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TG Jones: Bis zu 150 Ex-WHSmith-Filialen vor der Schließung

Britischer Einzelhändler TG Jones erhält grünes Licht für radikalen Restrukturierungsplan – mit massiven Folgen für Standorte und Vermieter.

TG Jones: Bis zu 150 Ex-WHSmith-Filialen vor der Schließung

Der britische Einzelhändler TG Jones, ehemals bekannt als WH Smith High Street, darf seinen umfassenden Restrukturierungsplan umsetzen. Der High Court in London hat die Pläne des Eigentümers Modella Capital diese Woche genehmigt. Bis zu 150 der derzeit 451 Filialen sollen geschlossen werden, rund 4.700 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Modella Capital hatte die Ladenkette im vergangenen Jahr erworben, woraufhin sie unter dem Namen TG Jones neu firmiert wurde. Die Reisebuchhandlungen von WH Smith in Bahnhöfen und Flughäfen waren nicht Teil der Transaktion – das Unternehmen behielt zudem die Rechte am historischen Markennamen. Weniger als ein Jahr nach der Übernahme kündigte Modella jedoch einen radikalen Umbau an und machte dafür „schwierige Bedingungen im Einzelhandel" verantwortlich.

Dramatische Finanzlage vor Gericht dargelegt

Vor dem High Court wurde diese Woche deutlich, wie ernst die Lage ist. Tom Smith KC, Rechtsvertreter von TG Jones, erklärte bei der Anhörung, das Unternehmen sei „hochgradig angeschlagen" und „pfeife finanziell aus dem letzten Loch". Ohne die Genehmigung des Rettungsplans hätte dem Unternehmen bis Ende der Woche ein Liquiditätsdefizit von fast 8 Millionen Pfund gedroht.

Bereits im April wäre dem Unternehmen das Geld ausgegangen, hätte Modella nicht ein Darlehen in Höhe von 10 Millionen Pfund bereitgestellt. Hinzu kam ein Aufschub von Verbindlichkeiten, darunter eine erhebliche Steuerschuld gegenüber der britischen Steuerbehörde HMRC. Modella führte einen Teil der Probleme auf massive Unterinvestitionen der Vorbesitzer sowie langfristig rückläufige Umsatzzahlen zurück. Auch der Verlust des Markennamens WH Smith und das „herausfordernde Marktumfeld" wurden als Belastungsfaktoren genannt.

Harte Einschnitte für Vermieter und Lieferanten

Der Restrukturierungsplan sieht neben den Filialschließungen drastische Mietkürzungen vor. Rund 120 Vermieter sollen bis zu drei Jahre lang überhaupt keine Mietzahlungen erhalten. Bei hunderten weiteren Standorten wird die Miete um Werte zwischen 15 % und 75 % gesenkt. Auch viele Lieferanten müssen erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen.

Gegen die Pläne regte sich zunächst erheblicher Widerstand. Angeführt wurde dieser vom Immobilienbesitzer British Land, der das Vorhaben als „grundsätzlich unfair" bezeichnete. Nach mehreren Zugeständnissen von Modella zog British Land seinen Widerstand jedoch zurück. Richter Mr. Justice Hildyard hatte zu prüfen, ob die Gläubiger im Rahmen des Plans nicht schlechter gestellt würden als im Falle einer Insolvenzverwaltung – und gab grünes Licht.

Ziel: 302 Filialen und ein nachhaltiges Unternehmen

Der Restrukturierungsplan prognostiziert, dass TG Jones letztlich 302 Filialen behalten wird. Wie viele es tatsächlich werden, hängt davon ab, wie viele Vermieter von ihrem Kündigungsrecht Gebrauch machen, anstatt die reduzierten Mieten zu akzeptieren. Ein Teil der erzielten Kosteneinsparungen soll im Rahmen einer Turnaround-Strategie in die verbleibenden Filialen investiert werden.

CEO Alex Willson begrüßte die gerichtliche Entscheidung: „Diese Entscheidung ermöglicht es uns, unsere Turnaround-Strategie voranzutreiben. Der Plan schützt den wesentlichen Kern des Filialnetzes und macht TG Jones zu einem stärkeren, nachhaltigeren Unternehmen." Willson dankte zudem Modella Capital für das „anhaltende finanzielle Engagement" sowie allen Partnern und Stakeholdern, die sich konstruktiv in den Prozess eingebracht hätten.

Für den deutschen Beobachter zeigt der Fall TG Jones exemplarisch, wie stark der stationäre Einzelhandel in Großbritannien unter Druck steht. Steigende Betriebskosten, veränderte Konsumgewohnheiten und der Wettbewerb durch den Online-Handel machen klassischen High-Street-Händlern zunehmend zu schaffen – ein Trend, der auch in Deutschland nicht unbekannt ist.

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