Thames Water warnt vor Unsicherheit – Verstaatlichung rückt näher
Großbritanniens größtes Wasserunternehmen kämpft ums Überleben, während der künftige Premier Andy Burnham staatliche Kontrolle anstrebt.

Thames Water, Großbritanniens größtes Wasserunternehmen mit 16 Millionen Kunden, hat in seinem aktuellen Geschäftsbericht vor einer „erheblichen Unsicherheit" hinsichtlich seiner langfristigen Zukunft gewarnt. Zwar verfüge das Unternehmen über ausreichende Mittel für die nächsten 12 Monate, doch die Fähigkeit, genügend Liquidität für eine erfolgreiche Rekapitalisierung zu sichern, sei fraglich. Zum Stand Juni verfügt Thames Water nur noch über 588 Millionen Britische Pfund an Liquidität – ein Betrag, der laut Unternehmensangaben bis zum letzten Quartal 2026 reichen würde.
Die finanzielle Lage des Versorgers ist seit Jahren angespannt. Die Bruttoschulden des Unternehmens sind inzwischen auf über 19 Milliarden Britische Pfund angewachsen. Thames Water befindet sich derzeit unter der faktischen Kontrolle seiner Gläubiger, die bei der Branchenaufsichtsbehörde Ofwat eine Genehmigung für eine Übernahme anstreben.
Burnham plant Ankündigung zur Wasserwirtschaft
In diese angespannte Lage tritt der designierte Premierminister Andy Burnham, der am Montag sein Amt antreten soll. Burnham hatte bereits im vergangenen Monat erklärt, er sei an einer stärkeren staatlichen Beteiligung an Versorgungsunternehmen interessiert und fügte hinzu: „Ich würde sagen, im Fall von Thames Water ist dies der richtige Weg." Laut Kreisen, die mit der Situation vertraut sind, plant Burnham innerhalb weniger Wochen eine Ankündigung zur „Wasserwirtschaft". Sein Team lehnte es jedoch ab zu klären, ob sich diese konkret auf Thames Water bezieht.
Führungskräfte der Wasserwirtschaft gehen davon aus, dass Burnham die jahrelange Unsicherheit um Thames Water beenden könnte, indem er das Unternehmen rasch in ein sogenanntes Special Administration Regime (SAR) überführt – eine Form der vorübergehenden Verstaatlichung. Eine hochrangige Persönlichkeit aus der Branche kommentierte: „Ich denke, nachdem er dies versprochen hat, wird er innerhalb der Labour-Partei und der Gewerkschaften unter enormen Druck geraten, das Unternehmen in ein SAR zu zwingen, was der erste Schritt zur Verstaatlichung wäre. Es würde nach seiner Rhetorik seltsam aussehen, wenn er es nicht durchziehen würde."
Breite politische und gesellschaftliche Unterstützung
Der Druck auf Burnham kommt aus mehreren Richtungen. Die einflussreiche Gewerkschaft GMB gehört zu den lautesten Befürwortern einer schnellen staatlichen Übernahme. Gary Carter, nationaler Referent der GMB, erklärte: „Es ist klar, dass der freie Markt kein Platz für ein natürliches Monopol wie Wasser ist, und dieses katastrophale Experiment ist gescheitert."
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Zur AktienanalyseAuch aus anderen politischen Lagern kommt Unterstützung. Charlie Maynard, Abgeordneter der Liberal Democrats, forderte den neuen Premierminister auf, Thames Water in ein SAR zu überführen – dies sei der „perfekte Weg für Burnham zu demonstrieren, dass er sich für die Kunden einsetzen und echte Schritte zur Sanierung des Wassersektors unternehmen wird." Rückenwind erhält diese Position auch durch eine YouGov-Umfrage vom Anfang des Jahres, laut der mehr als 80 Prozent der britischen Bevölkerung das staatliche Eigentum an Versorgungsunternehmen befürworten.
Das Schicksal von Thames Water ist nicht nur eine britische Angelegenheit, sondern ein Lehrstück über die Grenzen der Privatisierung kritischer Infrastruktur. Für deutsche Beobachter, die die Debatte um die Privatisierung von Strom-, Gas- und Wasserversorgung kennen, bietet der Fall Thames Water ein warnendes Beispiel: Ein Unternehmen mit über 19 Milliarden Pfund Schulden, das jahrelang am Rande des Zusammenbruchs operierte, könnte nun nur durch staatliches Eingreifen gerettet werden.


