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Trump-Zölle: Ein Jahr später kämpfen viele Branchen noch immer

Einzelhandel, Automobil und Konsumgüter spüren die Folgen von Trumps „Tag der Befreiung" – mit Milliardenkosten und neuer Lieferketten-Realität.

Ein Jahr nach dem sogenannten „Tag der Befreiung" von Präsident Donald Trump sind die wirtschaftlichen Nachwirkungen der US-Zollpolitik in zahlreichen Branchen noch deutlich spürbar. Am 2. April 2025 hatte Trump im Rosengarten des Weißen Hauses umfassende länderspezifische Zölle sowie eine Basisabgabe von 10 % auf alle nicht explizit aufgeführten Länder verkündet. Was folgte, war eine Welle wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit, die globale Lieferketten bis heute verändert.

Die Zollpolitik der Trump-Regierung war dabei alles andere als stabil. In den Monaten nach der Ankündigung schwankten die Abgaben erheblich – Trump schloss Abkommen, nahm extreme Zölle zurück und führte neue ein. Am 20. Februar entschied der Supreme Court, dass die länderspezifischen „reziproken" Zölle unter dem International Emergency Economic Powers Act von 1977 (IEEPA) verfassungswidrig seien. Nur Stunden später kündigte Trump jedoch einen neuen „globalen Zollsatz" von 10 % auf Basis einer anderen Rechtsgrundlage an – Abschnitt 122 des Trade Act von 1974 – und erhöhte diesen später auf 15 %. Zölle nach Abschnitt 232 des Trade Expansion Act von 1962, die nationale Sicherheitsinteressen schützen sollen und vor allem Stahl, Aluminium und Halbleiter betreffen, blieben weiterhin in Kraft.

Trotz aller Turbulenzen stiegen die US-Gesamtimporte im Jahr 2025 laut Branchenexperten sogar an – vor allem weil viele Unternehmen in den ersten Monaten des Jahres Lagerbestände vorzogen, um drohenden Zollkosten zuvorzukommen. „Das vergangene Jahr der Zölle hat die Arbeitsweise von US-Unternehmen kulturell verändert", so die Einschätzung von Branchenbeobachter Ramesh.

Einzelhandel: Große Konzerne überleben, kleine geraten unter Druck

Der Einzelhandel gehört zu den Sektoren, die überproportional stark von den Zöllen betroffen sind. Große Ketten wie Walmart verfügen über ausreichend Verhandlungsmacht und Einnahmequellen, um die Belastungen abzufedern. Kleinere Unternehmen hingegen geraten zunehmend unter Druck. Home-Depot-Finanzchef Richard McPhail erklärte gegenüber CNBC Ende Februar, dass das Unternehmen den Anteil eines einzelnen Landes an seinen Einkäufen auf maximal 10 % begrenzen wolle – mehr als die Hälfte der verkauften Waren stammt bereits aus den USA.

Einzelhändler wie Walmart, Best Buy und Macy's haben inzwischen die Preise für ausgewählte Artikel erhöht, um gestiegene Importkosten weiterzugeben. „Die Lieferkette im Einzelhandel war im vergangenen Jahr gezwungen, agiler zu werden", sagte Max Kahn, Präsident von Coresight Research. Bekleidungsunternehmen wie Abercrombie & Fitch bezogen die neuen 15-%-Zölle explizit in ihre Jahresprognose ein und schufen damit als einer der ersten Einzelhändler Klarheit. American Eagle Outfitters hingegen basierte seinen Ausblick noch auf den alten IEEPA-Zöllen. Dollar Tree erwartet keine signifikanten Einsparungen durch das Supreme-Court-Urteil, da das Unternehmen Zölle auf seinen aktuellen Lagerbestand bereits bezahlt hatte.

Automobilindustrie: Milliardenschwere Zusatzkosten

Besonders hart traf es die Automobilindustrie. Toyota prognostizierte für sein Geschäftsjahr eine Zollbelastung von 1,4 Billionen Yen – umgerechnet rund 9,5 Milliarden US-Dollar. Die drei großen Detroiter Hersteller General Motors, Ford und Stellantis (Mutterkonzern von Chrysler) mussten im vergangenen Jahr zusammen rund 6 Milliarden US-Dollar an Mehrkosten verkraften.

Allein General Motors zahlte 2025 zollbedingte Zusatzkosten von 3,1 Milliarden US-Dollar – weniger als die ursprünglich befürchteten 3,5 bis 4,5 Milliarden Dollar, auch weil die Trump-Regierung das sogenannte „De-Stacking" einführte: Unternehmen müssen keine sich überschneidenden Abgaben für Teile und fertige Fahrzeuge gleichzeitig zahlen. Ford erklärte gegenüber CNBC, man arbeite weiterhin mit der Trump-Regierung an einer Politik, die „einen starken und weltweit wettbewerbsfähigen US-Automobilsektor fördert". Japanische Hersteller wie Toyota, Nissan und Honda kündigten an, ihre Produktion in den USA auszuweiten und Fahrzeuge von dort nach Japan zu exportieren – auch um politischen Goodwill zu gewinnen.

Konsumgüter: Kaum Ausweichoptionen bei Rohstoffen

Die Konsumgüterbranche steht vor einem anderen Problem: Die meisten Hersteller produzieren zwar in den USA, sind aber auf importierte Rohstoffe angewiesen – etwa Zellstoff für Windeln und Toilettenpapier oder Aluminium für Getränkedosen. Lieferketten-Umleitung ist hier kaum möglich.

Gewürzhersteller McCormick warnte Anleger zunächst vor Zollkosten von 70 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025. Durch Kostensenkungen, Preiserhöhungen und den Wechsel zu Lieferanten aus Ländern mit niedrigeren Zöllen gelang es dem Unternehmen jedoch, die Belastung auf rund 20 Millionen Dollar zu begrenzen. Procter & Gamble musste die Preise für 25 % seiner Produkte anheben – unter anderem wegen einer jährlichen Zollbelastung von insgesamt 1 Milliarde US-Dollar. Auch Bierbrauer Constellation Brands meldete spürbare Auswirkungen auf sein Geschäft.

Insgesamt zeigt das erste Jahr der Trump-Zölle: Die Branchenrealität hat sich dauerhaft verändert. Unternehmen investieren verstärkt in Szenariomodellierungen, diversifizieren ihre Lieferketten und kalkulieren Zölle als feste Größe in ihre Planungen ein. Die Unsicherheit bleibt – und mit ihr die Herausforderung, langfristige Entscheidungen in einem politisch volatilen Umfeld zu treffen.

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