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Türken sollen Gold in Lira wechseln

Ankara hofft auf 25 Mrd. $ des verborgenen Metalls

Türken sollen Gold in Lira wechseln

Es ist nicht weniger als ein Appell, das Nureddin Nebati, Finanzminister des Landes, bei einem Besuch in London an sein Volk richtet. Abgesehen hat er es auf die schätzungsweise 250 Milliarden Dollar, das die Bürger der Türkei in ihren Häusern horten – in Form von Gold. Würden sie nur ein Zehntel davon in Lira tauschen, könnte der freie Fall der Währung gestoppt werden. 2021 hat die Lira 44 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar verloren.

Als Ansporn wird die Türkei kommende Woche eine Initiative ausweiten, die auf einem breiteren Paket von bereits im Dezember präsentierten Notfallmaßnahmen aufbaut. Laut Nebati werden dabei die 30.000 Goldläden eine zentrale Rolle spielen: Die Regierung habe Verträge mit fünf Goldraffinerien unterzeichnet, um die im Rahmen des Programms abgegebenen Schmuckstücke in Goldbarren umzuwandeln, die zu den Zentralbankreserven des Landes beitragen würden.

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu zitierte Nebati mit den Worten, dass bald neue Maßnahmen angekündigt würden, um „Gold unter der Matratze in das [Finanz-]System zu bringen“.

Als traditionelles Geschenk zu Hochzeiten und Geburten ist Gold seit langem ein bevorzugtes Mittel für Türken, die dem Bankensystem – und der Inflation in ihrem Land – misstrauen, um ihr Vermögen zu schützen. Türkische Beamte sehen dies jedoch als Teil eines umfassenderen Problems der „Dollarisierung“, sprich: der Abwanderung in ausländische Währungen und Edelmetalle, die die türkische Lira immer wieder unter Druck setzt.

Die neuen Einlagensysteme hatten zwar einen gewissen Erfolg und zogen insgesamt etwa 23 Mrd. USD an, doch sind Analysten skeptisch, dass sie eine dauerhafte Lösung für das Misstrauen gegenüber der Lira bieten werden. Die Türkei hat negative Realzinsen von fast 35 Prozent, wenn man die türkische Inflationsrate von 48,7 Prozent im Januar mit einbezieht.

Nebati schlug bei einer Reihe von Treffen in London einen optimistischen Ton an, um ausländische Investoren zurückzugewinnen, die in den letzten Jahren aus türkischen Aktien und Anleihen geflohen sind. Er verteidigte die Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan, die Zinssätze weit unter der Inflation zu halten, und sagte voraus, dass die Inflation Ende dieses Jahres stark zurückgehen werde. Während sich manche Teilnehmer dieser Treffen positiv zu den Plänen des Finanzministers äußerten, warnten andere, dass die Bemühungen der Regierung, die Lira mit Hilfe von Mikromanagementinstrumenten wie dem Einlagensicherungssystem und nicht mit orthodoxen ökonomischen Methoden stabil zu halten, letztendlich nach hinten losgehen würden.

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