Trump versteigert Ölbohrrechte im Naturschutzgebiet ANWR Alaska
Die US-Regierung bietet 60 Parzellen auf 689.000 Acres im Arctic National Wildlife Refuge zur Versteigerung an Energieunternehmen an.

Die Trump-Administration führt eine Versteigerung von Öl- und Gas-Leasingrechten im Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) in Alaska durch. Betroffen sind 689.000 Acres (rund 278.800 Hektar) eines der abgelegensten und unberührtesten Lebensräume Nordamerikas – Heimat von Eisbären, Karibus und zahlreichen Zugvogelarten. Das U.S. Bureau of Land Management, eine Behörde des Innenministeriums, bot insgesamt 60 Parzellen im Schutzgebiet zur Versteigerung an.
Die Gebote mussten bis zum 3. Juni eingereicht werden und wurden am Freitag um 10:00 Uhr Ortszeit (18:00 Uhr GMT) per Livestream geöffnet und verlesen. Der Verkauf ist die erste von insgesamt vier im ANWR vorgeschriebenen Auktionen im Rahmen des sogenannten „One Big Beautiful Bill Act", den Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr unterzeichnet hat. Die Maßnahme steht im Einklang mit Trumps erklärtem Ziel, die heimische Energieentwicklung der USA massiv auszuweiten.
Milliardenpotenzial, aber kaum Industrie-Interesse
Das 19 Millionen Acres große Naturschutzgebiet gilt als geologisch bedeutsam: Laut dem U.S. Geological Survey lagern dort schätzungsweise bis zu 11,8 Milliarden Barrel technisch gewinnbares Öl. Dennoch haben Öl- und Gasunternehmen bisher wenig Interesse an dem Küstengebiet entlang der Beaufortsee gezeigt. Der Grund: Bohrungen im ANWR gelten als hochriskantes Unterfangen, das jahrzehntelange Arbeit und Investitionen in Milliardenhöhe erfordert.
Die Skepsis der Industrie hat historische Vorläufer. Bereits bei der ersten Auktion in der Region im Jahr 2021 gab es nur wenige Interessenten. Im Januar 2025 erhielt die Biden-Administration sogar überhaupt keine Gebote von Energieunternehmen, als sie 400.000 Acres des Schutzgebiets anbot. Die US-Ölproduktion befindet sich derzeit aufgrund von Bohrungen in leichter zugänglichen Gebieten wie Texas und New Mexico bereits auf Rekordniveau – viele Unternehmen bevorzugen es, Kapital an Aktionäre zurückzugeben, statt in teure Neuprojekte zu investieren.
Im Gegensatz zur benachbarten National Petroleum Reserve (NPR-A), wo Ölunternehmen Anfang dieses Jahres 163 Millionen US-Dollar für neue Lizenzen ausgaben und eine LNG-Anlage in Entwicklung ist, verfügt das ANWR über keinerlei Straßen, Anlagen oder sonstige Infrastruktur. Derzeit ist einzig die staatliche Alaska Industrial Development and Export Authority mit sechs Parzellen Inhaberin von Öl- und Gaslizenzen im ANWR – ohne dass bislang eine Erschließung stattgefunden hätte.
Indigene Völker gespalten – Unterstützung und Widerstand
Das ANWR ist die traditionelle Heimat der Völker der Iñupiat und Gwich'in, die in der Frage der Öl- und Gaserschließung tief gespalten sind. Nagruk Harcharek, CEO von Voice of the Arctic Iñupiat, äußerte sich unterstützend: „Wenn es richtig gemacht wird, in Absprache mit den indigenen Hütern dieser Ländereien, hat sich die Erschließung als eine Kraft zum Guten für unsere Region erwiesen."
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Zur AktienanalyseDeutlich kritischer äußerte sich Kristen Moreland, Geschäftsführerin des Gwich'in Steering Committee: „Manche Orte sind zu wichtig, um sie zu opfern. Bei der morgigen Versteigerung geht es um viel mehr als um Wirtschaft oder Entwicklung. Es geht darum, ob unsere Stimmen, unsere Kultur und unsere Lebensweise zählen."
Die Auktion wird auch von Vertretern des Bundesstaates Alaska sowie einigen indigenen Gruppen befürwortet, die sich von den Bohrungen die Schaffung von Arbeitsplätzen und eine Umkehr der rückläufigen Ölproduktion Alaskas erhoffen. Das American Petroleum Institute betonte in einer Stellungnahme: „Alaskas Ressourcen sind der Schlüssel zur Energiesicherheit Amerikas, und wir erwarten weiterhin Investitionen im gesamten Bundesstaat."


