Tui Q3: Irankrieg drückt Gewinn deutlich unter Erwartungen
Der Reisekonzern Tui verfehlt im dritten Quartal die Analystenprognosen – der Irankrieg kostet rund 60 Millionen Euro Gewinn.

Der Reisekonzern Tui hat im dritten Quartal seines Geschäftsjahres (April bis Juni) einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Das bereinigte Betriebsergebnis fiel um 27 Prozent auf 234 Millionen Euro – weit unter den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit 275 Millionen Euro gerechnet hatten. Auch der Umsatz enttäuschte: Statt der prognostizierten 5,98 Milliarden Euro erzielte Tui lediglich 5,8 Milliarden Euro.
Hauptverantwortlich für die schwachen Zahlen ist der seit Ende Februar andauernde Irankrieg. Dieser brockte dem MDax-Konzern nach eigenen Angaben rund 60 Millionen Euro Gewinnausfall ein. Allein zwei Kreuzfahrtschiffe, die wochenlang im Persischen Golf vor Anker liegen mussten, kosteten den Konzern 20 Millionen Euro. Hinzu kamen Ausgaben für die Rückholung gestrandeter Urlauber aus dem Nahen Osten sowie gestiegene Kerosinkosten – obwohl Tui sich dagegen größtenteils mit Termingeschäften abgesichert hatte.
Im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz reagierten Anleger mit Verkäufen: Die Tui-Aktie verlor 2,2 Prozent. Seit Ausbruch des Irankrieges haben die Papiere bereits rund zwölf Prozent an Wert eingebüßt.
Kurzfristigere Buchungen, schwächere Nachfrage
Tui-Chef Sebastian Ebel beschreibt das aktuelle Marktumfeld offen: „2026 ist kein normales Jahr." Kriege, geopolitische Unsicherheiten, Konsumflaute und gestiegene Inflation bremsten die Reiselust der Verbraucher. Die Nachfrage sei zwar grundsätzlich vorhanden, werde aber zunehmend kurzfristiger abgerufen. „Die Nachfrage bleibt auch in geopolitischen Krisenphasen bestehen – wird jedoch kurzfristiger", so Ebel.
Konkret bedeutet das: Mehr Last-Minute-Buchungen zu niedrigeren Preisen. Um die Marge zu schützen, reduzierte Tui das Angebot gezielt um fünf Prozent. Die Kundenzahl sank im Berichtszeitraum um 3,3 Prozent auf 9,9 Millionen. Besonders betroffen waren Reiseziele im östlichen Mittelmeer – Türkei, Zypern und Ägypten – sowie das Fernreisegeschäft nach Asien und in den Nahen Osten, die wegen der Nähe zur Kriegsregion weniger gefragt waren.
Positiv: In den vergangenen Wochen zogen die Buchungen wieder an. „Wir sehen eine sehr starke Normalisierung des Geschäftes", betonte Ebel. Auch bei den betroffenen Mittelmeerzielen beobachtet Tui zuletzt eine Erholung.
Kein Kerosinmangel in Sicht
Ein weiteres Thema, das Anleger und Verbraucher im Frühjahr verunsichert hatte, scheint sich zu entspannen: die Sorge vor einem Kerosinmangel durch ausbleibende Öllieferungen aus dem Golf. Ebel zufolge zeichnet sich nicht ab, dass Flugzeuge wegen fehlenden Treibstoffs am Boden bleiben müssen. Die Treibstoffversorgung gilt als eine der Grundvoraussetzungen für die bekräftigte Jahresprognose.
Der europäische Tourismus kämpft in diesem Sommer zusätzlich mit Hitzewellen und Waldbränden in Spanien, Frankreich, Portugal und Griechenland. Auf das Tui-Geschäft hatten diese Ereignisse jedoch keinen spürbaren Einfluss – traditionelle Pauschalreiseziele blieben weitgehend verschont.
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Zur AktienanalyseJahresprognose bestätigt – mit Vorbehalt
Tui hält an der im April bereits gesenkten Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr (bis Ende September) fest. Das operative Ergebnis soll maximal auf dem Vorjahresniveau von 1,4 Milliarden Euro liegen, könnte aber auch auf 1,1 Milliarden Euro sinken – vorausgesetzt, die geopolitischen Spannungen verschärfen sich nicht weiter und die Treibstoffversorgung bleibt gesichert. Den Großteil des Jahresgewinns fährt Tui traditionell im laufenden Sommerquartal ein.
Nach neun Monaten steht ein Gewinn von 118 Millionen Euro zu Buche. Damit verzeichnet Tui das dritte Jahr in Folge ein positives Ergebnis nach drei Quartalen – ein Zeichen der operativen Stabilität trotz eines außergewöhnlich schwierigen Umfelds.


