Treibstoffkrise: Britische Airlines dürfen Slots bei Flugstreichungen behalten
Großbritannien plant neue Notfallregeln: Airlines können Flüge Wochen im Voraus streichen, ohne wertvolle Start- und Landerechte zu verlieren.

Die britische Regierung hat Notfallpläne ausgearbeitet, die es Fluggesellschaften erlauben, Flüge mehrere Wochen im Voraus zu stornieren – ohne dabei ihre wertvollen Start- und Landerechte (Slots) an stark frequentierten Flughäfen wie London-Heathrow oder Gatwick zu verlieren. Hintergrund ist die drohende Treibstoffknappheit infolge der Sperrung der Straße von Hormus, die Kerosinlieferungen aus dem Nahen Osten blockiert. Großbritannien importiert unter normalen Umständen rund 65 Prozent des verbrauchten Kerosins, ein erheblicher Teil davon aus der Golfregion.
Experten warnen, dass Lieferunterbrechungen bereits innerhalb weniger Wochen zu Engpässen führen könnten. Die Internationale Energieagentur hat zudem gewarnt, dass Europa insgesamt bis Juni mit Versorgungsengpässen konfrontiert sein wird, sofern nicht ausreichend Treibstoff aus anderen Quellen beschafft werden kann. Die britische Regierung hat daher die vier heimischen Raffinerien aufgefordert, die Kerosinproduktion zu maximieren, und prüft gleichzeitig Möglichkeiten, Lieferungen aus den USA zu erhöhen.
Slot-Regelung als Kernstück des Notfallplans
Das Herzstück der neuen Maßnahmen ist eine Änderung der bestehenden Slot-Vergaberegeln. Nach den geltenden Airports Slot Allocation Regulations 2025 – die auf EU-Vorschriften basieren und in britisches Recht übernommen wurden – müssen Fluggesellschaften ihre zugewiesenen Slots mindestens 80 Prozent der Zeit nutzen, um sie im Folgejahr behalten zu dürfen. Andernfalls können Konkurrenten diese Slots übernehmen. Die begehrtesten Slots können beim Handel zwischen Fluggesellschaften einen Wert von mehreren zehn Millionen Pfund erreichen.
Diese Regelung hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Airlines halbleere Flugzeuge einsetzen, nur um ihre Slots nicht zu verlieren – ein Phänomen, das als „Ghost Flights" bekannt ist. Der neue Plan soll es den Fluggesellschaften nun ermöglichen, ungenutzte Slots vorübergehend zurückzugeben und dennoch das Recht zu behalten, diese im folgenden Jahr weiterhin zu nutzen. Ziel ist es, Flüge mindestens zwei Wochen im Voraus streichen zu können, um potenziellen Problemen proaktiv zu begegnen, anstatt erst kurzfristig zu reagieren.
Verkehrsministerin Heidi Alexander erklärte dazu: „Wir bereiten uns darauf vor, Familien langfristige Sicherheit zu geben und unnötige Störungen am Abfluggate in diesem Sommer zu vermeiden. Diese Gesetzgebung wird den Fluggesellschaften die Instrumente an die Hand geben, um ihre Flüge rechtzeitig anzupassen, falls dies erforderlich sein sollte, was zum Schutz von Passagieren und Unternehmen beiträgt."
Branche und Opposition reagieren
Airlines UK, der Verband der britischen Fluggesellschaften, begrüßte die Pläne. Geschäftsführer Tim Alderslade erklärte, der Plan erlaubeihnen, „unnötige Flüge zu vermeiden und so effizient wie möglich weiterzuarbeiten, während die Konnektivität für Passagiere und den Handel geschützt wird". Die Fluggesellschaften selbst geben derzeit an, keine akuten Probleme bei der Treibstoffversorgung zu haben – doch die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.
Der Schattenverkehrsminister Richard Holden übte hingegen Kritik und erklärte, die Pläne zeigten, dass Großbritannien „Risiken bei der Treibstoffversorgung ausgesetzt ist, mit denen ein Land mit einer ordnungsgemäßen Energiesicherheit nicht konfrontiert wäre". Die Umsetzung der neuen Regelung erfordert eine Gesetzgebung in Form einer Rechtsverordnung; eine kurze Konsultation findet in dieser Woche statt.
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Zur AktienanalyseZusätzlich prüft die Regierung, ob die US-amerikanische Treibstoffspezifikation Jet A in Großbritannien zugelassen werden könnte. Britische und europäische Fluggesellschaften sind bislang verpflichtet, Jet A1 zu verwenden, das einen niedrigeren Gefrierpunkt aufweist. Jet A könnte dazu beitragen, Engpässe zu reduzieren, doch hohe Nachfrage und infrastrukturelle Herausforderungen könnten dies erschweren.
Passagierrechte bei Flugstörungen
Für Reisende gilt: Nach geltendem britischen Recht haben Passagiere bei erheblichen Verspätungen oder Annullierungen Anspruch auf Unterstützung durch ihre Fluggesellschaft. Dazu zählen die Umbuchung auf einen anderen Flug oder eine vollständige Rückerstattung sowie sogenannte Betreuungsleistungen wie Verpflegung, Getränke und gegebenenfalls eine Übernachtungsmöglichkeit. Bei schwerwiegenden Störungen können Passagiere zudem Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung haben. Durch die neuen Regelungen hofft die Regierung, dass Streichungen künftig frühzeitig kommuniziert werden und Reisende mehr Zeit zur Umplanung erhalten.


