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Übernahmekampf um ProSiebenSat.1 spitzt sich zu

Italiener und Tschechen buhlen um Macht – Berlin warnt vor Einfluss auf Inhalte

Übernahmekampf um ProSiebenSat.1 spitzt sich zu

Ein Übernahmepoker um ProSiebenSat.1 bringt zwei internationale Medienkonzerne in Stellung: Die italienische MediaForEurope (MFE) der Berlusconi-Familie und der tschechische Finanzinvestor PPF liefern sich ein Tauziehen um die Kontrolle beim angeschlagenen deutschen Fernsehriesen. Beide Unternehmen wollen ihre Beteiligung ausbauen, wobei MFE mit knapp 30 Prozent bereits größter Einzelaktionär ist. Die Tschechen halten derzeit etwa 15 Prozent der Anteile, wollen aber auf bis zu 29,99 Prozent aufstocken – exakt die Schwelle, an der eine Pflichtofferte an die übrigen Aktionäre fällig würde.

MFE hat sein Angebot kürzlich aufgestockt. Neben 4,48 Euro in bar pro Aktie bietet die italienische Holding nun zusätzlich 1,3 eigene Aktien – zuvor waren es lediglich 0,4. Unternehmenschef Pier Silvio Berlusconi betonte, die Anhebung sei keine Korrektur, sondern Ausdruck des Vertrauens in das gemeinsame Industrieprojekt. Einsparungen und Synergien von über 400 Millionen Euro hält MFE für möglich, vor allem in den Bereichen Werbung, Technologie und Daten. Ein Sprecher des Konkurrenten PPF äußerte sich nicht zu dem Angebot.

Politische Bedenken kommen aus Berlin. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer warnte vor möglichen Einschränkungen der redaktionellen Unabhängigkeit bei einem Eigentümerwechsel. Er lud Berlusconi zu einem Gespräch ins Kanzleramt ein. Dieser versicherte, man wolle nicht die vollständige Kontrolle über ProSiebenSat.1 übernehmen, sondern lediglich die Richtung vorgeben – unter Wahrung der nationalen Identität und redaktionellen Freiheit des Senders.

Der Deutsche Journalistenverband äußerte sich ebenfalls kritisch. Vorsitzender Mika Beuster sieht neben Risiken für journalistische Arbeitsplätze auch problematische politische Verflechtungen. Hintergrund sind unter anderem frühere Verbindungen des verstorbenen Silvio Berlusconi zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Auch MediaForEurope wird eine Nähe zu rechtspopulistischen Positionen attestiert.

ProSiebenSat.1-Chef Bert Habets zeigte sich offen für eine europäische Perspektive und erklärte, man freue sich auf die weitere Zusammenarbeit mit MFE. An der Börse ließ das neue Angebot den Kurs der Aktie steigen, doch die institutionellen Investoren zeigen sich bislang zurückhaltend. Die Annahmefrist des Angebots läuft noch bis zum 13. August, könnte sich aber bei Änderungen automatisch verlängern.

Der Konzern hat in den vergangenen Jahren deutlich an Wert verloren. Vom einstigen DAX-Mitglied ist ProSiebenSat.1 mittlerweile in den SDAX abgestiegen. Seit dem Rekordhoch 2015 hat die Aktie über 85 Prozent an Wert eingebüßt. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei rund 1,8 Milliarden Euro.

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