Trump Accounts: USA startet umstrittenes Sparprogramm für Kinder
Die USA führen ein neues Investitionsprogramm für Minderjährige ein – doch Experten zweifeln an der Wirksamkeit für einkommensschwache Familien.

Mit einem symbolträchtigen Akt wurde das neue Sparprogramm „Trump Accounts" diese Woche eingeläutet: Im Oval Office erklang erstmals die Eröffnungsglocke der Wall Street – ein historisches Ereignis, das die Einführung der neuen Konten für amerikanische Kinder feiern sollte. Das Programm steht ab sofort allen US-Kindern unter 18 Jahren mit gültiger Sozialversicherungsnummer offen. Babys, die zwischen 2025 und 2028 geboren werden, erhalten zudem ein staatliches Startkapital von 1.000 US-Dollar.
Das Weiße Haus bewirbt das Programm offensiv als Möglichkeit, Millionen von Kindern erstmals Zugang zum Aktienmarkt zu verschaffen. Laut Regierungsangaben war Aktienbesitz in den USA historisch gesehen „ungleich verteilt, wobei viele Haushalte – insbesondere jüngere und einkommensschwächere Familien – kaum oder gar keinen Zugang hatten". Die Initiative fällt in eine Zeit, in der die Lebenshaltungskosten vor den Zwischenwahlen im November ein zentrales politisches Thema bleiben.
Wie funktionieren die Trump Accounts?
Die nach dem Präsidenten benannten Konten können über eine App eingerichtet werden. Familien, Freunde und Arbeitgeber dürfen bis zu 5.000 US-Dollar pro Jahr und Kind einzahlen. Das Kapital wächst steuerfrei und wird gesetzlich vorgeschrieben in einen kostengünstigen Indexfonds investiert, der auf langfristiges Wachstum ausgelegt ist.
Mit Vollendung des 18. Lebensjahres kann das Kind auf das angesparte Guthaben zugreifen. Auszahlungen unterliegen jedoch der Besteuerung sowie einer möglichen Strafgebühr von 10 Prozent, wenn das Geld vor dem Alter von 59,5 Jahren entnommen wird. Um diese Strafe zu vermeiden, muss das Geld für bestimmte Zwecke eingesetzt werden – etwa für Hochschulbildung, den Kauf oder Bau des ersten Eigenheims oder für persönliche Notfallausgaben.
Laut einem Bericht des Kongresses handelt es sich bei den Trump Accounts um eine neue Form des traditionellen individuellen Rentenkontos (IRA). Sie ergänzen bestehende steuerbegünstigte Sparmodelle wie IRAs für die Altersvorsorge oder sogenannte 529-Pläne zur Finanzierung von Studiengebühren, unterscheiden sich von diesen jedoch durch spezifische Regelungen.
Geteilte Reaktionen aus Wirtschaft und Wissenschaft
Nicht alle Experten teilen den Optimismus des Weißen Hauses. Will McBride, Chefökonom der Denkfabrik Tax Foundation, kritisiert das Anmeldeverfahren als zu kompliziert. Er geht davon aus, dass letztlich nur eine „Minderheit profitiert" – nämlich Eltern, die „relativ gut informiert, relativ wohlhabend und relativ engagiert sind und ihre Angelegenheiten im Griff haben". Auch Steuerexperten, die gegenüber der BBC Stellung nahmen, warnen, dass einkommensschwächere Familien strukturell benachteiligt werden könnten.
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Zur AktienanalyseDifferenzierter fällt das Urteil von Andy Blocker aus, Leiter der Abteilung für Politik, Regulierung und Regierungsbeziehungen beim Finanzdienstleister Edward Jones. Er sieht im Startkapital von 1.000 US-Dollar für Neugeborene einen wichtigen Vorteil: Es beseitige die „Hürde, mit nichts anfangen zu müssen". „Wenn bis zum Jahresende mehr Familien einen klaren Einstieg finden, um für die finanzielle Zukunft ihrer Kinder zu sparen und zu investieren, dann ist das ein Erfolg", so Blocker.
Adam Michel, Direktor für steuerpolitische Studien am Cato Institute, bezeichnet die Grundidee des Programms als bewundernswert, äußert jedoch ebenfalls Vorbehalte gegenüber der konkreten Umsetzung. Ob die Trump Accounts tatsächlich breitere Bevölkerungsschichten erreichen oder vor allem bereits finanziell gut aufgestellten Familien zugutekommen, bleibt damit eine der zentralen offenen Fragen des neuen Programms.


