Trump greift Pharmaindustrie mit Dekret an
US-Präsident fordert globale Preisangleichung und droht mit weiteren Maßnahmen gegen Konzerne und Staaten

US-Präsident Donald Trump hat einen Präsidialerlass unterzeichnet, um die hohen Medikamentenpreise in den Vereinigten Staaten zu senken. Er wirft Pharmakonzernen vor, ihre Produkte im Ausland stark zu rabattieren und diese Verluste durch überhöhte Preise auf dem US-Markt auszugleichen. Besonders kritisierte Trump europäische Staaten, denen er vorhielt, sich in Preisverhandlungen „unverschämter als China“ zu verhalten. Amerikanische Patienten hätten durch überhöhte Preise soziale Gesundheitssysteme in Europa mitfinanziert.
Zentrales Element des Dekrets ist das Prinzip der „Most Favored Nation“. Danach sollen die USA für bestimmte Medikamente nicht mehr zahlen als das Land mit dem niedrigsten weltweiten Preis – unabhängig von Marktgröße oder Wirtschaftskraft. Zudem soll das US-Gesundheitsministerium neue Preise mit der Industrie aushandeln. Dieses Ministerium ist für das staatliche Medicare-Programm zuständig, das rund 70 Millionen ältere Menschen in den USA versorgt.
Das Dekret bezieht weitere Behörden in die Umsetzung mit ein. Das Handelsministerium soll gegen Preismechanismen anderer Länder vorgehen, etwa staatlich festgelegte Höchstpreise. Die Arzneimittelbehörde FDA soll prüfen, ob Importe aus weiteren Industrieländern zugelassen werden können. Auch Direktverkäufe an Verbraucher und mögliche Exportbeschränkungen stehen zur Diskussion.
Innerhalb von 30 Tagen sollen konkrete Zielvorgaben für Preissenkungen festgelegt werden. Die Regierung will auf dieser Basis Verhandlungen mit der Pharmabranche aufnehmen. Sollte es keine Einigung geben, sind weitere Maßnahmen geplant. Besonders im Fokus stehen Medikamente mit großen Preisunterschieden zwischen den USA und dem Ausland. Eine Einschränkung auf bestimmte Produktgruppen ist derzeit nicht vorgesehen.
Die Ankündigung erhöht den Druck auf die globale Pharmaindustrie. Einer Analyse zufolge könnten sinkende Einnahmen in den USA dazu führen, dass Unternehmen versuchen, in anderen Ländern wie Deutschland höhere Preise durchzusetzen. Auch ein verzögerter oder ausbleibender Markteintritt in Europa wird als mögliche Folge genannt. Unternehmen möchten so verhindern, dass niedrige Referenzpreise in Europa auf den US-Markt durchschlagen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseIn der Branche bestehen zudem Sorgen vor US-Zöllen auf europäische Medikamente. Die USA sind für Deutschland der wichtigste Exportmarkt in diesem Sektor. 2024 entfielen fast 24 Prozent der deutschen Pharmaexporte auf die Vereinigten Staaten. Eine Einführung von Zöllen könnte die Branche, ihre Forschungsaktivitäten und die Versorgungslage belasten.


