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Türkei verändert ihren Gasmarkt grundlegend

Eigene Förderung und US-LNG schwächen Position Russlands und Irans in Europa

Türkei verändert ihren Gasmarkt grundlegend

Die Türkei verändert ihren Gasmarkt grundlegend und könnte bereits bis Ende 2028 mehr als die Hälfte ihres Bedarfs aus eigener Produktion und aus Importen von Flüssigerdgas aus den USA decken. Damit schrumpft einer der letzten großen europäischen Absatzmärkte für russische und iranische Gaslieferanten erheblich. Diese Entwicklung folgt auch dem Druck aus Washington, das NATO-Verbündete dazu drängt, ihre Energiebeziehungen zu Moskau und Teheran zu lockern. Bei einem Treffen im Weißen Haus am 25. September hatte US-Präsident Donald Trump den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufgefordert, russische Energieimporte zurückzufahren.

Die Regierung in Ankara verfolgt mit dieser Strategie das Ziel, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und sich als regionales Gasdrehkreuz zu etablieren. Geplant ist, importiertes Flüssigerdgas und selbst gefördertes Gas nach Europa weiterzuverkaufen, während russisches und iranisches Gas im Inland verbraucht wird. Fachleute verweisen darauf, dass die Türkei von der weltweit wachsenden Verfügbarkeit von LNG profitieren möchte.

Russland ist nach wie vor wichtigster Gaslieferant für die Türkei, doch der Marktanteil ist deutlich gesunken – von mehr als 60 Prozent vor zwanzig Jahren auf 37 Prozent im ersten Halbjahr 2025. Viele europäische Staaten hatten nach dem Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 ihre Importe aus Russland gestoppt. Zugleich laufen mehrere langfristige Pipelineverträge aus: Die Vereinbarungen über Lieferungen von 22 Milliarden Kubikmetern jährlich über die Leitungen Blue Stream und TurkStream nähern sich dem Ende. Irans Vertrag über zehn Milliarden Kubikmeter endet Mitte des kommenden Jahres. Die Lieferverträge mit Aserbaidschan laufen hingegen noch bis 2030 beziehungsweise 2033.

Die Türkei dürfte einige dieser Abkommen verlängern, will jedoch flexiblere Bedingungen und geringere Mengen, um die Herkunft ihrer Energiequellen stärker zu diversifizieren. Parallel dazu werden alternative Bezugsquellen zügig ausgebaut. Der staatliche Konzern TPAO steigert die heimische Gasförderung, und die LNG-Terminals wurden erweitert, um mehr Lieferungen aus den USA und Algerien aufzunehmen. Nach Berechnungen von Reuters werden heimische Förderung und LNG-Importe ab 2028 jährlich über 26 Milliarden Kubikmeter erreichen, gegenüber derzeit 15 Milliarden.

Das Land hat Verträge im Wert von 43 Milliarden Dollar mit US-LNG-Anbietern abgeschlossen, darunter eine 20-jährige Vereinbarung mit Mercuria. Die Importkapazität für Flüssigerdgas liegt inzwischen bei 58 Milliarden Kubikmetern jährlich, was theoretisch den gesamten Bedarf decken könnte. Damit würde sich der Importbedarf über Pipelines auf rund 26 Milliarden Kubikmeter verringern – deutlich weniger als die aktuell vertraglich vereinbarten 41 Milliarden aus Russland, Iran und Aserbaidschan.

Russisches Gas fließt jedoch weiterhin in vollem Umfang, da es preislich konkurrenzfähig ist. Experten gehen davon aus, dass die Türkei Importe aus Moskau nicht vollständig einstellen wird, auch wenn sie dies in zwei bis drei Jahren technisch könnte. Ankara setzt auf eine breite Lieferantenbasis, verweist aber zugleich auf günstigere Preise bei US-LNG. Bereits jetzt hat der staatliche Versorger BOTAS Verträge zur Belieferung Ungarns und Rumäniens abgeschlossen, um die Rolle der Türkei als regionaler Gasumschlagplatz auszubauen.

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