Third Point fordert Führungswechsel bei CoStar Group nach Milliarden-Fehlinvestition
Hedgefonds-Legende Dan Loeb greift den Immobilien-Datenkonzern scharf an und verlangt strategische Kehrtwende.

Der aktivistische Investor Dan Loeb verschärft seinen Kurs gegen die CoStar Group drastisch. Sein Hedgefonds Third Point fordert in einem Brief an den Aufsichtsrat den Austausch der Mehrheit der Direktoren und eine komplette strategische Neuausrichtung des auf Immobiliendaten spezialisierten Unternehmens. Im Zentrum der Kritik steht die gescheiterte 5-Milliarden-Dollar-Investition in das Wohnimmobilien-Portal Homes.com.
Die CoStar Group, ein führender Anbieter von Online-Immobilienmarktplätzen mit einem Börsenwert von 26 Milliarden Dollar, generiert 95 Prozent ihres Umsatzes mit profitablen Kerngeschäften wie CoStar Suite und Apartments.com. Diese Sparten zeichnen sich durch hohe Markteintrittsbarrieren, starke Preissetzungsmacht und wiederkehrende Umsätze aus. Doch seit der Übernahme von Homes.com im Mai 2021 hat das Unternehmen massiv an Börsenwert verloren.
Third Point wirft dem Management vor, mit der Expansion in den Wohnimmobilienmarkt eine "zutiefst fehlerhafte" Strategie zu verfolgen. Trotz Investitionen von 3 Milliarden Dollar in den US-Markt erzielte Homes.com 2024 lediglich 60 Millionen Dollar Umsatz. Für 2025 werden nur 80 Millionen Dollar erwartet. Das Portal steht in hartem Wettbewerb mit etablierten Konkurrenten wie Zillow und verfügt über keine klaren Wettbewerbsvorteile.
Dramatischer Kursverlust und verfehlte Ziele
Die Aktie der CoStar Group ist seit der Vereinbarung mit Third Point im vergangenen Jahr um 45 Prozentpunkte hinter dem S&P 500 zurückgeblieben. In den letzten fünf Jahren beträgt die Underperformance sogar 120 Prozentpunkte. Das Unternehmen musste 2025 die Abonnementpreise für Homes.com um über 30 Prozent senken, und das bereinigte EBITDA wird voraussichtlich um mehr als 65 Prozent sinken.
Besonders brisant: CEO Andrew Florance erhielt 2024 eine Gesamtvergütung von 37 Millionen Dollar und gehörte damit zu den Top-10-Prozent der bestbezahlten S&P-500-CEOs, während das Unternehmen zu den schlechtesten 10 Prozent der Performer zählte. Der Aufsichtsrat plant, künftig nur 25 Prozent der langfristigen Anreize an den Aktionärserfolg zu koppeln.
Third Point eskaliert nach enttäuschender Zusammenarbeit
Im vergangenen Jahr hatte Third Point gemeinsam mit D.E. Shaw eine Vereinbarung mit CoStar getroffen, die drei neue Direktoren in den Aufsichtsrat brachte und einen Kapitalallokationsausschuss einrichtete. Doch die erhofften Fortschritte blieben aus. Das Management trieb die RRE-Initiativen weiter voran, änderte wiederholt die Strategie und verfehlte selbst revidierte Ziele. Homes.com soll nun erst 2030 die Gewinnschwelle erreichen.
Nachdem die Stillhaltefrist am 27. Januar auslief, fordert Third Point nun einen radikalen Kurswechsel. Der Hedgefonds verlangt die Prüfung strategischer Alternativen für Homes.com und die Rückbesinnung auf das profitable Kerngeschäft mit Gewerbeimmobilien. Third Point plant, eine neue Liste von Aufsichtsratskandidaten zu nominieren.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseErhebliches Wertsteigerungspotenzial
Der aktivistische Investor sieht bei CoStar erhebliches ungenutztes Potenzial. Die CoStar Suite verfüge über "signifikante ungenutzte Preissetzungsmacht" mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis von nur 350 Dollar pro Monat, deutlich unter vergleichbaren Informationsdienstleistungen. Zudem bestünden Expansionsmöglichkeiten in angrenzende Märkte und die Entwicklung neuer KI-gestützter Produkte.
Dan Loeb gilt als einer der Pioniere des modernen Aktionärsaktivismus. Third Point hat in der Vergangenheit erfolgreich Aufsichtsratssitze bei Unternehmen wie Baxter und Disney erhalten, scheut aber auch nicht vor aggressiven Proxy-Kämpfen zurück, wenn Forderungen ignoriert werden.


