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Trump droht mit Medikamentenzöllen für Europa

US-Investitionen sollen Abhängigkeiten verringern, Versorgungslücken und Kosten steigen dennoch weltweit

 Trump droht mit Medikamentenzöllen für Europa

US-Präsident Donald Trump droht mit der Einführung von Zöllen auf Medikamente, was in der Pharmabranche für große Verunsicherung sorgt. Unternehmen wie Roche und Novartis haben angekündigt, in den kommenden fünf Jahren jeweils zweistellige Milliardensummen in den USA zu investieren. Ziel ist es, einer möglichen Eskalation im Handelskonflikt zuvorzukommen und zugleich den Forderungen der US-Regierung nach einer stärkeren heimischen Produktion entgegenzukommen. Claus Michelsen, Chefvolkswirt des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), sieht hierin einen möglichen Weg, um Strafzölle noch abzuwenden, warnt jedoch vor den Herausforderungen für europäische Unternehmen.

Derzeit untersucht das US-Handelsministerium, ob die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten durch die hohe Abhängigkeit von Medikamentenimporten gefährdet ist. Viele Pharmaunternehmen haben im Zuge dieser Prüfung bereits offizielle Schreiben aus Washington erhalten. Laut Michelsen könnte die Untersuchung zügiger als die vorgesehenen 270 Tage abgeschlossen werden. Nach Abschluss hätte der Präsident drei Monate Zeit, um Maßnahmen zu ergreifen. Bereits in der Vergangenheit hat Trump in ähnlichen Fällen wie bei Stahl oder Automobilen hohe Zölle verhängt.

Die Vorstellung, dass Medikamente mit Zöllen belegt werden, ist für viele Unternehmen ein Novum. Arzneimittel galten bislang als sensible Güter und waren selbst in geopolitischen Krisen wie dem Krieg in der Ukraine weitgehend von Handelsbeschränkungen ausgenommen. Innerhalb des VFA sei die Stimmung daher angespannt, so Michelsen. Vor allem Firmen mit Produktionsstandorten in Europa sehen sich vor erhebliche Probleme gestellt. Ein Viertel aller deutschen Pharmaexporte geht in die USA. Zölle könnten diese Importe erheblich verteuern, was entweder zu Umsatzeinbußen oder Margenverlusten führe. Im Extremfall könnte sich der Export für manche Unternehmen nicht mehr lohnen.

Auch die USA selbst wären von möglichen Engpässen betroffen. Ein erheblicher Teil an Impfstoffen, Insulin, Antibiotika sowie bestimmten Blutprodukten stammt aus Europa. Diese Substanzen sind für die Herstellung von Krebsmedikamenten sowie Zell- und Gentherapien essenziell. Sollte es zu Handelsbarrieren kommen, könnte dies die Versorgungslage in den USA verschlechtern. Umgekehrt ist Europa ebenfalls auf pharmazeutische Vorprodukte aus den Vereinigten Staaten angewiesen, was die wechselseitige Abhängigkeit unterstreicht.

Michelsen hält eine Zollhöhe von bis zu 25 Prozent für möglich. Für Europa hätte dies nicht nur wirtschaftliche Folgen. Es bestünde zudem die Gefahr, dass günstige Standardmedikamente aus China verstärkt nach Europa gelangten, wodurch sich die Abhängigkeit von chinesischen Lieferanten weiter erhöhen könnte.

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