Ukrainisches Drohnen-Startup Fire Point wächst auf 7.000 Mitarbeiter
Fire Point ermöglicht über 60 Prozent der ukrainischen Langstreckenangriffe und plant bis Jahresende 100.000 Drohnen zu produzieren.

Das ukrainische Rüstungsunternehmen Fire Point ist seit seiner Gründung im Jahr 2022 zu einem zentralen Pfeiler der ukrainischen Drohnenkampagne gegen Russland geworden. Das in Kiew ansässige Startup begann mit drei Gründungsmitgliedern und produzierte im Gründungsjahr rund 200 Drohnen. Heute beschäftigt das Unternehmen mehr als 7.000 Mitarbeiter und ermöglicht nach eigenen Angaben über 60 Prozent der sogenannten „Langstrecken-Sanktionen" der Ukraine.
CEO Iryna Terekh bezeichnete die Produktion von 200 Drohnen im Gründungsjahr gegenüber CNBC als „riesigen Erfolg". Seitdem ist das Wachstum exponentiell verlaufen. Terekh hält es für „realistisch", dass Fire Point bis Ende des Jahres mehr als 100.000 Drohnen produzieren wird – eine Steigerung, die das Unternehmen in eine andere Dimension katapultieren würde.
„Wir müssen verstehen, dass wir leider in derselben Zeitlinie mit einem völlig barbarischen, imperialistischen Nachbarn leben und mit allem rechnen müssen", sagte Terekh in einem Videotelefonat mit CNBC. Die Unternehmenschefin räumte ein, vor der russischen Invasion naiv auf eine diplomatische Lösung gehofft zu haben: „Leider befand ich mich vor der umfassenden Invasion in dem naiven Zustand zu glauben, dass wir einen Weg zur Deeskalation und eine diplomatische Lösung finden würden. Aber nach dem, was wir beobachten können, ist dies nicht möglich."
Drohnen als strategisches Druckmittel
Fire Point ist bekannt für Vorzeigeprodukte wie die FP-1-Serie von Langstreckendrohnen sowie den Marschflugkörper FP-5 Flamingo. Terekh betonte, das Unternehmen tue alles in seiner Macht Stehende, um Kiews Ambitionen für Angriffe tief in russisches Territorium zu unterstützen. „Ich bin sehr stolz und spüre eine große Verantwortung, ein wichtiger Teil davon zu sein. Wir müssen verstehen, dass sich die gesamten Kriegsdoktrinen in diesem Moment live verändern", so die CEO.
Die Drohnenkampagne der Ukraine erstreckt sich von Sibirien bis zur besetzten Krim. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hob Fire Point explizit hervor und erklärte, das Unternehmen rücke Sibirien „in die Reichweite ukrainischer Präzision". Hintergrund war ein Angriff auf eine große Ölraffinerie in der russischen Stadt Omsk im vergangenen Monat. Dieser Angriff galt als Beweis für Kiews wachsende Fähigkeiten bei Langstreckendrohnen – und fiel in die Zeit unmittelbar vor einem NATO-Gipfel in der Türkei.
Die Ukraine hat zuletzt auch ihre Angriffe auf den russischen Einzelhandelsriesen Wildberries – ein mit Amazon vergleichbares Unternehmen – intensiviert. Damit soll ein kritischer Teil der russischen Konsumwirtschaft unter Druck gesetzt und ein neuer Hebel gegen den Kreml geschaffen werden. Analysten wie Christopher Isajiw vom Atlantic Council weisen jedoch darauf hin, dass Fortschritte in Richtung Frieden erst dann möglich werden könnten, wenn die Fortsetzung des Krieges für Russlands Präsidenten Wladimir Putin kostspieliger wird als dessen Beendigung.
Ambitionen bei Raketenabwehr – und europäische Finanzierungsprobleme
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Zur AktienanalyseFire Point verfolgt darüber hinaus das ambitionierte Ziel, ein eigenes Abfangsystem für ballistische Raketen zu entwickeln – zu einem Bruchteil der Kosten eines amerikanischen Patriot-Systems. Terekh räumte jedoch ein, dass dies bedeute, in wenigen Jahren ein Programm umzusetzen, das normalerweise zwei bis drei Jahrzehnte dauert.
Selenskyj hatte internationale Partner wiederholt aufgefordert, die Lieferung von Abfangsystemen zu beschleunigen. Beim NATO-Gipfel in der Türkei teilte US-Präsident Donald Trump Selenskyj mit, dass die USA der Ukraine die Produktion von Abfangsystemen für ballistische Raketen gestatten würden. Seitdem hat Trump jedoch Zweifel an Plänen geäußert, Kiew die Herstellung von Patriot-Systemen im Inland und in Europa zu erlauben – was unter ukrainischen Beamten Besorgnis ausgelöst hat.
Zusätzlich belastet eine Verzögerung bei der europäischen Finanzierung das Unternehmen. Terekh erklärte, diese Verzögerung habe Fire Point daran gehindert, die Produktion des Marschflugkörpers Flamingo zu maximieren. Russische Streitkräfte haben unterdessen die Zahl der Raketenangriffe auf ukrainische Städte erhöht und versuchen damit offenbar, den Mangel Kiews an Abfangsystemen auszunutzen. Ukrainische Beamte befürchten, dass ein bevorstehender Winterangriff die bisher härteste Herausforderung des Krieges für das Land darstellen könnte.


