UBS: Gold vor kurzfristigem Gegenwind, aber Höchststände in Sicht
Hartnäckige Inflation und steigende Realrenditen belasten Gold – doch UBS sieht das Edelmetall langfristig bei 5.500 Dollar je Unze.

Die mehrmonatige Goldrallye hat einen Dämpfer erhalten. Makroökonomischer Druck im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten sowie hartnäckigere Inflationsdaten haben die Erwartungen an die US-Geldpolitik neu kalibriert. Anleger gehen nun verstärkt davon aus, dass die Federal Reserve die Zinsen länger auf einem hohen Niveau belassen wird – das sogenannte „Higher-for-longer"-Szenario.
Höhere Realrenditen erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten von Gold, das selbst keine Zinsen abwirft. Michael Bolliger, Chief Investment Officer von UBS Switzerland, erläuterte dies in einer aktuellen Mitteilung an Kunden: „Höhere Realrenditen haben den Goldpreis in den letzten Monaten belastet, aber dieser Gegenwind dürfte nachlassen, wenn die Fed im weiteren Jahresverlauf wieder mit Zinssenkungen beginnt." Die aktuelle Preiskorrektur verdeutlicht damit, wie empfindlich Rohstoffe auf unmittelbare Änderungen der Kreditkosten reagieren.
Langfristiges Kursziel: 5.500 Dollar je Unze
Sollten sich die makroökonomischen Bedingungen abschwächen und den Währungshütern einen Schwenk hin zu einer akkommodierenderen Geldpolitik ermöglichen, erwartet Bolliger eine signifikante strukturelle Erholung beim Goldpreis. Im Basisszenario der UBS soll das Edelmetall bis Ende 2026 auf 5.500 Dollar je Unze steigen – ein ambitioniertes, aber aus Sicht der Schweizer Großbank fundamental begründetes Ziel.
Ein wichtiger Stabilisierungsfaktor für den aktuellen Goldpreis ist die starke institutionelle Nachfrage. Zentralbanken weltweit kauften im ersten Quartal 2026 schätzungsweise 244 Tonnen Gold. Damit liegen die staatlichen Käufe auf Kurs, den vierthöchsten Jahreswert seit 1950 zu erreichen. Diese institutionellen Großkäufer orientieren sich dabei nicht an kurzfristigen Preisbewegungen, sondern an langfristigen makroökonomischen Paradigmen.
Zentralbanken als strukturelle Stütze
Laut der UBS-Research-Note bauen staatliche Reservemanager ihre Goldbestände stetig aus, weil das Metall „kein Gegenparteirisiko birgt" und angesichts zunehmender internationaler Spannungen als „politisch neutral angesehen wird". Diese Eigenschaft macht Gold besonders attraktiv in einem geopolitisch unsicheren Umfeld, in dem Abhängigkeiten von einzelnen Währungen oder Staaten zunehmend kritisch bewertet werden.
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Zur AktienanalyseVerstärkt wird dieser strukturelle Wandel durch wachsende Sorgen um die westliche Fiskalpolitik und ausufernde Staatsdefizite. Sollten traditionelle Rentenportfolios künftig eine weniger verlässliche Diversifizierung gegen Aktienschwankungen bieten, dürften Sachwerte wie Gold einen höheren Aufschlag erzielen. Für deutsche Privatanleger, die traditionell auf Anleihen als Stabilitätsanker setzen, ist dies ein relevanter Hinweis.
Bolliger empfiehlt Anlegern, ihre langfristige Perspektive auf Gold an diese tiefgreifenden strukturellen Veränderungen in der globalen Finanzarchitektur anzupassen. Portfolios, die darauf ausgelegt sind, systemischer Inflation und Belastungen durch Staatsverschuldung standzuhalten, könnten feststellen, dass Gold „als strategischer Diversifikator" dient – so das abschließende Fazit des UBS-CIO. Kurzfristiger Gegenwind ändert demnach nichts am positiven strukturellen Bild für das Edelmetall.

