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Thyssenkrupp stoppt Produktion von Elektroband

Importdruck aus Asien zwingt Stahlkonzern zu drastischen Schritten

Thyssenkrupp stoppt Produktion von Elektroband

Thyssenkrupp Steel Europe wird die Produktion des sogenannten kornorientierten Elektrobands vorerst einstellen. Das Unternehmen hat angekündigt, dass das Werk im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen bis zum Jahresende vollständig geschlossen wird. Auch am zweiten Produktionsstandort im französischen Isbergues soll es nach dem Herunterfahren der Anlagen zu deutlichen Einschränkungen kommen. Dort ist vorgesehen, über einen Zeitraum von vier Monaten lediglich mit halber Kapazität zu produzieren. Insgesamt sind an beiden Standorten rund 1200 Arbeitsplätze betroffen.

Als Begründung nennt der Stahlkonzern massiv gestiegene Niedrigpreisimporte aus Asien, insbesondere aus China, Japan und Südkorea. Diese hätten den europäischen Markt in einem Ausmaß erreicht, das eine wirtschaftliche Produktion derzeit nicht mehr zulasse. Nach Angaben des Unternehmens haben sich die Importmengen von Elektroband nach Europa seit dem Jahr 2022 verdreifacht. Im vergangenen Jahr entfiel demnach mehr als die Hälfte der importierten Mengen auf chinesische Hersteller.

Das kornorientierte Elektroband gilt als technologisch anspruchsvolles Produkt und spielt eine zentrale Rolle für die Energiewende. Es wird vor allem in Transformatoren eingesetzt, die für Umspannwerke und Windkraftanlagen benötigt werden. Thyssenkrupp zählt in diesem Segment zu den führenden Anbietern in Europa und verfügt über eine Kapazität von etwas mehr als 150.000 Tonnen pro Jahr. Der gesamte europäische Markt umfasst etwas mehr als 400.000 Tonnen jährlich und soll in den kommenden Jahrzehnten deutlich wachsen.

Im jüngsten Geschäftsbericht der Thyssenkrupp AG für das Geschäftsjahr 2024/2025 wurde ausgewiesen, dass die Versandmenge von Rohstahl im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent zurückgegangen ist. Lediglich höhere Volumina beim Elektroband und beim Verpackungsstahl hatten einen stärkeren Rückgang verhindert. Nach Unternehmensangaben habe sich die Wettbewerbssituation jedoch seit dem Sommer weiter verschärft, sodass es zuletzt zu einer erheblichen Unterauslastung der europäischen Produktionsanlagen gekommen sei.

Mit dem Produktionsstopp erhöht Thyssenkrupp den Druck auf die EU-Kommission, bestehende Handelsschutzinstrumente zu verschärfen. Für Elektroband gelten zwar Importmindestpreise, diese stammen jedoch aus dem vergangenen Jahrzehnt und werden vom Konzern als unzureichend bezeichnet. Gefordert werden neue und wirksamere Anti-Dumping-Maßnahmen. Das Anfang Oktober vorgestellte Maßnahmenpaket der EU für die Stahlbranche, das unter anderem höhere Zölle auf bestimmte Importmengen vorsieht, umfasst Elektroband bislang nicht.

Unabhängig von handelspolitischen Entscheidungen steht die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Produkts auch vor technologischen Herausforderungen. In Asien werden bereits dünnere Qualitäten hergestellt als die derzeit bei Thyssenkrupp produzierten 0,18 Millimeter. Um aufzuschließen, wären weitere Investitionen erforderlich. Ob diese erfolgen, ist offen und hängt auch vom Ausgang der laufenden Verhandlungen über einen möglichen Verkauf der Stahlsparte ab.

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