alphabet (GOOG/GOOGL) kämpfen um die Vorherrschaft im Robotaxi-Markt. Beide Unternehmen haben über viele Jahre hinweg Milliarden von US-Dollar in ihre Ambitionen im Bereich des autonomen Fahrens investiert – und diese Investitionen beginnen sich nun auszuzahlen. Der Markt gilt als einer der größten Wachstumsmärkte der kommenden Dekade.
Das Marktpotenzial ist enorm: Einige Experten schätzen, dass der weltweite Robotaxi-Markt langfristig ein Volumen von 5 bis 10 Billionen US-Dollar erreichen könnte. Die Unternehmensberatung McKinsey & Co. prognostiziert in einem aktuellen Forschungsbericht, dass der weltweite Rollout von Robotaxis im Jahr 2030 in großem Maßstab Realität werden wird. Experten erwarten demnach, dass Robotaxis die erste kommerzielle Anwendung für sogenannte Level-4-Autonomie in der Mobilität sein werden – noch vor privat genutzten Pkw.
Level-4-Autonomie bedeutet, dass Fahrzeuge ohne einen Fahrer funktionieren können, der bereit ist, das Steuer zu übernehmen. In weniger als vier Jahren könnten Robotaxis damit für jeden mit einem Smartphone in fast allen wichtigen Regionen der Welt verfügbar sein. Dies ist maßgeblich den Pionierleistungen von Alphabet zu verdanken.
Waymo mit frühem Vorsprung, Tesla holt auf
Derzeit ist Alphabets Tochterunternehmen Waymo bereits in zehn Städten in sechs US-Bundesstaaten operativ tätig. Tesla hingegen betreibt seinen Robotaxi-Dienst bislang in Houston, Dallas und Austin im US-Bundesstaat Texas und erwägt die Expansion in fünf weitere Städte. Rein aus der Perspektive der Reichweite hat Waymo damit den frühen Vorsprung.
Waymo plant, seinen Dienst in diesem Jahr auf mehr als 20 Städte auszuweiten. Tesla bemüht sich derzeit um die Expansion auf zehn Städte. Selbst Tesla-Chef Elon Musk erkannte Waymos Pionierrolle an und dankte dem Unternehmen kürzlich dafür, „hier den Weg geebnet zu haben", was die Einholung regulatorischer Genehmigungen betrifft, die es Robotaxi-Diensten ermöglichen, in neue Bundesstaaten und Metropolregionen zu expandieren.
Die Bedeutung des Robotaxi-Marktes spiegelt sich auch in den Bewertungen wider. Cathie Wood, CEO von Ark Invest und eine bedeutende Tesla-Investorin, glaubt, dass Robotaxis bis 2029 rund 90 Prozent des Unternehmenswerts von Tesla ausmachen werden. Alphabet und seine Partner haben Waymo unterdessen kürzlich 16 Milliarden US-Dollar an neuem Kapital zugeführt, wodurch das Robotaxi-Geschäft mit 126 Milliarden US-Dollar bewertet wird.
Teslas entscheidender Kostenvorteil bei der Produktion
Langfristig könnte jedoch Tesla die Nase vorn haben – und zwar aus einem klaren strukturellen Grund: den Produktionskosten. Kürzlich wurde berichtet, dass die Herstellung von Waymos neuem selbstfahrenden Van rund 125.000 US-Dollar kostet. Tesla erwartet hingegen, seine sogenannten Cybercabs für weniger als 30.000 US-Dollar pro Stück zu produzieren. Die Materialkosten könnten im Laufe der Zeit sogar auf unter 20.000 US-Dollar gesenkt werden.
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Zur AktienanalyseDieses Ziel erscheint glaubwürdig, wenn man bedenkt, dass die Produktion des Tesla Model 3 bereits weniger als 30.000 US-Dollar kostet. Tesla verfügt über einen vertikal integrierten Fertigungsprozess und stellt seine eigenen Fahrzeuge selbst her. Alphabet hingegen ist auf eine lange Liste von Drittanbietern angewiesen, um Waymo-Fahrzeuge produzieren zu lassen.
Dieser Unterschied hat erhebliche Auswirkungen auf die Skalierbarkeit beider Geschäftsmodelle. Ein aktueller Forschungsbericht von Ark Invest kommt zu dem Schluss: „Bei einem Betrieb in großem Maßstab könnten die Kosten pro Meile bei Tesla um etwa 30 bis 50 Prozent niedriger liegen als bei Waymo, da das Unternehmen nicht auf andere Automobilhersteller, LiDAR oder zusätzliche Hardware angewiesen ist."
Während Alphabet beim Rollout also einen frühen Vorsprung genießt, dürfte Tesla langfristig aufholen und letztlich die Expansionsrate von Waymo übertreffen. Für Anleger stellt sich damit die Frage, ob sie auf den aktuellen Marktführer oder auf das Unternehmen mit dem strukturell günstigeren Geschäftsmodell setzen wollen – denn beide Wetten könnten sich als lukrativ erweisen.


