Trump als aktivistischer Investor: Wie Washington die US-Wirtschaft umformt
Die Trump-Administration greift tief in die US-Wirtschaft ein – mit Staatsbeteiligungen, Zinsobergrenzen und direktem Druck auf Unternehmenslenker.

Die USA erleben eine neue Form des Kapitalismus. Neben dem freien Marktkapitalismus und dem Staatskapitalismus etabliert sich unter Präsident Donald Trump eine dritte Variante: der sogenannte Trump-Kapitalismus. In den vergangenen Monaten hat der Präsident auf eine Weise in die US-Wirtschaft eingegriffen, die viele Unternehmenslenker als unorthodox und beunruhigend empfinden.
Das Spektrum der Eingriffe ist breit. Es reicht von Forderungen nach einer Deckelung der Kreditkartenzinsen – ein Ansatz, der eher aus progressiven politischen Kreisen bekannt ist – bis hin zu konkreten Vereinbarungen zur Sicherung von Staatsanteilen an Privatunternehmen. Damit bewegt sich die Trump-Administration in einem wirtschaftspolitischen Terrain, das bislang kaum einem republikanischen Präsidenten zugeschrieben wurde.
Vorbereitung auf das Oval Office
Besonders aufschlussreich ist, wie sich manche Konzernchefs auf Treffen mit Trump vorbereiten. Laut Lobbyisten, die an solchen Vorbereitungen beteiligt waren, üben einige Führungskräfte gezielt ein, wie sie mögliche Forderungen des Präsidenten nach einer Unternehmensbeteiligung abwehren können. Die Sorge, Trump könnte eine Staatsbeteiligung am eigenen Unternehmen einfordern, ist offenbar so real, dass sie konkrete Vorbereitung erfordert.
Doch nicht alle Unternehmenslenker stehen Trumps Interventionismus ablehnend gegenüber. Es gibt auch jene, die die Aufmerksamkeit des Präsidenten aktiv suchen und für eigene strategische Ziele nutzen wollen.
United Airlines sucht den Status als „nationaler Champion"
Ein prominentes Beispiel ist Scott Kirby, CEO von United Airlines. Laut Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind, wandte sich Kirby bei Treffen mit Trump und hochrangigen Regierungsvertretern im Weißen Haus mit einer konkreten Idee an den Präsidenten: Er warb dafür, United Airlines als „nationalen Champion" zu etablieren. Das Konzept des nationalen Champions – also eines staatlich geförderten oder bevorzugten Unternehmens, das eine Schlüsselrolle in einer strategischen Branche einnimmt – ist in Europa, etwa in Frankreich oder Deutschland, seit Jahrzehnten bekannt. In den USA galt es lange als wirtschaftspolitisches Fremdwort.
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Zur AktienanalyseFür deutsche Anleger und Beobachter ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Die Frage, wie weit staatlicher Einfluss auf privatwirtschaftliche Unternehmen reichen darf, ist in Deutschland durch die Erfahrungen mit Staatsbeteiligungen – etwa bei der Lufthansa oder der Deutschen Bank in Krisenzeiten – gut bekannt. Dass nun auch die USA, traditionell ein Hort des freien Marktes, in diese Richtung tendieren, markiert eine bemerkenswerte Verschiebung im globalen wirtschaftspolitischen Gefüge.
Die Entwicklungen zeigen: Unter Trump verschwimmen die Grenzen zwischen Staat und Markt zunehmend. Ob dies langfristig Investitionssicherheit schafft oder untergräbt, bleibt eine der zentralen Fragen für Unternehmen und Anleger weltweit.


