Thyssenkrupp kämpft mit Milliardenverlusten
Abschreibungen, sinkende Umsätze und neue Strategien für die Zukunft

Der Industriekonzern Thyssenkrupp hat im Geschäftsjahr 2023/24 erneut einen hohen Verlust verzeichnet. Nach Anteilen Dritter belief sich der Fehlbetrag auf 1,5 Milliarden Euro, eine leichte Verbesserung im Vergleich zu den 2,1 Milliarden Euro Verlust des Vorjahres. Hauptursache für die schlechten Ergebnisse waren massive Wertberichtigungen, insbesondere im schwächelnden Stahlgeschäft. Allein auf diesen Bereich schrieb der Konzern rund eine Milliarde Euro ab. Auch der Stahlhandel und das Automotive-Geschäft trugen mit weiteren Abschreibungen zu den roten Zahlen bei. Zusätzlich belasteten Restrukturierungskosten das Ergebnis.
Das Unternehmen führt den Verlust auf ein herausforderndes Marktumfeld zurück. CEO Miguel López sprach trotz der Schwierigkeiten von einem respektablen Ergebnis. Die gesenkte Prognose wurde erreicht, obwohl der Auftragseingang um elf Prozent auf 32,8 Milliarden Euro sank und der Umsatz um sieben Prozent auf 35 Milliarden Euro zurückging. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verringerte sich um knapp 20 Prozent auf 567 Millionen Euro.
Die Aktie des Konzerns hat über die vergangenen Jahre stark an Wert verloren und fiel im September 2024 auf ein Rekordtief von 2,77 Euro. Trotz der schwachen Zahlen beschloss Thyssenkrupp, eine Dividende von 15 Cent je Aktie auszuschütten. Für viele Aktionäre stellt dies jedoch nur eine geringe Entlastung dar, da der Wert der Aktie in einer Fünf-Jahres-Perspektive um mehr als 70 Prozent gesunken ist.
Für das neue Geschäftsjahr plant Thyssenkrupp eine Rückkehr in die Gewinnzone mit einem angestrebten Konzernergebnis zwischen 100 und 500 Millionen Euro. Dabei wird eine Stabilisierung der Geschäftsfelder Stahl, Handel und Automotive in der zweiten Jahreshälfte erwartet. Zudem soll die Ebit-Marge auf vier bis sechs Prozent steigen, nachdem sie im Vorjahr bei lediglich 1,6 Prozent lag.
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Zur AktienanalyseIm Stahlbereich arbeitet der Konzern weiterhin an einer Neuausrichtung. Der tschechische Investor Daniel Kretinsky, dessen Unternehmen EPCG bereits 20 Prozent des Stahlgeschäfts übernommen hat, plant, seinen Anteil auf 50 Prozent zu erhöhen. Ein gemeinsames Unternehmen wird angestrebt, vorbehaltlich der Klärung des Wertes der Sparte durch unabhängige Gutachten. Parallel prüft der Konzern, die Bereiche Steel Europe und Marine Systems durch einen Spin-off in die Eigenständigkeit zu überführen. Dies würde den Aktionären Aktien der neuen Einheiten direkt in ihre Depots einbuchen.


